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Dein Baby stillen – 12 gute Gründe dafür!

Während der Schwangerschaft bekommt ein Baby automatisch und dauernd Nahrung. Wenn es auf der Welt ist, müssen sich Mutter und Baby umstellen. Dann gibt es Nahrung von außen und nicht mehr dauerhaft. Aus der Brust der Mutter oder aus der Flasche, von der Mutter oder dem Vater gefüttert. Viele Gründe sprechen für das Stillen, darum geht es in diesem Artikel.

Mutter hält Säugling auf dem Arm

Stillen oder Nicht-Stillen?

Nicht alle Mütter können oder wollen stillen. Jede von ihnen hat dafür gute Gründe, die es zu respektieren gilt. Stillen oder Nicht-Stillen, darüber kann es heftige Diskussionen, ideologisch geprägte Ansichten oder sogar Streit geben. Fakt ist: eine Mutter, die stillt, ist nicht automatisch eine bessere Mutter als eine andere, die nicht stillt. Und umgekehrt. Wir sind der Meinung, dass jede Mutter auf ihre Art und Weise darum bemüht ist, ihr Baby bestmöglichst zu ernähren.

Wenn du dein Baby nicht stillst, findest du Informationen über geeignete Milchnahrungen hier in diesem Artikel >>Welche Nahrung für mein Baby, wenn ich nicht stillen kann oder möchte?

„Breast is best“

Die beste Form der Ernährung für ein Baby in den ersten Lebensmonaten ist das ausschließliche Stillen. Der Satz Breast is best veranschaulicht das bestens. Stillen ist die natürlichste Art und Weise der Ernährung - schon seit Jahrhunderten.

Die Ernährung eines Kindes mit Muttermilch hat außerdem viele kurz- und langfristige Vorteile für das Kind. Nicht nur für das rasante Wachstum und die Entwicklung in den ersten Lebenswochen, sondern für das ganze Leben. Darüber hinaus hat Stillen auch Vorteile für die Mutter und die Mutter-Kind-Beziehung.

Teilstillen oder Abpumpen: auch das ist prima!

Manchmal kommt es vor, dass die Muttermilch nicht ausreicht, trotz aller Bemühungen und Hilfen. Dann braucht das Baby zusätzliche Nahrung aus der Flasche. Wenn du es schaffst, trotzdem weiter zu stillen, dann ist das prima. Auch kleinere Mengen bringen Schutz und Vorteile für das Baby und Nähe für Mutter und Kind.

Muttermilch kann natürlich auch abgepumpt und mit der Flasche gefüttert werden. Wenn es zum Beispiel für das Baby zu schwierig oder zu anstrengend ist, an der Brust zu saugen, wird das gerne empfohlen. Oder damit die Mutter entlastet ist, weil die Flasche natürlich auch vom Papa gefüttert werden kann. Übrigens: abgepumpte Muttermilch kann auch eingefroren und zu einem späteren Zeitpunkt gefüttert werden!

Vorteile für ein Baby, das gestillt wird

  1. Muttermilch ist DIE ideale Nahrung für Säuglinge und zudem leicht verdaulich. Kein anderes Lebensmittel ist so optimal an die individuellen Bedürfnisse des Babys angepasst. Im ersten Lebenshalbjahr deckt sie den Bedarf an allen wichtigen Nährstoffen und Flüssigkeit. Neben diesen Nährstoffen wie Eiweiß, Fett oder Vitaminen enthält sie zahlreiche andere Substanzen, z.B. Immunglobuline, Wachstumsfaktoren, Hormone, Enzyme, Prä- und Probiotika. Muttermilch ist eine Art all-inklusive Paket mit allem, was das Baby für ein gesundes Heranwachsen braucht (mit Ausnahme von Vitamin D und K). Keine andere Säuglingsmilchnahrung ist so perfekt.

  2. Die Zusammensetzung der Muttermilch ändert sich, je nachdem, was gebraucht wird. Auch das kann keine Flaschennahrung. Innerhalb einer Stillmahlzeit ist die Milch zunächst dünner, damit wird der Durst des Babys gelöscht, später ändert sich die Zusammensetzung und sie wird nahrhafter, damit das Baby satt wird. Die Zusammensetzung der Muttermilch passt sich auch den verschiedenen Entwicklungsphasen des Babys an. Ganz am Anfang enthält sie sehr viele Schutzfaktoren für das Immunsystem (siehe nächster Punkt). Aber mit zunehmender Stillzeit treten andere Aspekte in den Vordergrund, z.B. mehr Nährstoffe fürs Wachstum.

  3. Das Immunsystem und damit die Möglichkeit Infekte selber abzuwehren, entwickelt sich in den ersten Lebensmonaten eines Kindes. Deshalb enthält Muttermilch für diese Übergangszeit zahlreiche Schutzfaktoren gegen Bakterien, Entzündungen oder zur Immunmodulation. Das wird auch als Nestschutz bezeichnet.

  4. Stillkinder haben eine ganze Reihe gesundheitlicher Vorteile: ein geringeres Risiko für plötzlichen Kindstod (sudden infant death syndrome), für Mittelohrentzündungen, Magen-Darm- und Atemwegsinfekten (z.B. Asthma) und für späteres Übergewicht bzw. Adipositas. Das haben viele Studien nachgewiesen. Stillen kann auch helfen Allergien vorzubeugen, aber dazu gibt es keine eindeutigen Beweise.

  5. Muttermilch ist immer fertig, denn Stillen braucht keine Vorbereitungen, Geräte oder Zubehör. Außerdem ist Muttermilch immer hygienisch einwandfrei und richtig temperiert.

  6. Muttermilch schmeckt unterschiedlich, je nachdem, was die Mutter gegessen hat. Damit lernt das Baby schon unterschiedlichen Geschmack kennen und bekommt so einen kleinen Vorgeschmack auf Beikost und Familienessen. Es gibt Hinweise darauf, dass gestillte Kinder später mehr unterschiedliche Lebensmittel essen.

  7. Trinken an der Brust trainiert die Mundmuskulatur. Das hat einen positiven Einfluss auf die Kieferstellung, einer der Grundvoraussetzungen für die Sprachentwicklung.

  8. Es wird vermutet, dass Stillen einen Einfluss auf die kognitive Entwicklung bzw. Intelligenz des Kindes hat. Wissenschaftlich bewiesen ist das jedoch nicht.

Vorteile für die Mutter

Natürlich hat das Stillen auch Vorteile für die Mutter. Einige sind schon genannt worden, z.B. dass Muttermilch immer fertig ist und keine Utensilien braucht. Daneben gibt es noch weitere, vor allem gesundheitliche Vorteile für die Mutter, mit denen wir die Liste fortsetzen.

  1. Die Rückbildung der Gebärmutter verläuft bei stillenden Müttern schneller und besser. Außerdem haben sie ein geringeres Risiko für Diabetes Typ 2 sowie für Brust- und Eierstockkrebs im Verlaufe ihres Lebens.

Vorteile für die Mutter-Kind-Beziehung

  1. Beim Stillen wird durch das Saugen des Babys das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet, das die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind fördern kann. Es gibt auch Berichte darüber, dass stillende Mütter durch den Hautkontakt beim Stillen eine höhere Feinfühligkeit und Sensibilität entwickeln.

  2. Stillen ist ein intensiver nonverbaler Kommunikationsprozess, eine Verständigung ohne Worte. Mutter und Kind lernen sich aufeinander abzustimmen, durch Haut- und Augenkontakt. (Edith Gätjen: Lotta lernt essen. Trias Verlag).

Stillen – weitere Vorteile

  1. Muttermilch ist auch aus ökologischen Gründen prima: es ist ein unverpacktes Lebensmittel, dessen Herstellung umweltschonend, saisonal und regional ist. Und: Muttermilch ist kostenlos. Die Schadstoffbelastung in der Muttermilch ist in den letzten 25 Jahren sehr stark zurückgegangen, das ist also kein Problem mehr.

Nachteile des Stillens?

Bis hierher wurden wirklich viele Vorteile der Muttermilchernährung aufgezählt. Aber nicht verschwiegen werden soll, dass Stillen auch vielleicht mit Nachteilen verbunden sein kann. Zum Beispiel, dass Mütter durch das Stillen stärker angebunden sind und nicht für längere Zeit abends weggehen oder übers Wochenende verreisen können.

Oder weil sie bei ihrer eigenen Ernährung und mit Alkohol aufpassen müssen. Oder weil die Ernährung des Babys dann nicht vom Vater übernommen werden kann. Außer – und das gilt für beide Themen – es kann Muttermilch abgepumpt und mit der Flasche gefüttert werden. Vielleicht ist es dann ein kleiner Trost für dich bzw. euch, dass die Stillzeit auf einige wenige Monate begrenzt ist. Und darauf, wie viel Positives ihr eurem Baby in dieser Zeit geben könnt.

Weitere Informationen

Obwohl Stillen etwas ganz Natürliches ist und man denken könnte, dass jede Mutter intuitiv stillen kann, empfehlen wir dir, dich zu diesem Thema richtig gut zu informieren.

Die praktische Seite des Stillens (wie, wie oft, wie lange etc.) und wo du Hilfe und Beratung bei Stillproblemen findest du in diesem Artikel >>Tipps für einen guten Still-Start

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Autorin-Renate Lieberknecht

Dieser Artikel wurde von >>Renate Lieberknecht verfasst. 
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