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Der erste große Liebeskummer

Die Tür knallt zu – lautes und unendliches Schluchzen. „Es ist Aus“, weint dein Kind. Und der Schmerz der ganzen Welt liegt in diesen Worten. Der erste Liebeskummer ist grausam – aber wie kannst du deinem Kind helfen? 

Tennager Mädchen umfasst ihre Knie: mit Liebeskummer auf Wiese

Liebeskummer ist graumsam

Egal, wie alt man ist. Herzschmerz tut unendlich weh. Alles scheint vorbei, nie wieder wird es möglich Glück und Freude zu empfinden. Und das, obwohl die Beziehung zu dem 14jährigen Ole vielleicht nur zwei Wochen gedauert hat und es nur einen schüchternen Kuss auf die Wange gab. Teenager können auch unendlich traurig sein, weil der Traum von einem Idol zerstört wurde. Der Sänger von „One Direction“ wird Vater? Dann ist es wohl wirklich eine Illusion, dass er sich in eine 13jährige aus Bonn verlieben könnte. Aber das Aus für diesen Wunschtraum tut so sehr weh – auch wenn er nur lebhafte Phantasie war.
Streng genommen ist unser Gehirn bei Liebeskummer auf Entzug. Denn das Gehirn spielt verrückt! Neurotransmitter, die eben noch so großzügig ausgeschüttet werden, sind nun ein Mangel. Für Erwachsene ist das schon hart. Für Heranwachsende, die mitten in einer Umbruchphase sind, die sich, ihren Körper und so viele Dinge in Frage stellen, ist es oft eine Katastrophe. Zum ersten Mal in ihrem Leben erfahren sie einen emotionalen Verlust – fühlen sich hilflos, wertlos und sind zu tiefst verunsichert.
Mädchen zeigen ihre Gefühle mehr, weinen, hören laute oder melancholische Musik, reden oder chatten stundenlang mit der besten Freundin. Jungen leiden genauso. Aber oft wollen sie das nicht zeigen. Sie ziehen sich zurück, sind besonders wortkarg, treiben viel Sport, sind mürrisch und schnell aggressiv.

Wie kannst du als Mutter oder Vater helfen?

Ob viele Tränen oder wenige Worte – wenn ein Sohn oder eine Tochter leidet, möchten Eltern helfen. Aber wie? Das Gespräch suchen oder in Ruhe lassen? Ablenken oder Tränen trocknen? Am besten sollte der Jugendliche selbst entscheiden, was ihm oder ihr jetzt gut tut. Wichtig ist, dass du zeigst, dass du da bist, bereit bist zuzuhören und dein Kind nicht allein mit seiner Trauer sein muss. Ein wenig Verwöhnen darf auch sein – vielleicht hilft ein „Seelenwärmer“ wie ein warmer Vanillepudding oder Apple Crumble? Wichtig ist, dass du dafür sorgst, dass der Alltag weiter geht. Und wenn du spürst, dass dein Kind nicht mehr allein aus dieser Krise herausfindet, solltest du professionelle Hilfe suchen. Das Wichtigste: Sei einfach da. Gib keine ungebeten Ratschläge oder erkläre, dass der Popstar doch eh nie wirklich ein fester Freund gewesen wäre und dass diese Liebe nur ein Traumgespinst war. Für dein Kind ist der Kummer eben sehr real.

Am Kummer wachsen

Manche Jugendliche sind bei Liebeskummer auch einfach sehr, sehr wütend. Auf die ganze Welt. Und auch auf dich. Versuche solche Ausbrüche nicht persönlich zu nehmen. Wenn dein Kind nicht reden möchte, akzeptiere auch das. Denn der Liebeskummer bringt auch dich sehr an deine Grenzen. Du kannst deinem Kind den Kummer nicht nehmen. Auch wenn du vielleicht die herzlose Person, die diesen Kummer verursacht hat am liebsten zur Rede stellen würdest, kannst du niemanden zwingen, dein wunderbares Kind zu lieben. Versuche Unterstützung anzubieten, mehr kannst du nicht tun. Wenn deine Tochter stundenlang mit ihrer Freundin redet, dir aber nichts sagt, musst du auch das akzeptieren – das heißt nicht, dass sie dir nicht vertraut, aber die beste Freundin versteht vielleicht einfach gerade besser, wie unendlich fies Ole ist. Viele Jugendliche vertrauen sich gerade in Liebesdingen eher Freuden oder Chats an. 

Aber du kannst deinem Kind den Rücken stärken und ihnen helfen, gestärkt aus der Krise hervorzugehen. Verzichte auf Ratschläge, aber zeige ihm, dass es liebenswert und schön ist. Und das es auch in der Krise Lachen gibt, dass irgendwann das Essen wieder schmeckt und der Schmerz nachlässt. Auch Liebeskummer ist ein Lernprozess, der zum Erwachsenwerden gehört. Zu lernen, dass Liebe nicht erwidert wird, Gefühle loslassen zu können und sich selbst wieder aufzubauen – dabei lernt dein Kind unendlich viel über sich und die eigenen Stärken. Auch wenn es so weh tut.

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Autorin-Silke Plagge

Dieser Artikel wurde von Silke Plagge verfasst.