Pro / Contra

Laufgitter - ja oder nein?

Je mobiler ein Baby wird, desto schwieriger wird es, es immer im Auge zu behalten. Viele Eltern nutzen deshalb einen Laufstall als Spielfläche für ihr Kind. Aber Laufställe sind umstritten. Wir haben zwei sehr unterschiedliche Meinungen für euch: 

Pro und Contra
Baby im Laufgitter

Julia Lemke: "Das Laufgitter war einfach praktisch"

Julia Lemke (31) hätte vermutlich kein Laufgitter gekauft, aber heute möchte sie es nicht missen. Denn die Tochter der Hobbyschneiderin (heute zwei Jahre alt) liebt ihr Laufställchen...

Meine Schwiegereltern haben uns das Laufställchen geschenkt. Wie blöd, dachte ich. Es stand von Geburt an im Wohnzimmer und war zunächst irgendwie Aufbewahrungsort für Babyspielzeug. Vielleicht mochte Tilda es deswegen so gern. Es war ein achteckiges, weich gepolstertes Teil und in der Höhe verstellbar. Ich habe unser Baby da abgelegt und sie hat mir gern zugeguckt, beim Bügeln oder beim Nähen. Sie konnte mit ihrem Spielzeug spielen und hatte mich immer im Blickfeld – und ich sie. Als sie anfing zu krabbeln, liebte sie es Spielzeug hineinzuschieben. Im Gitter war Tilda dann eigentlich nur, wenn es an der Tür klingelte oder ich schnell in die Küche musste. Wenn ich an der Nähmaschine war, saß sie gern in ihrem Ställchen. Manchmal schlummerte sie da sogar, und bis heute baut sie gerne eine Höhle daraus. Es ist für sie ein Rückzugsort und für mich war das Ställchen lange eine gute Lösung, denn meine Tochter war da gut und sicher aufgehoben und konnte nicht Treppen hinunterfallen. Bald erwarten wir unser zweites Kind. Ich bin schon gespannt, ob das Gitter dann nicht auch Tildas Spielzeug vor dem Baby sichert. Es wird sicher weiter im Einsatz bleiben.

Stefan Mayer: "So einen Babyknast finde ich furchtbar"

Stefan Mayer (38) und seine Frau waren sich einig: ein Laufgitter wird nicht angeschafft. Bis heute haben sie auch nicht das Gefühl, dass ihre Kinder Tom und Felix (1 und 3) da etwas verpasst haben.

Ich kannte Kinderlaufställe. Schon den Namen finde ich furchtbar, denn soll ein Kind ernsthaft in so einem Stall laufen lernen? Sicher kann ich verstehen, dass es praktisch ist, ein Kind da eben schnell hineinzusetzen, aber wir hatten ja die Gitterbetten, notfalls mussten die Jungs da kurz warten. Oder sie waren eben auf dem Arm, wenn der Postbote klingelte. Schon bei Toms Geburt wussten wir, dass wir noch ein zweites Kind wollten. Von daher war es konsequent, die Wohnung kindersicher zu gestalten. Wir leben da als Familie, da muss keiner eingesperrt sein. So kletterfreudig wie Tom und Felix sind, hätten die beiden wohl sehr wahrscheinlich das Ställchen schnell wieder verlassen und das Hinausklettern ist sicher auch ein Risiko. Außerdem soll Krabbeln ja die motorische Entwicklung fördern – und dazu war zumindest bei unseren Jungs auch genügend Fläche nötig. So ein Stall wäre viel zu klein gewesen.

Tipps:

Es gibt aus Expertensicht kein klares „richtig“ oder „falsch“, wenn es um Laufställe geht. Beide Argumente haben ihre Berechtigung, und Eure Lebenssituation ist vielleicht nochmals ganz anders als die beiden geschilderten. Solltet ihr euch für einen Laufstall entscheiden, gibt es aber einige bedenkenswerten Punkte:

  • Kinder sollten nur kurz Zeit im Laufstall sein  - er sollte nie als „Strafe“ eingesetzt werden oder ein schreiendes Baby beherbergen
  • Das Laufgitter sollte nicht zu klein sein, mindestens 1x1 Meter ist empfehlenswert
  • Wichtig beim Kauf: auf das Gütesiegel („GS" für Geprüfte Sicherheit oder ein anderes Qualitätszeichen) achten. Mit Siegel dürften die folgenden Punkte ohnehin in Ordnung sein. Beim Kauf eines gebrauchten Laufstalls empfiehlt sich ein gründlicher Check:
  • Laufställe können mit Rollen oder Rädern ausgerüstet sein, davon müssen mindestens zwei feststellbar sein und zwar so, dass Kinder sie nicht eigenständig lösen können.
  • Zwischen Rahmen und Boden dürfen keine zugänglichen Scher- oder Quetschstellen vorhanden sein, sonst könnten Kinderfinger gequetscht werden.
  • Festigkeit und Abstände der Gitterstäbe sind wichtig. Zu weite Gitter sind für die noch weichen Köpfchen von Kindern gefährlich, wenn sie z.B. ein herausgefallenes Spielzeug angeln wollen und dabei zwischen die Stäbe geraten.