Tipps

Tipps für einen guten Still-Start

Muttermilch ist ein echtes Wunder der Natur! Sie ist immer perfekt temperiert, lecker und vor allem unheimlich gesund: Stillkinder leiden deutlich seltener an Mittelohrentzündungen und Bronchitis, Diabetes und anderen Erkrankungen. Doch Stillen ist nicht nur für das Baby gesund, sondern auch für die Mutter, denn Frauen, die stillen, senken ihr Brustkrebs-Risiko deutlich.
Keine Frage, auch mit der Flasche kann ein Kind gesund und zufrieden aufwachsen. Und keine Mutter sollte sich Vorwürfe machen müssen, wenn das Stillen einfach nicht funktioniert. Doch zu oft steigen Eltern auf die Flasche um, weil ihnen wichtige Tipps und Informationen fehlen. Daher nennen wir hier nützliche Tipps und Tricks für einen erfolgreichen Still-Start:

Tipps
Mutter stillt Baby auf Stuhl

Die Milch reicht nicht?

Um die Milchproduktion zu fördern, solltest du dein Baby häufig anlegen. Also nicht nur alle drei bis vier Stunden, sondern eher alle zwei Stunden oder, wenn dein Baby möchte,  auch noch öfter. Wenn dein Baby noch nicht so oft trinken mag, kannst du auch zwischendurch ein wenig abpumpen. Hilfreich sind auch Kapseln aus aktiviertem Bockshornklee (erhältlich in der Apotheke). Achte darauf, genug zu essen (der Kalorienbedarf steigt zu Beginn der Stillzeit um 600 zusätzliche Kalorien!), genug zu trinken und vermeide Stress! Mach' es dir möglichst viel auf dem Sofa oder im Bett gemütlich – nicht umsonst heißen die Wochen nach der Geburt Wochenbett!

Du weißt nicht, in welchen Abständen du stillen sollst?

Studien und Experten zeigen inzwischen klar: Am besten ist Stillen nach Bedarf. Das bedeutet nicht, dass Säuglinge bei jedem Schreien Hunger haben. Der oft empfohlene Fütter-Abstand von drei bis vier Stunden ist für  viele Babys unter sechs Monaten zu lang, da  sie dann sehr viel auf einmal trinken müssen, was den kleinen Magen belastet. Wenn dein Baby viel schreit oder unzufrieden wirkt, dann schau' doch mal, ob es mit kürzeren Abständen besser zurechtkommt.

Du befürchtest, dein Baby wird nicht satt, weil es gar nicht mehr von der Brust weg will?

Einige Babys zeigen anfangs ein Verhalten namens „Cluster-Feeding“. Das sind Phasen, in denen sie pausenlos trinken wollen. Das ist eigentlich ganz schlau, weil durch häufige, kleinere Mengen der kleine Magen weniger belastet wird. Außerdem wird die Milchmenge auf diese Weise angepasst. Das Beste ist: Lass dein Baby einfach nach Herzenslust trinken – sofern deine Brustwarzen das mitmachen (Tipps zu wunden Brustwarzen unten). Macht es euch bequem und nehmt euch wenig vor – nach ein bis zwei Tagen ist der Spuk meist vorbei! Wenn möglich, achte darauf, dass dein Baby lange genug an einer Brust trinkt und nicht zu schnell die Seiten wechselt, damit es nicht nur die durststillende Vormilch, sondern auch die sättigende Hintermilch erhält. Wenn dein Baby anfangs nur eine Brust pro Mahlzeit nimmt, ist das auch in Ordnung.

Du hast mehr Milch, als dein Baby trinkt?

Kühle die Brust nach dem Stillen mit Kühl-Packs (in ein Handtuc gewickelt) oder Quark-Wickeln (Quark auf eine Mullbinde streichen und darin einwickeln, mit Handtuch umwickeln) und pumpe möglichst nicht ab, da das die Milchproduktion noch mehr anregt. Stattdessen kannst du, wenn die Brust sehr spannt, die Milch ausstreichen, bis der schlimmste Druck weg ist. Das klappt am besten, indem man die Brust erwärmt, z.B. mit einem warmen Waschlappen oder unter der Dusche und dann vom Brustansatz zur Brustwarze hin kräftig streicht (ein wenig wie beim Melken einer Kuh …).
Wenn du trotzdem noch zu viel Milch hast, kann eine kleine Tasse Salbeitee Wunder wirken – aber bitte nicht mehr als eine Tasse am Tag, da die Milchproduktion sonst zu sehr reduziert werden könnte.

Dein Baby hat Schwierigkeiten beim Saugen, weil die Brüste so voll sind?

Wenn dein Baby noch Geduld hat, streiche vor dem Stillen ein wenig Milch aus (am besten vorher etwas wärmen). Lege dich dann auf den Rücken, nimm' dein Baby auf deinen Bauch und lass' es dann trinken. In dieser Position saugt es gegen die Schwerkraft, wodurch der Milchfluss verlangsamt wird.

Dein Baby dreht den Kopf weg?

Manchmal hilft der Wechsel in eine andere Position, zum Beispiel im Liegen oder auf dem Bauch oder im Sitzen.  Und, ganz wichtig: Säuglinge sind sehr geruchsempfindlich. Daher sollten Mütter sich vor dem Stillen nicht eincremen oder gar Parfüm oder Haarspray auftragen und generell möglichst sparsam mit Deo, Parfüm und anderen geruchsintensiven Stoffen umgehen. Babys sehen anfangs schlecht und orientieren sich stark durch ihren Geruchssinn. Wenn sich dann der Geruch der Eltern plötzlich ändert, bedeutet das für das Baby einen großen Schrecken!

Deine Brustwarzen sind wund und schmerzen?

Überprüfe, am besten mit einer Hebamme oder Stillberaterin, ob du dein Baby richtig anlegst – das ist am Anfang Übungssache! Dein Baby sollte die Brustwarze vollständig im Mund haben, bevor es saugt. Außerdem helfen Cremes mit Lanolin und viel Luft – stillende Mütter sollten daher anfangs zuhause, wenn kein Besuch da ist, mal „oben ohne“ herumlaufen. Um die Reibung an der Kleidung zu verringern, sind Milchauffangschalen gut, die auch vor dem Auslaufen von Milch schützen. Hilfreich sind zudem Zinnhütchen oder Silberhütchen, die zwischen dem Stillen auf die Brust gesetzt werden. Diese lindern Schmerzen und Entzündungen. Stilleinlagen aus Seide-Wolle sind hautfreundlicher als Wegwerf-Stilleinlagen. Oft ist eine Kombination gut – unterwegs Wegwerf-Stilleinlagen, weil diese weniger auslaufen und zuhause dann die aus Stoff.

Du hast einen Milchstau?

Kühle die gestaute Stelle zwischen den Stillmahlzeiten. Lege dein Baby so an, dass sein Unterkiefer zur Stelle zeigt, an der der Milchstau sitzt. Stille möglichst oft (etwa alle zwei Stunden) und versuche, auch in der Nacht keine zu große Stillpause entstehen zu lassen. Oft ist es hilfreich, die Brust vor dem Stillen ein wenig zu wärmen. Sollte nach 24 Stunden keine Besserung eintreten oder solltest du hohes Fieber bekommen, hole bitte ärztlichen Rat ein. An deine Hebamme wendest du dich am besten schon vorher.

Trotz der Tipps klappt es einfach nicht oder dein Problem wird hier nicht behandelt?

Lass' dich ausführlich beraten! Nicht jede Hebamme ist eine Still-Expertin. Kostenlose, kompetente Stillberatung bieten die Vereine La Leche Liga (www.lalecheliga.de) und AFS Stillen (www.afs-stillen.de). Dort erhältst du auch hilfreiche Tipps zum Abpumpen, falls es mit dem Stillen dauerhaft nicht klappen sollte, damit die wertvolle Muttermilch trotzdem nicht verloren geht.

Unser Tipp für die Väter

Mache deiner Liebsten Mut, bei Anlaufschwierigkeiten nicht gleich aufzugeben. Lass' sie wissen, wie stolz du darauf bist, wie tapfer sie die Geburt und das Wochenbett meistert! Verwöhne sie mit gutem Essen, denn sie braucht nun deutlich mehr Kalorien! Versorge sie auch beim Stillen mit Getränken und Snacks. Nimm' deiner Partnerin möglichst viel Arbeit ab und ermutige sie, sich viel Ruhe zu gönnen – besonders in den ersten sechs Wochen nach der Geburt.

Unser Tipp zum Schluss:

Wie in so vielen Bereichen des Lebens gilt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Lass' dir und deinem Baby Zeit, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Sorge gut für dich selbst, denn dein Körper erbringt gerade Höchstleistungen!

Wenn du weiterführende Fragen hast, stelle sie unserer Expertin Melanie Schüer in ihrer Gruppe >>Leben mit Baby: Schlafen, Schreien, Glücksmomente oder direkt in unserer >>Online-Beratung!

Melanie Schüer

Autorin

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
Klicke >>hier, um mehr über unser Redaktions-Team zu erfahren.