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Mitarbeit der Kinder im Haushalt

Der ist doch viel zu klein!? Darüber, ob und wann Kinder im Haushalt mithelfen sollen, streiten einige Elternpaare erbittert. Kein Wunder, denn Björn kann sich noch viel zu gut erinnern, wie sehr er es gehasst hat, dass sein Vater ihn ständig zwang den Rasen zu mähen. Maria dagegen erinnert sich noch gern daran, wie stolz sie war, als sie ganz allein mit der roten Einkaufstasche einen Liter Milch im Laden an der Ecke kaufen durfte.

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Kinder helfen im Haushalt - zwei Kinder beim Backen

So helfen Kinder im Haushalt - von Anfang an

Setzt euch am besten schon in der Babyzeit immer wieder hin und überlegt gemeinsam, was euch wichtig ist. Zunächst zwar nur für euch Beide – aber eure Haushaltsaufteilung wird auch für die Kinder eine Rolle spielen. Vor allem aber solltet ihr euch einig sein – was kann und was muss das Kind helfen? Später könnt ihr eine Haushaltskonferenz einberufen, an der eure Kinder aktiv beteiligt sind. Tipps dazu findet ihr hier auf ElternLeben.de.
Wer Kleinkinder aufmerksam beobachtet, wird schnell bemerken, dass sie ausgesprochen gern mithelfen. Aufgeregt stehen sie mit an der Wäscheleine und reichen konzentriert Wäscheklammern. Sie möchten den Tisch mit abdecken und schieben im Supermarkt begeistert einen kleinen Einkaufswagen mit Lebensmitteln.

Kinder lernen im Alltag

Für Kinder ist alles ein Spiel – sie lernen begeistert und ahmen die Großen nach. Die Mutter mag die Wäsche lästig finden – ihre Tochter ist begeistert, dass die Wäsche erst nach Farben sortiert werden muss, dann in die Maschine gestopft wird und der lustige rote Knopf dann leuchtet – und erst die tollen Geräusche! Für Erwachsene ist es selbstverständlich, dass ein nasser Pullover anders aussieht und schwerer ist, als ein trockener – für Kinder ist das ein Erlebnis. Rasenmähen, Laub fegen oder das Bad putzen – aus Kindersicht alles sehr spannend. Lästig? Das finden nur die Großen so, Kinder nehmen gern einen kleinen Lappen und wischen emsig die Wanne. Kurz jedenfalls.

Die Gemeinschaft unterstützen von Anfang an

Helfen – ohne davon selbst zu profitieren, das ist laut Wissenschaft evolutionär angelegt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Unterstützung der Gemeinschaft entscheidend für das Überleben der Menschen ist. „Andere Experimente zeigen, dass Kleinkinder vor allem dann helfen, wenn andere wirklich Hilfe brauchen“, so Harriet Over.
Kinder sind gern ein Teil einer Gemeinschaft – wenn alle mitanpacken, möchten auch sie mithelfen. Knapp Einjährige können schon Dinge geben oder ausräumen. Und freuen sich riesig darüber. Aber ihre Aufmerksamkeitsspanne ist noch sehr kurz. Das gilt auch für Zwei- bis Dreijährige, sie möchten gern so viel, ihr Interesse ist aber oft noch sehr sprunghaft. Eben war die Sockenschublade toll, gleich soll Papas CD-Sammlung umgeräumt werden. 

Nicht zu viel erwarten

Eltern müssen sich da schon ein wenig in Geduld üben. Je „echter“ die Aufgaben sind, desto besser. Denn Kinder merken natürlich, ob sie wirklich den Tisch mit abdecken, oder ob sie nur eine Extra-Aufgabe bekommen haben, die nicht nötig ist. Auf jeden Fall solltest du dem Kind Zeit geben. Auch wenn es frustriert ist, nicht die Aufgabe gleich wieder abnehmen. Es braucht Zeit, um einen Krümel aufzuheben oder die rote Socke aus dem Korb zu nehmen (und nicht die blaue). Übung ist nötig, damit mit einem stumpfen Messer eine Banane geschnitten werden kann. Aber wenn das Kunststück gelungen ist, dann ist der Stolz groß. Kleinkinder können sich meist noch sehr gut selbst loben. Und wenn sie etwas richtig gut gemacht haben, sollte nach getaner Arbeit auch ein ehrliches Elternlob kommen. Gemeinsamer Spaß sollte nicht zu kurz kommen – wenn die Großen selbst murrend das Bad putzen, ist das doof. Also lieber gemeinsam Musik anmachen und zusammen den Putztag lachend genießen.

Kindergartenkinder können schon mehr helfen

Kinder ab drei Jahren können schon mehr helfen. Etwa jeden Abend alles Spielzeug gemeinsam mit den Eltern in eine Kiste im Kinderzimmer räumen. Beim Wäsche sortieren können sie Einzelsocken ihren Partnern zuführen oder den Tisch abdecken. Ein gemeinsamer Haushaltstag im Monat kann eine Familienaktion für alle werden – jeder darf abwechselnd entscheiden, welche Musik gehört wird und wenn alles geschafft ist, ist eine gemeinsame Belohnung wie ein Ausflug oder ein Restaurantbesuch angesagt.
Belohnen sollte sich aber nur die ganze Familie – wer Kinder für jede einzelne Mithilfe belohnt, findet sich schnell in einem unschönen Machtspiel wieder. Es ist selbstverständlich, dass die getragene Wäsche am Abend in den Schmutzwäschekorb gelegt wird und dass jeder seine Jacke an einen Haken hängt. Kinder sollten nicht mithelfen, weil sie auf eine Bezahlung warten, sondern weil sich alle in der Familie einbringen – damit geht es allen gut und es bleibt Zeit für schöne Aktivitäten. 

Zuständig sein, das geht etwa ab vier Jahren

Mit etwa vier Jahren können Kinder regelmäßig Aufgaben übernehmen. Sie können den Tisch decken, Servietten falten oder beim Kochen mithelfen. Wichtig ist, dass die Aufgabe nicht als Strafe angedroht wird. Vor allem aber sollten sie auch wirklich zuständig sein dürfen. Meckern und nacharbeiten ist für Eltern tabu. Und wenn Kinder keine Lust haben? Dann sind sie auch für Konsequenzen zuständig. Der Fünfjährige hat keine Lust, die Salami aus dem Kühlschrank zu holen. Dann gibt es eben keine zum Abendessen – wetten, dass der Aufschnitt am nächsten Abend gedeckt wird? So merken Kinder, dass ihr Handeln wirklich wichtig ist.

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Autorin

Dieser Artikel wurde von Rose Volz-Schmidt verfasst. 
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