Eltern leben
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Warum weint mein Kind, wenn andere weinen?

„Ich gehe nicht mehr in die Krabbelgruppe“ sagt Evelyn zu ihrer Freundin Martina. „Mir ist das zu stressig. Malin ist so ein Sensibelchen. Sie weint immer mit, wenn ein anderes Kind weint. Und in so einer Krabbelgruppe weint ja immer mal jemand…“„Das wäre doch schade.“ meint Martina. „Für Malin ist es doch wichtig regelmäßig Kinder zu sehen, sie gewöhnt sich schon noch daran. Vielleicht ist sie einfach besonders einfühlsam.“„Ich weiß nicht“, meint Evelyn „Neulich hat sie sogar geweint, als David gelacht hat und gekitzelt wurde. Ich denke, sie kann noch nicht mit andern Kindern umgehen. Vielleicht ist der Kontakt zu anderen zu früh“.

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Weinendes Baby blickt in die Kamera

Kinder brauchen Kontakt zu anderen Kindern

Für Evelyn ist das nicht leicht. Sie möchte ihrer Tochter den Kontakt zu anderen Kindern bieten und hat das Gefühl, ihrem Kind mit dem Besuch der Krabbelgruppe nichts Gutes zu tun. Doch ist es wirklich so, dass Malin mit ihren 10 Monaten noch zu klein ist für Kontakte zu anderen Kindern?
Zunächst ist die Idee Kindern Kontakt zu Gleichaltrigen anzubieten gut und richtig. Gerade wenn zu Hause kein Geschwisterchen ist, brauchen Kinder andere um Sozialverhalten zu üben. Außerdem macht es kleinen Kindern in der Regel Freude andere Kinder zu beobachten und nachzuahmen. Es entstehen auch schon erste kleine Spielsequenzen zwischen den Kindern. Doch was soll Martina ihrer Freundin raten?

Warum weinen Babys und Kleinkinder manchmal mit anderen mit?

Kleinkinder und Babys müssen den Umgang mit Gefühlen erst noch lernen. In den ersten Lebensjahren können sie eigene Gefühle von fremden Gefühlen noch nicht wirklich unterscheiden. Das Kleinkind reagiert auf emotionales Verhalten eines anderen Kindes mit einer Emotion. Da wird oft noch nicht differenziert. So kann es z.B. sein, dass ein Kind weint, weil sein Gegenüber weint. Es kann aber darüber genauso lachen. Das Lachen eines anderen Kindes wiederum kann auch ein Weinen beim Kind auslösen.

Kleinkinder reagieren auf Gefühle anderer

Kleinkinder können unterschiedlich stark auf die Emotionen anderer reagieren. Die einen beobachten die Situation eher und können sich schnell wieder ihrem Spiel widmen, andere sind sehr betroffen und oftmals von den eigenen entstehenden Emotionen überwältigt. Das hängt von mehreren Dingen ab. Zum einen bringt jedes Kind seine eigene Persönlichkeit mit und die ist tatsächlich manchmal etwas sensibler oder eher robust. Zum anderen machen Kinder unterschiedliche Erfahrungen in ihrer Familie und in ihrem Umfeld. Ist ein Kind viel alleine mit der Mutter und hat es eher ruhig und beschaulich, kann es heftiger auf Emotionen oder auch Lärm (was Weinen und Schreien ja auch ist) reagieren. Manchmal sind Kinder, die bereits in der Familie regelmäßig großen Trubel miterleben, weil sie z.B. mehrere Geschwister haben, eher entspannt im Umgang mit anderen, weinenden Kindern. Pauschal ist das jedoch nicht zu sagen. Die emotionale Reaktion auf das Weinen, Lachen oder Schreien anderer ist aber erstmal eine gesunde und menschliche Reaktion unserer Kleinen, sogar ein wichtiger Schritt im Lernen von sozialem Verhalten und der Fähigkeit zum Mitgefühl (Empathie).

Wann sollte ich mir Unterstützung holen?

Wenn du das Gefühl hast, dein Kind reagiert besonders heftig auf die emotionalen Ausbrüche anderer Kinder, es sich dann lange nicht beruhigen lässt und oft einen ängstlichen Eindruck macht, kannst du dir auch Unterstützung bei einer Beratungsstelle für Eltern holen. Auch dann, wenn du es anstrengend findest und nicht weißt, wie du auf das Verhalten deines Kindes reagieren sollst, es dich wütend oder hilflos macht, ist eine Beratung sinnvoll und hilfreich.
Du kannst dich aber auch gerne an unsere >>Online-Beratung wenden.

Autorin-Sandra Lößl

Dieser Artikel wurde von Sandra Lößl verfasst. 
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