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Ein Haustier für die ganze Familie

Ein Haustier ist oft eine große Bereicherung für die Familie. Vorausgesetzt alle Familienmitglieder stehen wie ein Team hinter der Entscheidung, sich etwas Wuscheliges, Eigensinniges oder gar Flinkes ins Haus zu holen. Welche Überlegungen sollten angestellt werden? Zum Thema Haustier gibt es außerdem eine informative Checkliste hier auf ElternLeben.de.

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Haustier: Kind kuschelt mit Kaninchen

Der Wunsch reift heran

Früher oder später kommt der Tag an dem jede Familie, die mit Kindern lebt, mit der Frage nach Haustieren konfrontiert wird. Immer!
Die vierjährige Frieda kommt von einer Verabredung mit ihrer Freundin nach Haus und ist komplett aufgeregt, weil sie gerade ein kuscheliges Meerschweinchen halten, streicheln und bestaunen durfte. „Können wir bitte bitte bitte, unbedingt jetzt sofort auch ein Meerschweinchen haben? Die sind sooo süß und haben gaaanz tolles, weiches Fell“ So oder ähnlich spielt es sich meistens ab. Plötzlich müssen sich Eltern mit diesem neuen Thema auseinandersetzen.
Es kommt natürlich vor, dass Kinder nur für den Moment ganz begeistert von der Idee sind und nur wenige Tage später verblasst der Wunsch nach einem zotteligen, weiteren Familienmitglied. Eltern, die vielleicht grundsätzlich gar nicht so euphorisch in Sachen Haustier sind, meinen hier an dieser Stelle wieder aufatmen zu können. Aber die Ruhe ist trügerisch.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Frieda wieder einmal bei ihrer Freundin ist und erneut unbedingt JETZT ein Meerschweinchen haben MUSS. Wenn sich also über einen längeren Zeitraum der innige Wunsch nach einem Tier verdichtet, gibt es kein Entkommen mehr.

Lagebesprechung im Familienrat

Wenn seitens der Eltern eine grundsätzliche Offenheit gegenüber Haustieren besteht, ist es an der Zeit, alle aus der Familie zusammenzutrommeln, um den großen Familienrat einzuberufen.
Die Kinder oder das Kind sollten erst einmal erzählen, welches Tier sie sich wünschen und wie sie sich das Zusammenleben vorstellen. Eltern fallen dann oft aus allen Wolken, wenn sie hören, wie viele großartige Gedanken sich die Kinder schon gemacht haben. Kommt von den Kindern ein eher dürftiges Ideen-Repertoire, müssen viele Überlegungen gemeinsam angestellt werden.

Die 11 Kernfragen

  • Haben wir ausreichend Platz für ein Tier?
  • Ist unser(e) Vermieterin/Vermieter damit einverstanden?
  • Können und wollen wir die nötige Zeit aufbringen?
  • Wer übernimmt die Verantwortung für welche Aufgaben?
  • Verfügen wir über das zusätzliche Geld?
  • Gibt es gesundheitliche Hindernisse (z.B. Allergien)?
  • Wie kann Abwesenheit, z.B. Urlaubszeit, geregelt werden?
  • Hat ein Familienmitglied Angst vor dem Haustier?
  • Sind alle aus der Familie mit dem Zuwachs einverstanden?
  • Kann das Tier raus ins Freie. Sollte es raus können?
  • Lässt sich auch nur eine einzige dieser Fragen NICHT klar beantworten, gibt es dann noch Möglichkeiten für euch, diese Klarheit zu schaffen? (z.B. Allergietest, extra Platz in der Wohnung oder im Haus einrichten)

Ist die Vorstellung, mit einem Haustier zu leben, für Eltern gänzlich neu, sollten sie sich ein wenig Zeit mit der Entscheidung nehmen. Sacken lassen, in sich hineinhorchen und ehrlich mit sich selbst sein. Schließlich tragen die Eltern in letzter Konsequenz die Verantwortung für das Lebewesen und sollten dahinterstehen.
Natürlich gibt es auch viele Familien, die schon Haustiere hatten, lange bevor eigene Kinder schreiend durch die Räume rannten. Da muss dann erst einmal nichts mehr entschieden werden. Hier sollte nur darauf geachtet werden, ob Kind und Tier gut mit- und füreinander sind. Gibt es hier dauerhafte Schwierigkeiten (Gesundheit, Ängste), sollte sich die Familie von dem Tier trennen. Auch wenn es schwerfällt und Tränen fließen müssen.

Entscheidungshilfe: Vorteile eines Haustieres

  • Das Verantwortungsbewusstsein der Kinder für ein anderes Lebewesen wird wachgerüttelt und trainiert. Durch das Selbsterlebte, das eigene Umgehen mit einem Tier, kann sich Empathie und Toleranz leichter und nachhaltiger lernen lassen. Verantwortung macht Spaß und wird zur Selbstverständlichkeit.
  • Kinder ‚unterhalten‘ sich nun nicht mehr ausschließlich mit ihren Kuscheltieren oder anderen Spielfiguren, ondern nehmen das Tier oft als ‚echten Gesprächspartner‘ wahr. Das Haustier hört sich gern alles an und kann ein liebevoller Trostspender sein, wenn es mal Kummer gibt. Natürlich hängt dies auch stark von der Spezies ab. Ein Fisch im Aquarium vermittelt höchstwahrscheinlich eher weniger das Gefühl von: „Hey Kumpel, ich hör‘ dir zu und kann dich trösten.“ Aber seit „Findet Nemo“ mag da deutlich mehr möglich sein, als wir bisher ahnten.
  • Leichte Unsicherheiten, Ängste oder gar Ekel, die im Umgang mit Tieren vielleicht vorhanden sind, können abgebaut werden. Durch das Leben mit einem Tier im Alltag und durch die Liebe zum Tier, öffnet sich eine Tür der Bereitschaft, um unangenehme Gefühle zu überwinden.

Entscheidungshilfe: Nachteile eines Haustieres

  • Leider kommt es auch vor, dass ein Kind das Interesse am Haustier verliert. Die Gründe hierfür sind vielfältig: das Tier erfüllt nicht die Erwartungen, es ist mehr Arbeit als gedacht, das Kind ist vielleicht doch noch zu jung? Dies kann zu familiären Streitigkeiten führen und sollte lösungsorientiert besprochen werden.
  • Jedes Tier muss gefüttert und in mehr oder weniger ausgeprägter Form betreut werden, täglich. Dadurch entsteht eine Abhängigkeit und kann spontan veranlagten Familien einen Strich durch manche Rechnung machen. Z.B. spontanes Übernachten bei Freunden, Wochenendtrip etc.
  • Es kommt auch vor, dass Haustiere uns Menschen verletzen. Hier muss genau hingeschaut werden, ob es versehentlich passiert ist oder ob das Tier krank ist oder sich unwohl fühlt. Fast alle Haustiere riechen auch mal unangenehm und versprühen diesen Geruch überall. Können Haustiere auch raus, muss besonders bei Katzen das Fell auf Katzenflöhe regelmäßig untersucht werden, da diese auch auf Menschen übergehen.

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Autorin

Dieser Artikel wurde von Sabine Linz verfasst. 
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