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Die ANGEL-Schlaf-Methode – wirksame und sanfte Hilfe für dein Kind

Was kann ich tun, damit mein Baby besser schläft? Wie bekommen Mutter und/oder Vater sowie das Kind endlich die ersehnte Nachtruhe? Diesen essenziellen Fragen des frühen Elternlebens widmet sich die ANGEL-Methode und liefert wirksame Ratschläge und sanfte Wege hin zu besserem Babyschlaf.

  1. Anspannung lösen
  2. Nähe schenken
  3. Gute Schlafbedingungen
  4. Eigenständigkeit sanft fördern
  5. Langeweile
Baby schläft

Was bedeutet ANGEL?

Wie bei der TROST-Methode bei Schreiproblemen ist auch „ANGEL“ ein Akronym, d.h., jeder Buchstabe steht für einen Begriff:

Anspannung lösen
Nähe schenken
Gute Schlafbedingungen
Eigenständigkeit sanft fördern
Langeweile in der Nacht

1. Anspannung lösen

 

Viele Babys lassen sich durch eine Massage beruhigen. Oft reicht schon eine Massage an den Beinen und Füßen, am besten mit Mandel- oder Jojobabaöl. Wenn dein Baby Bauchschmerzen oder Blähungen hat oder sehr unruhig ist, kannst du in der Apotheke nach Fenchel-Kümmel-Öl für Babys fragen, das du mit dem Mandel- oder Jojobaöl mischen kannst. Oft wird auch ein Tropfen beigemischtes Lavendelöl als sehr beruhigend empfunden; Babys können aber auf ätherische Öle wie Lavendel empfindlich reagieren. Frage dazu am besten Hebamme oder Kinderarzt. Gerade in den ersten Lebenswochen nutzt man am besten keine solcher duftintensiven Stoffe, weil Neugeborene Gerüchen gegenüber extrem sensibel und schnell irriert sind.
Wir raten außerdem allen Eltern von Babys und Kleinkindern mit Schlafproblemen, einmal einen guten Osteopathen aufzusuchen. Natürlich solltest du auch mit dem Kinderarzt sprechen, um medizinische Ursachen auszuschließen.
Manchmal schreien Babys auch ohne erkennbaren Grund und brauchen das, um Stress abzubauen. Halte dein Kind dann liebevoll im Arm und höre ihm geduldig zu.

2. Nähe schenken

 

Damit Babys sich sicher fühlen, ist die Nähe von vertrauten Personen wichtig. Trage dein Baby daher tagsüber viel und kuschele auch abends ausgiebig mit ihm. Nutze abends ein liebevolles Ritual – zum Beispiel den Kuscheltieren Gute Nacht sagen, Beten, Singen, Kuscheln.

Vielen Babys hilft es, in einem Beistellbett neben ihren Eltern zu schlafen und auch das Familienbett kann eine gute Option sein, wenn keine Risikofaktoren wie Rauchen, Konsum von starken Medikamenten, Alkohol oder Drogen vorliegen und wenn du nicht in einem Wasserbett oder einer anderen extrem weichen Matratze schläfst. Im Familienbett solltest du dein Baby dann außerdem nur leicht anziehen, z.B. mit einem Schlafsack und ohne Decke, damit es nicht überhitzt. Ein dünnes Schmusetuch oder, bei Kleinkindern, ein Kuscheltier, kann Geborgenheit vermitteln.

3. Gute Schlafbedingungen

 

Das Zimmer, in welchem das Baby schläft, sollte möglichst dunkel sein, denn Dunkelheit fördert die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin. Achte auf eine angemessene Temperierung von ca. 18 Grad Zimmertemperatur. Die meisten Babys kommen bei dieser Temperatur mit einem langärmligen Body in einem Ganzjahresschlafsack (an heißen Tagen ein Sommerschlafsack, ohne Body) gut zurecht. Im Nacken deines Baby kannst du fühlen, ob es schwitzt. An den Füßen kannst du fühlen, ob ihm kalt ist – dann ist es sinnvoll, ihm Socken und ggf. ein zusätzliches dünnes Oberteil anzuziehen.

Sättigung ist eine wichtige Schlafbedingung. Wenn dein Baby bereits Beikost bekommt, kannst du ihm abends einen schlaffördernden Haferbrei anbieten: koche zarte Haferflocken oder einen Hafer-Getreidebrei zum Anrühren mit Wasser oder, wenn du nicht stillst, mit Premilch auf. Der Brei kann mit ein paar Stücken zerdrückter Banane etwas gesüßt werden.

Wenn dein Baby schlecht schläft, solltest du auch seinen Obst-Konsum im Blick behalten, da zu viel Zucker, auch Fruchtzucker, unruhig machen kann. Etwa eine Hand voll Obst am Tag (gemeint ist die Hand des Kindes) reicht und der Großteil sollte möglichst nicht abends verzehrt werden. Sei zurückhaltend mit Fertigbreien – diese enthalten oft Zucker oder „versteckte“ Zuckersatzstoffe.

Kleine Helferlein aus der Natur können ebenfalls zum Einsatz kommen. So machen viele Eltern gute Erfahrungen mit Calmedoron von Weleda, welches Auszüge aus Baldrian und anderen beruhigenden Pflanzen beinhaltet und auch schon für Säuglinge geeignet ist. Ebenfalls beruhigend wirkt das pflanzliche Broyphyllum 50% Pulver.

4. Eigenständigkeit sanft fördern

 

Babys haben ganz natürlicherweise ein großes Bedürfnis nach viel Körperkontakt und Nähe ihrer Bezugspersonen. Das sollte man ernst nehmen und erfüllen.

Dennoch ist es für einen guten Schlaf hilfreich, in kleinen Schritten auch Selbstregulation und Eigenständigkeit zu fördern. Um nachts gut zu schlafen brauchen Babys nämlich die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen. Das können die meisten anfangs noch kaum und die wichtigste Basis für das Erlernen dieser Fähigkeit ist die Nähe und liebevolle Begleitung durch die Eltern. Trage dein Baby also viel, kuschelt viel – aber baue auch tagsüber immer mal wieder kleine Zeiten ein, in denen dein Baby die Gelegenheit hat, ein wenig für sich zu spielen, während du in der Nähe bist.

Auch beim Einschlafen kannst du immer mal wieder versuchen, dein Baby wenn es ruhig und schläfrig, aber noch nicht fest schlafend ist, in sein Bettchen zu legen. Vorher solltest du stets ganz viel kuscheln, um das Nähebedürfnis deines Kindes zu erfüllen. Dein Baby darf gerne in deinen Armen zur Ruhe kommen, nur das feste Einschlafen sollte möglichst oft im Bett erfolgen. Das bedeutet aber nicht, dass du ein kleines Baby, das beim Stillen eingeschlafen ist, absichtlich wecken solltest!

5. Langeweile

 

Was wir hier meinen, ist eine positive „Langeweile“ im Gegensatz zu dem übermäßig vollen, hektischen Alltag, den viele Babys erleben. Achte darauf, genügend freie Zeiten im Alltag zu haben, in denen du einfach zuhause mit deinem Baby „abhängst“. Du solltest dein Baby auch nicht ständig unterhalten und animieren. Als Ausgleich zu intensiven Spielphasen, Liedern oder „Gesprächen“ solltest du dein Baby auch einfach still auf einer Decke liegen und herumschauen lassen.

Wenn dein Baby nachts aufwacht, solltest du dich ebenfalls möglichst „langweilig“ verhalten: So wenig Licht wie möglich, leises Sprechen und nur das Nötigste sagen, kein Spielen oder Scherzen.

Natürlich solltest du liebevoll reagieren, aber eben nicht unterhaltsam, damit dein Baby nicht unnötig animiert wird und denkt, es wäre Zeit zum Spielen. Das hilft deinem Kind, schnell selbst wieder schläfrig zu werden.

Alle unnötigen Aktivitäten solltest du nachts weglassen. Je älter dein Baby wird, desto mehr bedeutet das auch, es nicht bei jedem Aufwachen zu füttern. Wenn dein Baby schon nach einer Stunde wieder wach wird und abends gut getrunken hat, ist es höchstwahrscheinlich nicht hungrig.

Vermutlich wird es die Flasche oder Brust gern nehmen, weil es das beruhigende Saugen genießt.
Damit schaffst du jedoch eine Gewohnheit, die den Schlaf auf Dauer eher stört. Natürlich haben Babys, bedingt durch Infekte oder Wachstumsschübe, mal mehr und mal weniger Hunger und gerade kleine Babys können auch nachts durchaus nach zwei bis drei Stunden wieder hungrig sein.

Doch achte darauf, dass das Stillen oder das Füttern mit der Flasche nicht zum Automatismus bei jedem Aufwachen wird und im Grunde nur der Beruhigung dient.

Versuche einfach, immer mal wieder Gelegenheiten zu finden, bei denen das Baby nicht beim Füttern einschläft. Manchmal hilft es, das Füttern etwas vorzuverlegen und oft schlafen Babys mit drei bis vier Monaten von selbst nicht mehr jedes Mal dabei ein.

Lege es dann, wenn es ruhig ist und eine Weile mit dir geschmust hat, in sein Bettchen. Wenn es schreit, nimm es nicht direkt wieder hoch, sondern versuche ein paar Minuten, es mit Streicheln oder einer Hand auf dem Kopf im Bettchen zu beruhigen. Wenn das gar nicht klappt, kannst du dein Kind natürlich auf den Arm nehmen – aber möglichst nicht, bis es fest schläft, denn das sollte es im Bettchen lernen. Es gibt Abende, an denen das einfach nicht klappt – das ist normal, denn manchmal brauchen Babys einfach ganz viel Nähe, um in den Schlaf zu finden. Trotzdem ist es sinnvoll, diese Vorgehensweise immer wieder zu probieren, um dem Kind nach und nach beizubringen, mit nur wenig Hilfe im Bettchen einzuschlafen. Das erhöht die Chance, dass es sich auch nachts immer öfter selbst beruhigen kann.

Am besten ist es, wenn du im Alter von drei bis vier Monaten verstärkt versuchst, deinem Baby auf diese Weise das möglichst eigenständige Einschlafen im Bettchen beizubringen. Wenn es sich daran gewöhnt hat, kannst du deine Hilfe nach und nach reduzieren – zum Beispiel immer kürzer streicheln und nur noch neben dem Bett stehen oder sitzen und nach einer Weile auch aus dem Raum gehen. Wenn dein Baby schreit, solltest du aber direkt wiederkommen, es beruhigen und dann lieber neben dem Bettchen bleiben.

Erkläre deinem Kind, was passiert

Sag ihm liebevoll, aber entschlossen, dass es nun lernen muss, besser zu schlafen, weil das für die ganze Familie wichtig ist. Anfangs protestieren viele Babys lautstark dagegen, weil dieses neue Vorgehen ungewohnt ist – und Babys lieben Gewohnheiten und kämpfen um sie! Deshalb kann auch diese Methode anfangs mit viel Geschrei einhergehen – jedoch lässt du dein Baby auf diese Weise nicht allein und das ist ein großer Unterschied! Solltest du nach fünf Tagen keinerlei Besserung feststellen, kann es sein, dass es dein Baby irritiert, wenn du es zwischendurch auf den Arm nimmst. Erkläre ihm dann, dass es nun in seinem Bettchen bleibt, dass du aber bei ihm bist und es streichelst. Versuch dabei, es dir selbst so bequem wie möglich zu machen, denn dein Kind spürt, ob du entspannt bist. Helfen können zum Beispiel tiefe, bewusste Bauchatmung und Musik oder ein Hörbuch per Kopfhörer.

Rückfälle sind übrigens normal – bleibe dann liebevoll konsequent, außer natürlich in Ausnahmen wie Krankheiten o.ä.

Noch ein Tipp zum Schluss

Besonders in sehr unruhigen Nächten ist es wichtig, dass du Unterstützung von deinem Partner hast. Vielleicht könnt ihr euch abwechseln. Und achte auch tagsüber darauf, dass du schlafen kannst. Vielleicht gibt es ein wellcome-Team in deiner Nähe, wo du praktische Unterstützung erhalten kannst, damit du auch selbst kleine Auszeiten bekommst.

Mehr Informationen unter www.wellcome-online.de

Wenn du weiterführende Fragen hast, stelle sie unserer Expertin Melanie Schüer in ihrer Gruppe >>Leben mit Baby: Schlafen, Schreien, Glücksmomente oder direkt in unserer >>Online-Beratung!

Melanie Schüer

Autorin-Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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