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Warum dein Baby deine Nähe braucht

Du kennst das: man fühlt sich so müde, dass man im Sitzen einschlafen könnte, aber dein Baby ist immer noch wach. Sobald du es ablegen möchtest, protestiert es. Es scheint deine Nähe zu brauchen und wehrt sich gegen jeden Versuch, sich von dir zu lösen. Vielleicht fragst du dich manchmal, ob das jetzt immer so weitergeht oder wie lange dieser „Zustand“ andauern mag? Hier einige Anhaltspunkte und Tipps, damit du dein Baby und seinen Wunsch nach Nähe besser verstehen und damit umgehen kannst.

Baby lächelt liegt auf Wickeltisch. Haarer von Mutter zu sehen

0-4 Wochen

Im Wochenbett ist ganz viel Kuscheln angesagt! Nimm‘ dir viel Zeit, um dein Baby auf deinem Bauch zu haben und mit ihm zu schmusen. Auch kleine gemeinsame Nickerchen im Bett sind erholsam und tun dem Nähebedürfnis des Babys gut.

  • Sobald du selbst wieder gut laufen kannst, sind auch kleine Spaziergänge mit einem Tragetuch oder einer passenden Tragehilfe sinnvoll. Natürlich ist auch der Kinderwagen okay, aber Babys lieben es, getragen zu werden und das Tragen fördert die gesamte Entwicklung. Deshalb ist es super, wenn man sein Baby häufig trägt, zumindest aber ein- bis zweimal am Tag. Wünsche dir zur Geburt eine Trageberatung. Trageberaterinnen können dir helfen, die passende Tragehilfe für euch zu finden.
  • Auch schon in diesem Alter genießen es Babys, wenn die Eltern mit ihnen sprechen, etwas vorsingen, mit ihren Füßen spielen oder sie massieren. Achte auf ein gutes Gleichgewicht zwischen „Action“ und Ruhe: Am besten wechseln sich kurze Aktionen wie Gespräche, Massagen, Lieder (ca. 5 Minuten) mit ruhigeren Aktivitäten wie Kuscheln und Tragen ab.
  • Und baue immer wieder Phasen ein, in denen dein Baby ganz in Ruhe auf einer Decke oder im Stubenwagen liegt und einfach mal „beobachten“ kann, ohne angesprochen oder belustigt zu werden.

5-12 Wochen

Das Wochenbett ist vorbei und du bist vermutlich mehr mit deinem Baby unterwegs. Achte darauf, dass ihr noch genügend ruhige Kuschelzeiten zuhause habt und versuche, dein Baby möglichst oft, aber mindestens einmal am Tag in einem Tragetuch oder einer Tragehilfe zu tragen – das gibt ihm Geborgenheit und fördert seine Entwicklung. Auch Massagen sind weiterhin sinnvoll.

  • Sei geduldig: auch wenn dein Baby sich jetzt täglich verändert – du bist und bleibst sein Halt im Leben. Nimm dir nicht zu viel vor, plane viel Zeit mit deinem Baby ein, die ihr „nur so“ miteinander verbringt.
  • Da dein Baby jetzt schon wacher ist und sich auch bewegen möchte, kann es Zeit für eine andere, neue Tragehilfe werden. Eine passende Tragehilfe ermöglicht dir auch, gemeinsam mit deinem Baby leichte Hausarbeiten zu erledigen, ohne diese ständig unterbrechen zu müssen, weil dein Baby deine Nähe sucht und weint. In der Rubrik „Angebote vor Ort“ kannst du nach einer Trageberatung in deiner Umgebung suchen.
  • Für Babys ab acht Wochen gibt es Babymassagekurse. Das tut nicht nur deinem Baby gut, sondern auch dir selbst, weil du dort andere Mütter kennenlernen und dich mit ihnen austauschen kannst. In der Rubrik „Angebote vor Ort“ kannst du nach Babymassagekursen in deiner Umgebung suchen.
  • Denke auch an deine eigene Erholung, damit du wieder Kraft für dein Baby hast: Die meisten Babys fremdeln in diesem Alter noch nicht, sodass du einer vertrauten Person ohne Probleme dein Baby eine Weile überlassen kannst. Ein Kinobesuch, ein Abendessen mit deinem Partner o.ä. ist meist gut machbar, wenn die Stillabstände das zulassen.

3-7 Monate

Zwischen fünf und sieben Monaten beginnt meist das Fremdeln (in einigen Ausnahmen auch schon früher). Die Kleinen sind dann sehr auf ihre Bezugspersonen fixiert und lassen sich nicht mehr einfach von jedem auf den Arm nehmen. Manchmal weinen sie sogar, wenn eine fremde Person sie anspricht. Eng damit verbunden ist die Trennungsangst: Babys in diesem Alter spüren nun schnell Angst, wenn sie ihre Eltern nicht mehr sehen.

  • Nimm‘ dieses Nähebedürfnis ernst, indem du viel Zeit mit deinem Baby verbringst und Körperkontakt ermöglichst.
  • Wenn es neue Menschen kennenlernt, dann respektiere seine Zurückhaltung und erwarte nicht, dass es sich direkt von ihnen anfassen oder betreuen lässt.
  • Auch, wenn du im Café mit einer Bekannten „mal eben auf Toilette“ willst und es anfangs kein Problem war, das Baby bei der Bekannten zu lassen – das kann einem Kind in diesem Alter große Angst einjagen. Es weiß schließlich nicht, dass du gleich wieder zurück bist! Deshalb nimm dein Kind auch für solche kurzen Zeiten lieber mit. Eine Soft-Tragetasche aus einem Kinderwagen leistet dazu oft gute Dienste – sie ist rückenfreundlicher für Eltern und Kind und du kannst dein Baby darin kurz ablegen.
  • Wenn die Trennungsangst auch zuhause sehr stark ist, kannst du versuchen, diese durch „Guck-Guck-Spiele“ etwas zu mildern: Verstecke dich beim Spielen für wenige Sekunden hinter einem Kissen oder einer Tür und komme dann lachend wieder. Wenn aber schon das dein Baby in Panik versetzt, lass‘ es lieber sein und versuche es in ein bis zwei Wochen erneut.

8-12 Monate

Die entwicklungsbedingten Trennungsängste deines inzwischen unternehmungslustigen Babys führen meist zu einem großen Nähebedürfnis. Es scheint widersprüchlich, aber tatsächlich steigt mit der Ablösung gleichzeitig das Bedürfnis, dich immer in der Nähe zu wissen. Das kann ganz schön anstrengend sein, ist aber für die weitere Entwicklung und eine stabile Bindung wesentlich.

  • Unter 11-12 Monaten wäre es daher gut, wenn du auf längere Fremdbetreuung verzichten kannst und noch viel selbst für dein Kind da bist oder eine sehr vertraute Person.
  • Kurz vor dem ersten Geburtstag werden dann viele Kinder wieder offener und neugieriger auf das, was die Welt zu bieten hat. Dennoch empfehlen wir dir, wenn du wieder arbeiten möchtest, das Betreuungsangebot sorgsam auszuwählen und Zeit für die Eingewöhnung einzuplanen, um evtl. Trennungsängste langsam zu überwinden.
  • Für viele Kleinkinder ist der Alltag in einer Krippe mit Gruppen von ca. 15 Kindern extrem stressig. Hinzu kommt, dass in Krippen die Bezugspersonen immer mal wieder wechseln, was generell nicht zum Bindungsbedürfnis von unter Dreijährigen passt. Deshalb: Informiere dich, ob es in deiner Nähe eine gute Tagesmutter oder z.B. eine Elterninitiative mit kleineren Gruppen gibt. Wenn es doch die Krippe wird und du ein gutes Gefühl hast, kann aber auch das funktionieren – jedes Kind reagiert unterschiedlich sensibel.
  • Auch du selbst brauchst vielleicht noch etwas mehr Nähe und willst dich noch nicht trennen, weil du merkst, dass dein Baby noch nicht soweit ist. Dein Baby wird das spüren. Überlege in einem solchen Fall, ob du nicht mit deinem Arbeitgeber über eine begrenzte Verlängerung der Elternzeit sprechen möchtest. In wenigen Wochen kann sich so viel verändern, dass bei besonders sensiblen Kindern ein „Nachschlag“ sinnvoll sein kann.

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Melanie Schüer

Autorin - Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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