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Gutes tun tut gut - Jugendliche lernen viel im Ehrenamt

Heranwachsende hängen nur herum und machen nicht? Stimmt gar nicht. Viele Teenager engagieren sich ehrenamtlich. Aus vielen guten Gründen …

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Vier Jugendliche sammeln ehrenamtlich Müll im Park

Engagierte Teenager

Endlich sitzt die ganze Familie am Tisch. Kein Wunder, bei Marias speziellem Spaghetti-Rezept können auch die lässigen Teenager nicht widerstehen. Heute ist auch Marias Mutter zu Besuch da. „In drei Wochen feiere ich meinen Geburtstag. Ihr kommt doch auch?“ Der 15-jährige Tom zuckt mit den Schultern. „Weiß ich noch nicht ...“ doch mehr kann er nicht sagen. „Ist doch schlimm, ihr Jugendlich habt nichts zu tun. Gestern hast du doch den ganzen Tag an deinem Computer gesessen, den wirst du doch mal allein lassen können. Wenn ich damals so mit meiner Oma gesprochen hätte.“ Stille. Dann reicht es Maria: „Frag Tom doch erstmal, was er am Computer wirklich gemacht hat und warum er vielleicht keine Zeit hat!“ herrscht sie ihre Mutter an.

Jede Generation von Heranwachsenden hat es in einigen Aspekt schwer. Und schon immer wird sich über sie geärgert. "Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll.“ Ein Zitat, das Sokrates (470 - 399 v. Chr.) nachgesagt wird.
Ist Tom wirklich faul, oder hat er vielleicht an seinem PC ein Referat für die Schule getippt und danach noch einen Workshop für das Jugendrotkreuz vorbereitet, bei dem er sich engagiert? Tatsächlich sind auch heute viele Teenager und junge Erwachsenen ehrenamtlich tätig.
Ein vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegebener Bericht beschäftigt sich mit Ehrenamt und Freiwilligenarbeit und stellt fest: Von den befragten Jugendlichen ab 14 waren 35 Prozent ehrenamtlich engagiert. Lediglich 16 Prozent hatten kein Interesse, 49 Prozent der Jugendlichen wären stärker oder schwächer bereit sich aktiv einzusetzen.
Die Zahlen zeigen auch, dass engagierte Teenager sogar sehr aktiv sind. Denn von den 35 Prozent ehrenamtlich Engagierter investieren die meisten mehr als fünf Stunden in der Woche. Und das trotz neuer Herausforderungen, wie dem verkürzten Gymnasium und der immer weniger werdenden Freizeit von Jugendlichen.

In welchen Bereichen sind Jugendliche ehrenamtlich aktiv?

Wer sich engagieren möchte, muss zunächst überhaupt wissen, welche Möglichkeiten bestehen. Und die sind nicht überall gleich. Im ländlichen Raum bieten oft freiwillige Feuerwehren oder die kirchliche Jugendarbeit die einzigen Möglichkeiten. Aber auch Sportvereine, Naturschutzorganisationen oder Pfadfinder haben viele Gruppen. Oft ist es auch so, dass sich Teenager nicht unbedingt an Vereine anschließen, sondern selbst ein bestimmtes Projekt, etwa zum Thema Tierschutz oder in der Flüchtlingshilfe gründen.
Am meisten engagieren sich bundesweit Jugendliche für Sport und Bewegung, dann in Kirchen, Schulen, Kultur, Musik, Freiwillige Feuerwehren und Rettungsdiensten, so eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Ob DLRG, Technisches Hilfswerk oder lieber Mitarbeit in einer Jugendgruppe bei Greenpeace hängt von den Interessen ab. Sind Eltern etwa selbst eng in die Gemeindearbeit eingebunden, habe ihre Kinder oft auch Lust dort etwas zu machen. Häufig kommt der Kontakt entweder über das Interesse, etwa eben daran sich gern in Natur aufzuhalten oder an einer Sportart, oder über Freunde. Interessiert sich ein Kind etwa für die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr, so lässt sich dank des Internets recht schnell eine Möglichkeit vor Ort finden und dann kann das Kind bei einer der „Jugendwehren“ ein paar Termine zum „Schnuppern“ machen. 

Lohnt Ehrenamt denn?

Ein Ehrenamt kann viel Spaß machen. Dabei lernen Jugendliche oft andere ähnlich Interessierte kennen. Pfadfinder beispielsweise reisen viel – übernehmen aber auch Verantwortung für Jüngere. Sich für andere einzusetzen, sich um Menschen in Not zu kümmern oder gemeinsam mit anderen Spenden für ein Projekt zu sammeln – all das kann eine sehr bereichernde Erfahrung sein. „Wer sich sozial engagiert, erlebt eine Selbstwirksamkeit, spürt, dass es möglich ist, im Kleinen die Gesellschaft zu verändern. Die meisten Jugendlichen sagen, sie finden ihre Aufgabe sinnvoll, und haben das Gefühl, etwas zu bewirken, erklärt Prof. Heinz Reinders, Professor für Empirische Bildungsforschung an der Uni Würzburg in einem Interview der „Zeit“. “Auf diese Weise erleben sie sich als jemanden, der in der Gesellschaft einen Beitrag leistet, und Stück für Stück fangen sie an, sich als Teil dieser Gesellschaft zu begreifen – mit bestimmten Verantwortlichkeiten, die sich daraus ergeben.“

Wie können Eltern unterstützen?

Wie in vielen Fragen der Erziehung wirkt auch beim freiwilligen Engagement das Vorbild der Eltern am allermeisten: Eltern, die selbst im Sportverein oder in einer Flüchtlingsinitiative engagiert sind, bieten durch ihre Schilderungen einen lebendigen Einblick und machen Jugendliche neugierig. Sehr oft äußern die Teenager dadurch selbst den Wunsch, aktiv zu werden oder wachsen „automatisch“ in einen Verein hinein. Oberste Regel sollte aber sein: freiwilliges Engagement ist – wie der Name schon sagt – freiwillig und sollte nicht erzwungen werden. Wenn dein Sohn oder deine Tochter gerade kein Interesse hat, dann akzeptiere das und sprecht lieber über die Gründe dafür, statt Vorwürfe über Bequemlichkeit o.ä. zu machen. Viele Jugendinitiativen haben gute Internetseiten. Eine Recherche – je nach Interesse – lohnt immer. Vielleicht findet euer Kind dadurch ein ganz anderes Engagement. Auch für dich als Mutter oder Vater kann das neue Perspektiven eröffnen, wenn sich z.B. dein Kind in einer Umweltinitiative oder bei den Pfadfindern engagieren möchte. Bleibt gemeinsam neugierig und bewahrt euch den Blick, für die Welt in der ihr lebt!

Autorin

Dieser Artikel wurde von Silke Plagge verfasst.