Eltern leben
Pro und Contra
Pro / Contra

Babys ohne Windel – funktioniert das?

Kein Baby-Forum ohne die teils heftig geführte Diskussion zum Thema „windelfrei“. Während frühere Müttergenerationen darüber meist nur verständnislos den Kopf schütteln, setzen sich viele Eltern mit dieser Frage intensiv auseinander – und machen damit sehr unterschiedliche Erfahrungen. Wir stellen euch zwei davon vor und wünschen euch, dass ihr dadurch euren eigenen Weg findet.

Baby liegt auf Bauch und Hände von Mutter sanft auf dem Rücken.

„Von Anfang an lief es super – ohne dass wir es geplant hätten“

Maria, 39,  sie hat 4 Kinder

Meinen ersten Sohn habe ich noch mit ganz normalen Wegwerfwindeln gewickelt. Aus ökologischen Gründen bin ich bei Baby Nummer zwei und drei dann auf ein Stoffwickelsystem umgestiegen, das mir sehr gut gefallen hat. Ich fand den Stoff am Babypopo einfach angenehmer als Kunststoff.

Wir hatten also Geld in ein richtig gutes Windelsystem investiert und als sich unser viertes Kind ankündigte, war für mich und meinen Mann klar, dass es wieder damit gewickelt werden soll. Amon kam dann zu Hause auf die Welt. Er war irgendwie so rein und nackig, dass wir ihm gar nichts anziehen wollten. Es war ein herrlich warmer Sommer und so verbrachten wir die ersten Tage im Wochenbett immer nur leicht zugedeckt. Amon schlief an meiner Seite oder auf meiner Brust.

Er hatte Stuhlgang, nach dem man fast die Uhr stellen konnte. Relativ schnell hatte er einen zwei bis drei Stunden Rhythmus beim Stillen. Tagsüber machte er während der allermeisten Mahlzeiten ein großes Geschäft. Er hielt im Trinken inne, machte ein kleines grunzendes Geräusch, zog die Beinchen an und machte ein Häufchen. Anfangs ging das noch auf die Unterlage, die ich ihm unter den Popo legte. Bald schon hatte ich aber beim Stillen immer ein kleines Schüsselchen an meiner Seite. Wenn ich merkte, dass etwas kommt, hielt ich ihn kurz darüber, putzte seinen Popo und er konnte weiter trinken. Auch das kleine Geschäft kündigte sich regelmäßig an und wurde auf die gleiche Weise behandelt. Auch als die ersten Wochenbetttage vorbei waren, blieb Amon windelfrei – eigentlich ganz ungeplant.

Mit vier Kindern ist der Alltag in der Familie natürlich schnell wieder da gewesen. Inzwischen ist es so, dass ich Amon zu Hause fast immer windelfrei habe. Wenn mal was danebengeht, sehen wir das nicht so eng. Unterwegs trägt er ein Stoffwindelsystem, wobei ich ihn abhalte, wenn eine Toilette in der Nähe ist und ich schnell genug bin.

Für uns passt das so sehr gut. Für mich und meinen Mann ist es etwas ganz Besonderes, auf die Zeichen zu hören, die Amon von sich gibt, wenn er sich entleeren muss. Bei den anderen drei Kindern haben wir das gar nicht wahrgenommen, weil sie von Anfang an eine Windel trugen.

„Uns war das viel zu anstrengend“

Anja, 29, sie hat 1 Kind

Als unser erstes Baby Christina auf die Welt kam, haben mein Mann Thomas und ich uns viel mit dem Thema „windelfrei“ auseinandergesetzt. Uns hat das bedürfnisorientierte Konzept sehr gut gefallen. Als Christina dann drei Monate alt war, beschossen wir, tagsüber auf Windeln zu verzichten. Wir zogen ihr Schlupfhosen an, die man schnell runterziehen kann und harrten der Dinge die da kommen sollten.

Von der Literatur zum Thema wusste ich schon, dass Babys, kurz bevor sie Stuhlgang oder Urin ablassen, markante Geräusche von sich geben. Wir legten also unserem Baby die Windeln ab und waren voller freudiger Erwartung, wie es wohl ohne laufen würde. Wie vor einem Fernseher saßen wir vor der – noch viel schlafenden - Christina und warteten auf die „Signale“…Nichts passierte. Dafür war Christinas Body ständig nass. Wir mussten sie bis zu zehnmal am Tag umziehen. Es war richtig stressig für uns.

Ich machte mir Gedanken darüber, ob es mir an Feinfühligkeit mangelt, dass ich nicht erkennen kann, wann mein Baby „mal muss“. Viele andere Eltern hatten das doch auch geschafft und damit eine enge und innige Beziehung zu ihrem Baby aufgebaut. Das wollte ich auch.

Deshalb ließ ich nicht locker. Regelmäßig beobachtete ich Christina. Tatsächlich bemerkte ich bald, dass sie vor ihren „Geschäften“ ein zartes Grunzen von sich gab. Das war allerdings ziemlich häufig und in den Schlafphasen oftmals kaum zu bemerken.

Irgendwann war ich fix und fertig. Kochen, den Haushalt erledigen, duschen, mal ein Buch lesen…ich konnte mich keiner Tätigkeit mehr hinwenden, alles richtete sich nach dem zu erwartenden Geschäft meines Nachwuchses. Ich war entweder damit beschäftigt das Baby zu beobachten, um ja kein Signal zu übersehen oder ich musste Kleidung wechseln, weil doch wieder etwas daneben ging. Wenn sie im Schlaf pieselte, musste ich sie zum Wechseln manchmal wecken und sie war dann furchtbar unleidig.

Als ich nach einer Woche völlig erschöpft war, kam Thomas mit unseren „Notfall“-Windeln, die wir noch hatten. Ich sträubte mich kurz, ließ mich aber von Thomas überreden es nochmal mit Windel zu versuchen. Es war herrlich und genau die richtige Entscheidung! Ich konnte mich wieder länger einer Aufgabe widmen oder etwas für mich tun. Christina hatte das erste halbe Jahr sehr lange Schlafphasen. Ich konnte sie nun einfach schlafen lassen und wechselte danach in Ruhe die Windel.

Inzwischen lassen wir Christina regelmäßig nackig strampeln, weil sie das so gerne mag. Dann lege ich ein Handtuch unter, das sie nach Lust und Laune vollpieseln kann. Wir genießen diese Nackigzeit beide. Ich bin aber sehr froh, dass ich mich von dem Druck, den ich mir wohl selbst gemacht habe, befreien konnte. Die richtige Entscheidung für uns alle.

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