Pro / Contra

Pucken - Pro und Contra

Seit einigen Jahren werden Babys hierzulande wieder häufiger eingewickelt. „Pucken“ bedeutet, ein Baby relativ stramm in eine dünne Decke oder einen speziellen Pucksack zu wickeln. So gibt es fertige Pucksäcke, die auf Höhe der Arme mit einem Klettverschluss verschlossen werden können. Viele Eltern machen die Erfahrung, dass Babys sich auf diese Weise schneller beruhigen und besser schlafen. Doch das Pucken ist umstritten – selbst bei Kinderärzten. Wir haben für Euch zwei unterschiedliche Erfahrungen aufgeschrieben, die Euch helfen können, Eure eigene Position dazu zu finden.

Pro und Contra
Baby im Bett

Marie: "Das Pucken war unsere Rettung!"

Marie, 28, ist seit zwei Monaten Mama vom kleinen Theo.

Das Pucken war unsere Rettung! Theos Geburt war sehr schwierig, weshalb er von Anfang an recht unruhig war und viel schrie. Anfangs beruhigte er sich sehr gut im Tragetuch, doch mit etwa vier Wochen begann er sich regelrecht dagegen zu sträuben. Daher brauchten wir einen alternativen Weg, ihm bei Schreianfällen zu helfen. Außerdem machte er stets nur sehr kurze Nickerchen, nach denen er noch immer müde und quengelig war.
Als meine Hebamme mir empfahl, ihn zu pucken, war ich erst skeptisch. „Das sieht ja aus wie eine Zwangsjacke!“, murrte ich und konnte mir nicht vorstellen, meinem Kleinen das „anzutun“.
Doch als er wieder stundenlang schrie und nicht zur Ruhe kam, rang ich mich zu einem ersten Versuch durch. Zunächst, während ich ihn noch etwas unbeholfen einwickelte, schrie er sogar noch hysterischer und ich war kurz davor, einen Rückzieher zu machen. Doch dann – oh Wunder – wurde er plötzlich ganz still und schlief innerhalb von fünf Minuten ein. So schnell klappt es seitdem nicht immer, aber definitiv sehr viel schneller als ohne den Pucksack. Außerdem, das ist mir besonders wichtig, schläft er gepuckt endlich mal länger am Stück und ist danach viel erholter und ausgeglichener. Vorher hat er oft im Leichtschlaf mit den Armen gezuckt und sich dadurch selbst geweckt – das passiert dank des Einwickelns nicht mehr.
Eine Freundin meinte, das Pucken schade den Hüften des Kindes, doch da konnte der Kinderarzt mich beruhigen. Das Risiko besteht nur, wenn die Beine eng gewickelt sind. Deshalb nehmen wir lieber einen Pucksack, der an den Beinen weit ist und an den Armen mit Klett geschlossen wird. Die Enge soll die Babys ja an den Mutterleib erinnern und damit Geborgenheit vermitteln.
Natürlich ist Theo nicht ständig im Pucksack – zwischendurch trage ich ihn auch, wir kuscheln oder er spielt auf seiner Decke. Aber für die Schlafenszeiten und Schreistunden ist der Pucksack ein echter Segen!

Lukas: "Das ist nichts für uns"

Lukas, 35, seit vier Monaten Papa von Lara-Marie.

Als Lara-Marie im Alter von sechs Wochen ziemlich viel schrie, riet uns eine Freundin, sie doch mal zu pucken. Ich hatte das schon öfter bei Freunden gesehen, aber hatte es immer recht seltsam gefunden, das Baby so „einzuschnüren“. Ich meine, klar war es im Mutterleib auch eng, aber so richtig eng doch nur in den letzten paar Wochen und wer weiß, wie angenehm die Kleinen das wirklich finden!
Mein Nachbar ist Kinderarzt und der hält auch nichts vom Pucken. Er meinte, die Babys merken, dass sie so eingewickelt nichts mehr ausrichten können und resignieren dann –  so eine Art „Schock-Starre“, während wir meinen, sie würden sich wohl fühlen und deshalb aufhören, zu schreien.
Außerdem soll man ja mit Blick auf den Plötzlichen Kindstod Überhitzung vermeiden. Und in einer so eng gewickelten Decke kann doch schnell mal ein Hitzestau entstehen, denke ich!
Also, ich vermute, für ein unruhiges Baby ist Körpernähe deutlich besser als gefesselt in einem Tuch zu liegen. So richtig gut kuscheln kann man mit einem gepuckten Baby nämlich nicht, das habe ich mal bei meiner kleinen Nichte festgestellt. Sie wurde im Grunde ständig gepuckt, tagsüber und auch nachts, und naja, motorisch ist sie bisher nicht besonders fit. Ob das am Pucken liegt, lässt sich natürlich nicht nachweisen, aber ich halte das schon für einleuchtend.
Als ich tatsächlich mit dem Gedanken spielte, das Pucken doch mal zu probieren und mir die Wickelanleitung ansah, merkte ich: Das ist nichts für uns. Meiner Frau ging es genauso. Und ich denke, wenn man sich selbst so unwohl damit fühlt, merken die Kleinen das auch.
Glücklicherweise wurde das Schreien nach zwei Wochen dann von selbst weniger, sodass das Pucken dann auch kein Thema mehr war.

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