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Warum schreit mein Baby so viel?

Wenn lange, nervenzehrende Schreiphasen deines kleinen Lieblings Deinen Alltag bestimmen, fragst du dich vermutlich, ob dein Kind ein sogenanntes „Schreibaby“ ist. Und sicherlich möchtest du wissen, woran es liegen kann, dass dein Baby so unruhig ist. Hier findest du Antworten von unserer ElternLeben-Expertin Melanie Schüer.

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Baby schreit

Wann nennt man ein Baby "Schreibaby"?

Etwa jedes fünfte Baby gilt als „Schreibaby“. Ab wann dieser Begriff zutrifft, besagt die sogenannte „Dreierregel“: Schreien über mindestens drei Stunden an mindestens drei Tagen pro Woche seit mindestens drei Wochen.
Diese Regel kann helfen, einzuschätzen, wie ausgeprägt das Schreiproblem ist. Letztlich kann sie aber nur als Orientierung dienen – entscheidend ist, wie es Dir und Deinem Kind geht. Wenn das Schreien dich zunehmend belastet, solltest du dir Hilfe holen – unabhängig davon, ob die Angaben der Dreierregel erfüllt sind oder nicht.

Was können Ursachen für das Schreien sein?

Verdauungsprobleme: 

Früher wurden Schreiphasen von Babys  mit den „Dreimonatskoliken“, also Bauchschmerzen und Blähungen in den ersten Lebensmonaten, erklärt. Heutzutage sehen viele Fachleuchte das anders: Zwar haben Schreibabys viel Luft im Bauch – aber meist nicht als Ursache, sondern als Folge des Schreiens, bei welchem Luft geschluckt wird.
Eine Studie aus den USA deutet doch wieder Richtung Koliken, da sie zeigt, dass die Darmflora von Schreibabys Besonderheiten aufweist. Tatsächlich helfen einigen Babys spezielle probiotische Mittel, welche die Darmflora unterstützen.
Auch die Ernährung könnte eine Rolle spielen: Während in vielen Naturvölkern Säuglinge in sehr kleinen Abständen (stündlich oder noch öfter) gestillt werden, wird hierzulande oft geraten, Babys nur alle drei bis vier Stunden zu füttern. Problematisch, vermutet der Kinderarzt Renz-Polster: Durch die langen Abstände zwischen den Mahlzeiten müssen unsere Babys große Mengen zu sich nehmen, die seinen kleinen Magen überfordern. Das kann zu Schmerzen und Blähungen führen.

Regulationsstörungen:

Statt von Dreimonatskoliken spricht die Fachwelt heute eher von „Regulationsstörungen“: Einige Babys sind außergewöhnlich wach, aktiv und schaffen es nicht, „abzuschalten“. Das führt dazu, dass sie überreizt und erschöpft sind, was sich früher oder später durch lautes Geschrei äußert. Das liegt nicht daran, dass sie „verwöhnt“ wurden, sondern hängt mit ihrem Temperament zusammen: Viele Schreibabys sind später hochsensible, in der Regel besonders wissbegierige, kluge Kinder. Besonders für diese Babys sind regelmäßige Ruhepausen wichtig. Säuglinge unter vier Monaten sind in der Regel schon nach ein bis anderthalb Stunden Wachzeit müde und brauchen ein Nickerchen. 


Stress während Schwangerschaft und Geburt:

Medikamente, z.B. Wehenhemmer und häufige Ultraschalluntersuchungen oder CTG-Kontrollen können für kleine Bauchbewohner Stress bedeuten. Auch psychische Belastungen der Mutter wirken sich durch die Ausschüttung von Stresshormonen auf ungeborene Babys aus. Außerdem wurden Zusammenhänge zwischen B12-Mangel von Schwangeren und vermehrtem Schreien von Babys festgestellt.
Eine anstrengende, sehr lange oder schmerzhafte Geburt hinterlässt ebenfalls Spuren und kann das Wohlbefinden von Deinem Baby beeinträchtigen. Vielleicht belasten Dich die Erinnerungen an die Geburt noch, womöglich auch unbewusst? Eine schwierige Geburt kann traumatisch sein und es braucht gute Begleitung, um ein solches Erlebnis zu verarbeiten. Wenn Deine Geburt sehr belastend war, informiere Dich doch mal über Traumatherapie oder -beratung. Auch eine Eltern-Kind-Psychotherapie kann hilfreich sein.


Das fehlende vierte Trimester: 

Der Kinderarzt Harvey Karp behauptet, dass unsere Babys im Grunde drei Monate zu früh geboren werden – notwendigerweise, weil sie sonst nicht mehr durch das Becken passen würden. Diese Annahme passt zu der Beobachtung, dass Babys in den ersten drei Monaten sich oft gut durch eine Umgebung beruhigen lassen, die dem Mutterleib ähneln: Viel Körpernähe, z.B. im Tragetuch, Puckdecken, mit denen das Baby eingewickelt wird (nicht den ganzen Tag, aber zum Schlafen oft nützlich) und „weißes Rauschen“ (Geräusche wie Regen, Staubsauger, Fön. auch auf CD oder online).

Was kann ich jetzt tun?

Vielleicht helfen dir diese Hinweise schon weiter. Versuche es auch mit der TROST-Methode, die wir dir wärmstens empfehlen können. Sicher gibt es auch in deiner Nähe eine Schreiambulanz, wo man dich berät. Besuche auch unsere Expertengruppe zum Thema. Dort erhältst du weitere Anregungen und kannst dich mit anderen Betroffenen austauschen.
Stell uns deine Frage und unsere Experten beraten dich persönlich!

Wenn du weiterführende Fragen hast, stelle sie unserer Expertin Melanie Schüer in ihrer Gruppe >>Leben mit Baby: Schlafen, Schreien, Glücksmomente oder direkt in unserer >>Online-Beratung!

Melanie Schüer

Autorin

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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