Pro / Contra

Soll ich meinem Baby einen Schnuller geben?

Diese Frage stellen sich viele Eltern. Wir haben die unterschiedlichen Meinungen zweier Baby-Eltern gesammelt, um dich bei der Entschiedung zu unterstützen.

Pro und Contra
Schnuller an einer Leine

Jonas: "Das Leben als Eltern ist anstrengend genug"

Jonas, 27, ist seit 12 Monaten Papa von Ella. Seit einem halben Jahr ist er in Elternzeit und froh, dabei auch mal den Schnuller als „kleinen Tröster“ einsetzen zu können.

Ella war von Anfang an kein pflegeleichtes Baby. Sie schrie viel, wollte ständig an die Brust. Anfangs hat meine Frau das häufige Stillen noch mitgemacht und gehofft, dass sich das bald von selbst regeln würde. Doch als Ella mit 8 Wochen noch immer nahezu stündlich schrie und durch nichts anderes als Saugen zu beruhigen war, meinte sie: „Schatz, bring doch beim Einkaufen mal bitte einen Schnuller mit.“ Ich hatte nichts dagegen und fand ein ziemlich cooles, schwarz-rotes Exemplar mit der Aufschrift „Rock Baby“.
Wie wohl die meisten jungen Eltern habe ich mich immer ein wenig vor dem Plötzlichen Kindstod gegruselt, weil es einen solchen Fall bei uns im Bekanntenkreis gibt und ich hatte gelesen, dass der Schnuller wohl das Risiko für den Plötzlichen Kindstod minimiert. Ein netter Nebeneffekt!
Ich muss sagen, der Schnuller war für uns alle eine Erleichterung. Meine Frau konnte endlich mal wieder ein paar Stunden für sich haben, ohne zu fürchten, dass ich als nicht-stillfähiger Elternteil zuhause hilflos mit dem schreienden Wurm sitze. Und ich hatte das Gefühl, viel besser in meiner Vaterrolle anzukommen, da nun auch ich unser Mädchen trösten konnte. Ein Freund hatte mir geraten, Ella doch einfach an meinem Finger nuckeln zu lassen. Zuhause mag das ja gehen, aber wenn man zum Beispiel unterwegs ist und alles Mögliche anfasst, finde ich das ziemlich unhygienisch und gesundheitlich fragwürdig.
Offenbar hat Ella einfach ein sehr ausgeprägtes Saugbedürfnis und ich kann gut verstehen, wenn Frauen auf Dauer nicht als „lebendiger Schnuller“ herhalten wollen. Außerdem gibt es so einige Situationen, in denen – selbst wenn die Mutter immer da wäre -  Stillen eher unpraktisch bis unmöglich ist – zum Beispiel im Auto, beim Fahrradfahren oder Einkaufen.
Und auch Kleinkinder haben eben noch ein gewisses Saugbedürfnis.
Okay, ich gebe zu, dass es manchmal nicht ganz einfach ist, das Schnullern auf ein vernünftiges Maß zu begrenzen. Ella schätzt dieses „vernünftige Maß“ etwas anders ein als ihre Eltern und manchmal siegt da einfach die Bequemlichkeit … Deshalb habe ich auch durchaus etwas Respekt vor der Aufgabe, ihr den kleinen Tröster wieder abzugewöhnen. Aber so langsam versuchen wir, mehr und mehr „schnullerfreie Zeiten“ einzuführen. Auch der Kinderarzt meinte, wenn sie ihn nicht den ganzen Tag drin hat und zum Sprechen rausnimmt, ist alles okay. Dass der Schnuller irgendwie die Anfälligkeit für Süchte im Erwachsenenalter erhöht, kann ich mir nicht so recht vorstellen, solange man das Kind nicht bei jedem Ärger oder Konflikt mit dem Schnuller ruhig stellt und man sein Kind mit Liebe und Wertschätzung erzieht. Und solange ihre Zähne in Ordnung sind, werden wir uns diesbezüglich vor dem dritten Geburtstag keinen Stress machen. Das Leben als Eltern ist anstrengend genug!

Hannah: "Ich sehe keinen Grund, ihm jetzt noch einen Schnuller anzugewöhnen"

Hannah, 31, ist Mama von dem dreieinhalbjährigen Leo und von Max, der vor drei Monaten zur Welt kam.

Bei meinem „Großen“, Leo, hat das Stillen leider nicht geklappt. Ob es daran lag, dass wir ihm schon in den ersten Lebenstagen einen Schnuller gegeben haben, weiß ich natürlich nicht sicher, aber kann es mir gut vorstellen. Dass eine Saugverwirrung entstehen kann, wenn gestillte Babys in den ersten Lebenswochen zusätzlich Schnuller oder Flasche geben, hat uns damals leider niemand gesagt.
Beim zweiten Kind waren wir deutlich besser informiert und ich wünschte mir sehr, dass das Stillen diesmal funktioniert. Meine Hebamme hatte mir geraten, dafür zumindest in den ersten sechs Lebenswochen auf den Schnuller zu verzichten, um eine Saugverwirrung sicher auszuschließen. Ich gebe zu, manchmal war die Versuchung groß, zum Schnuller zu greifen – vor allem in den Phasen, in denen Max ständig an die Brust wollte. Zum Glück war das immer nur für ein paar Tage so und seit einigen Wochen ist Max ein sehr entspanntes Baby und meistens reicht es ihm, alle zwei bis drei Stunden gestillt zu werden.
Daher sehe ich eigentlich keinen Grund, ihm jetzt noch einen Schnuller anzugewöhnen. Von meinem Großen weiß ich nämlich, dass es ziemlich schwierig sein kann, den Schnuller später wieder loszuwerden! Leo hat seinen Nucki immer noch und jetzt, wo durch den kleinen Bruder eh alles neu ist, wollen auch nicht hart durchgreifen.
Und ich habe auch mal gehört, dass Menschen, die in der Kindheit viel geschnullert haben, angeblich ein höheres Risiko haben, später Süchte wie Alkoholismus oder Essprobleme zu entwickeln. Keine Ahnung, ob das wirklich so ist, aber mir erscheint es nicht abwegig.
Außerdem hört man ja immer wieder von Schadstoffen in Saugern und anderen Babyprodukten … warum soll ich das Risiko eingehen, meinem Kind so einen künstlichen Ersatz zu geben, wenn ich doch das Original immer bei mir habe?
Ich bin jetzt eh für zwei Jahre in Elternzeit und bin eigentlich immer da, somit finde ich es nicht schlimm, viel zu stillen – und das nicht nur bei Hunger, sondern eben auch mal zwischendurch „nur“ zum Nuckeln.

Du bist dir noch immer unsicher und hast weitere Fragen?
>>Dann stell uns deine Frage! Unser Expertenteam hilft dir gerne weiter. Oder tausche dich aus in der Gruppe
>>"Leben mit Baby: Schlafen, Schreien, Glücksmomente"!