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Der Kult ums Kind

Schwimmkurse für Babys, Krabbelgruppen, Sing- und Spielgruppen, Turnen für Krabbelkinder, Musikunterricht, Englisch für Dreijährige, Chinesisch Lernen für Kinder und Fußballspielen im Verein… Die Auswahl und Vielfalt an Angeboten für Klein(st)kinder ist enorm – und der Preis(unterschied) ebenfalls. Bevor man Kinder hat, fragt man sich: Muss das denn sein? Muss ich als Elternteil wissen, wie man Babykost zubereitet? Ich kann doch kochen und alles pürieren, oder? Muss ein Vierjähriger zwei Instrumente spielen, bereits 10 chinesische Schriftzeichen beherrschen, Wasserball spielen und auch noch im Kinderchor der Kantorei singen?

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Familie liegen mit Sonnenbrillen im Gras

Weniger ist manchmal mehr!

Hat man Kinder, fragt man sich: Wo ist der beste Unterricht? Habe ich die Bereiche Sport – Musik - Soziales abgedeckt? Könnte Leo am Mittwoch noch eine halbe  Stunde im Fußballclub warten bis ich mit Ben vom Karate komme? Man informiert sich, es wird viel recherchiert und organisiert und innerhalb der Familie diskutiert. Und alles für das Kind. So meint man.

Der weitere Weg ist vorprogrammiert: man wird zum Sklaven seiner Kinder. Alltag und Freizeit werden plötzlich zu den Stunden zwischen den festen Terminen. Und die Autokarawane zieht vom Ballett-Point zum Poseidon e.V., vom Reiterhof zum Tennisclub, vom der Musikschule zum Abendessen.
Abendessen. Ach ja. Da war was. Sollte das nicht die Zeit am Tag sein, die man gemeinsam als Familie an einem Tisch sitzt? Gemeinsam isst und sich unterhält? Sich austauscht? Ist das nicht ein Stück Familienkultur?
Und muss es wirklich der Ski-Urlaub in den Alpen sein oder hat mein Kind nicht  vielleicht genauso viel oder sogar mehr Spaß, wenn wir zusammen Schlittenfahren gehen und anschließend einen Schneemann bauen und zu Hause einen warmen Kakao trinken? Fragen über Fragen. Und die passenden Antworten und damit einhergehend die Balance zwischen Hobby und Verpflichtung, muss jeder für sich selbst finden. 

In diesem Sinne: Fröhliches recherchieren, diskutieren und… auswählen. Und denkt daran: Mütter (und Väter) sind auch nur bedingt stressresistent. Auch wir haben ein Recht auf Freizeit. Oder freie Zeit- zum gemeinsamen Spiel mit den Kindern.

Autorin

Dieser Artikel wurde von Rose Volz-Schmidt verfasst. 
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