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Optimale Förderung für mein Kind – von Anfang an!

Wie kann ich mein Kind optimal fördern?
Diesen Satz hört und liest man überall. Sicher möchtest auch du das Beste für dein Kind und fragst dich, wie du dein Kind optimal in seiner Entwicklung begleiten und fördern kannst.

Kleinkind steht im Garten hat großen Hut auf mit Gießkanne

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Viele Eltern kaufen besonders hochwertige Lern- und Förderspiele, gehen mit ihrem Kind zur Babymassage, zum Babyschwimmen, zum Kinderturnen, zum Englisch-Kurs, zur musikalischen Früherziehung und haben das Gefühl etwas zu verpassen, wenn sie das nicht tun.
Im Folgenden möchten wir dir aufzeigen, wie du eine ganzheitlich positive Entwicklung deines Kindes begünstigen kannst, ohne dass du dafür den ganzen Tag mit ihm unterwegs sein musst.

Gut fördern heißt gut beobachten

Die Auffassungsgabe deines Kindes ist tatsächlich vergleichbar mit der Saugfähigkeit eines Schwammes. Es saugt alles auf, verarbeitet sämtliche Eindrücke und speichert diese ab. Kinder lernen aus der Erfahrung mit ihrer Umgebung. Deshalb hat alles was du tust, alles was du deinem Kind anbietest, unmittelbar Einfluss auf seine Entwicklung. Vor allem bei Babys und Kleinkindern entscheidest also du, was deinem Kind zumutbar ist, welchen Reizen du es aussetzen möchtest und welches Spielmaterial dazu geeignet ist, seine Entwicklung zu fördern.

Einen Anhaltspunkt dafür liefern natürlich das Alter und der Entwicklungsstand deines Kindes. Zudem ist es wichtig, dass du die individuellen Interessen, Neigungen und Bedürfnisse erkennst und dich daran orientierst. Manche Kinder spielen gerne im Matsch, andere untersuchen lieber einen Grashalm oder malen, was sie sehen.

Lernsensible Phasen: Nie wieder lernt dein Kind so schnell und viel wie jetzt

Jedes Kind durchläuft Phasen, in denen es besonders empfänglich für bestimmte Lernerfahrungen ist. Dann ist seine Aufmerksamkeit extrem hoch und es lernt sozusagen ganz von alleine. In der Wissenschaft spricht man auch von „sensiblen Phasen“, d.h. von Zeitfenstern, in denen besonders viele neuronale Vernetzungen gelegt werden. Am Beispiel des Spracherwerbs wird das besonders deutlich. Kinder haben in den ersten Lebensjahren eine besondere Sensibilität für Sprachen. Mit einer hohen Auffassungsgabe können sie in dieser Zeit schnell und ohne Anstrengung eine neue Sprache erlernen. Wird diese Phase verpasst, fällt das Erlernen einer Sprache, beispielsweise im Erwachsenenalter, viel schwerer.

Umgekehrt bedeutet das, dass Kinder phasenweise auch nicht empfänglich für bestimmte Erfahrungen sind. Vielleicht wundert es dich, dass dein Kind überhaupt kein Puzzle mag, während das Kind deiner Freundin gar nicht aufhören kann zu puzzeln. Oder dein Kind hatte lange Zeit Spaß und Ausdauer mit dem Ball zu spielen - und ganz plötzlich hat es völlig das Interesse daran verloren. So schnell wie diese lernsensiblen Phasen auftreten, so schnell verschwinden sie auch wieder. Oftmals ist das der Fall, wenn das Kind seine Lernerfahrung gemacht hat und „gesättigt“ ist. Dann richtet es seine Aufmerksamkeit auf das nächste Erleben.

Sichere Bindung als Grundlage für erfolgreiche Förderung

Förderung kann also nur dann gelingen, wenn sie an der individuellen Entwicklung, sprich an den besonderen Empfänglichkeiten deines Kindes orientiert ist. Mit dem entsprechenden Wissen um diese Phasen in den unterschiedlichen Altersstufen, kannst du dein Kind unterstützen, ein anregungsreiches Umfeld bieten und so auf seinen natürlichen Impuls nach Entwicklung eingehen.

Voraussetzung der frühkindlichen Bildung ist dabei die frühkindliche Bindung. Kinder kommen als sogenannter „sekundärer Nesthocker“, also als eine Art „Frühgeburt“ auf die Welt. Sie sind ohne unsere Unterstützung, Pflege, Nahrung und liebevolle Zuwendung nicht überlebensfähig. Je feinfühliger wir von Anfang an auf ihre Grundbedürfnisse eingehen, desto sicherer kann eine emotionale Beziehung entstehen. Je bindungssicherer ein Kind aufwächst, desto lernfähiger wird es sein. Diese frühe erste Lebenszeit entscheidet also maßgeblich über die spätere soziale und kognitive Kompetenz.

Lernsensible Phasen im Überblick

Schon Maria Montessori erkannte, dass Kinder in ihrer Entwicklung unterschiedliche Lernempfänglichkeiten durchlaufen. Diese sensiblen Phasen werden durch Instinkte geleitet und bestimmen, was aus der Umwelt jeweils aufgenommen werden soll. Sie bewirken, dass Kinder auf gewisse Dinge achten und andere vernachlässigen. Somit kann z.B. erklärt werden, warum sich dein Kind gerade für das Ballspielen aber nicht für das Puzzeln interessiert.

Eine sensible Phase zu ignorieren bedeutet, eine Lernchance zu verpassen. Eine größtmögliche Entwicklung bei kleinster Anstrengung ist in der Form dann nicht mehr möglich, also irreversibel. Beachtest du hingegen diese Phasen, dann kannst du dein Kind wirksamer beim Lernen unterstützen und in seiner ganzheitlichen Entwicklung fördern. Dein Kind reift zu einer selbstständigen Persönlichkeit heran und löst sich nach von dir, um ein selbstbestimmtes, erwachsenes Leben zu führen.


Zu unterscheiden sind drei große Phasen, die hier nur grob vorgestellt werden können. Die erste Phase von 0-6 Jahren wird in zwei Teilphasen gegliedert. Sie wird als labil bezeichnet. In diesem Alter entwickelt sich die Basis für Persönlichkeit und Intelligenz deines Kindes. Als Elternteil hast du also in diesen ersten Lebensjahren die allergrößte Einflussmöglichkeit auf die Entwicklung deines Kindes. Informationen über die Entwicklung sind daher die Voraussetzung für eine gezielte Förderung.

Sensible Phase 0 – 3 Jahre: Dein Kind lernt ungefiltert und unbewusst

Im Alter von 0-3 Jahren nimmt dein Kind noch völlig ungefiltert und unbewusst sämtliche Reize der Umgebung, positiv wie negativ, auf. Sensibilitäten zeigt es hinsichtlich der Bewegung, der Ordnung und der Sprache. Maria Montessori nennt dies Lernen mit dem „absorbierenden Geist“.

tasten...

Durch das Greifen, Tasten, Drehen, Krabbeln und Laufen koordiniert und kontrolliert dein Kind zunehmend seine zunächst zufälligen Bewegungen. Fängt dein Baby um den dritten Monat etwa an seine Hand zu entdecken, dann steht dieses Thema im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit. Jetzt ist es wichtig, genau zu beobachten und bspw. geeignete Gegenstände anzubieten, die dein Kind fallen lässt, sie immer wieder aufzuheben und erneut anzubieten. Dein Kind interessiert sich in dieser sensiblen Phase also für die Funktion seiner eigenen Hand und der Finger, weniger für den Gegenstand an sich. Zeitgleich wird eine richtige Tastleidenschaft bei deinem Baby entfacht. Mit dem Wissen um diese sensible Phase, kannst du deinem Baby eine entsprechend anregende Umgebung anbieten. Hier eignen sich ganz gewöhnliche Gegenstände unterschiedlicher Materialien aus dem Haushalt oder der Natur (Tücher, Kochlöffel, Tannenzapfen usw.), mit denen frei erkundet und hantiert werden darf.

ordnen...

Vielleicht hast du schon einmal bemerkt, dass dein zweijähriges Kind irritiert wirkt, wenn Gegenstände nicht an dem erwarteten Platz liegen. Dann bemerkt dein Kind diese „Unordnung“ sofort und räumt von sich aus den Gegenstand wieder zurück (z.B. hebt es einen am Boden liegenden Stuhl auf). Eine äußere Ordnung, Beständigkeit und Wiederholung bieten deinem Kind Sicherheit und Verlässlichkeit. Es kennt die Lage der Gegenstände im Raum, kann sich an die Stellen erinnern und sich selbstbewusst in dieser Umgebung bewegen. Diese Empfänglichkeit bedeutet nicht, dass dein Heim immer auf Hochglanz poliert sein sollte. Vielmehr geht es darum, deinem Kind einen überschaubaren Rahmen zu bieten, in dem es sich selbständig gut und sicher bewegen kann. Kommt dein Kind an seine Sachen selbst heran? Ist die Anzahl an Spielmaterial übersichtlich und überschaubar? Haben die Bücher einen festen Platz? Sind sie gut erreichbar für dein Kind? Versuche also die Umgebung aus Perspektive deines Kindes zu betrachten und vorzubereiten.

sprechen...

Die Sprachempfänglichkeit deines Kindes, vom ersten Schreien, dem Lallen, über das Plappern, ersten Wörtern bis hin zu ganzen Sätzen, ermöglicht dir einen ganz bewussten Umgang damit. Nutze bspw. Wickelsituationen dazu, auch sprachlich in einen liebevollen Austausch zu kommen. Selbst deinem Neugeboren kannst du sagen, dass du jetzt bspw. sein Bein berührst, um die Hose anzuziehen. Dabei geht es nicht darum, dass du Romane erzählst und möglichst viel sprachliche Info in kürzester Zeit übermittelst. Es geht um ein feinfühliges Miteinander. Setze deine Sprache bewusst und gezielt ein. Für Fingerspiele, Reime, Lieder, gemeinsames Musizieren ist dein Kind in diesem Alter besonders empfänglich.

Sensible Phase 3 – 6 Jahre: Dein Kind lernt bewusst und entwickelt Vorlieben

Im Alter zwischen 3 und 6 Jahren entwickelt sich nach und nach das Bewusstsein deines Kindes. Es ist sensibel hinsichtlich der Differenzierung und Perfektionierung seiner erworbenen Fähigkeiten (bspw. Springen, Klettern). In diesem Alter beginnt zudem eine Empfänglichkeit für die soziale Integration in Kleingruppen. Erste Freundschaften entstehen und Kinder fühlen sich einer Gruppe zugehörig.

Woran zeigt dein Kind in dieser Phase besonderes Interesse? Malt es gerne, singt es viel oder tobt am Liebsten wild draußen herum? Wenn du die besonderen Interessen erkennst, dann kannst du sie aufgreifen und deinem Kind entsprechend zusätzliche Anregung bieten. Kinder interessieren sich in diesem Alter häufig für Zahlen und Buchstaben. Nutze diese Empfänglichkeit, um mit deinem Kind bspw. beim Einkaufen die Äpfel zu zählen oder Buchstaben auf den Rücken zu malen und erraten zu lassen.

Sensible Phase 6-12 Jahre: Dein Kind als „Forscher und Abenteurer“

Die Phase von 6-12 Jahren wird als stabil bezeichnet. Hier passiert Wachstum ohne große Veränderungen. Kinder in diesem Alter sind Kinder sensibel dafür, ihren eigenen Aktionsradius zu erweitern. Als „Forscher und Abenteurer“ nimmt das Leben in der Gruppe immer mehr Raum ein. Die Familie steht nicht mehr vorrangig im Mittelpunkt. Dein Kind kann zunehmend abstrakt denken.

Es entwickelt jetzt ein soziales und moralisches Bewusstsein, ein Verständnis für Gerechtigkeit und Regelverhalten. Auf ungerechte Behandlung reagiert es entsprechend empfindlich. Dein Kind hat einen unheimlichen Drang nach Wissenserwerb. Es möchte Ursache und Wirkung erforschen. Biete ihm „geistige Nahrung“, bspw. durch Fachbücher aus der Bibliothek, gemeinsamer Internetrecherche, durch Diskussionen oder auch Museumsbesuche. Es kann Zusammenhänge nun gut verstehen, auch ohne die direkte praktische Erfahrung mit den Dingen machen zu müssen.

Sensible Phase 12-18 Jahre: Dein Kind in der „Selbstfindung“

Die dritte Phase von 12-18 Jahren wird wieder als labil bezeichnet. Es passiert sehr viel. Die Jugendlichen, mit dem starken Bestreben nach Selbständigkeit, möchten als eigene Persönlichkeit geachtet werden und aktiv eine Rolle in der Gesellschaft übernehmen. Mit ersten Jobs oder kleinen Aushilfstätigkeiten bei Bekannten – insbesondere in Bereichen, die körperliche Tätigkeit beinhalten – kann dieser Sensibilität gut entsprochen werden. Zeitgleich werden sie durch ihre körperlichen und psychischen Veränderungen verunsichert, begleitet von Selbstzweifeln, heftigen Gemütsbewegung und Entmutigung.

So äußert sich in dieser Phase auch ein intensives Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit. Dein Kind in diesem Alter gut zu begleiten und zu fördern bedeutet, die inneren Spannungen deines Kindes anzunehmen, dich anzubieten aber nicht aufzudrängen, Halt zu geben bei gleichzeitigem Loslassen.

Fazit: Die optimale Förderung braucht eine liebevolle, aufmerksame Beziehung

Der Überblick über die sensiblen Phasen ermöglicht dir ein gutes Verständnis für verschiedene Verhaltensweisen und Reaktionen deines Kindes. Durch intensive Beobachtung des Verhaltens, der Interessen und Beschäftigungen, kannst du passgenaue Anregungsmöglichkeiten bieten. Wichtig ist dabei, dass dein Kind selbst tätig werden kann. Unterstütze es, wenn es der Unterstützung bedarf und halte dich zurück, wenn es selbst und eigenständig Lernerfahrungen machen kann.


Ganz egal, wie alt dein Kind ist und in welcher Phase es sich befindet: Eine liebevolle, aufmerksame Beziehung, ein feinfühliger Umgang, das Wissen um kindliche Bedürfnisse und Sensibilitäten sowie eine entsprechend anregungsreiche, vorbereitete Umgebung bilden den Grundstein einer „optimalen Förderung“.

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Autorin - Nadine Büttner

Dieser Artikel wurde von >>Nadine Büttner verfasst.
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