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Die wichtigsten Grundregeln für Gespräche mit Kindern

„Reden kann doch jeder“ mag man denken, doch spätestens, wenn man eigene Kinder hat, merkt man: Es ist gar nicht so leicht, Gespräche mit Kindern gut zu führen. Denn mit Kindern kann man nicht genauso reden wie mit Erwachsenen. Die Kunst liegt darin, auf ihre Entwicklung Rücksicht zu nehmen – und gleichzeitig zu zeigen, dass man sie ernst nimmt und ihnen auf Augenhöhe begegnet.

Hier findest du einige Grundregeln, die dir bei Gesprächen mit deinem Kind helfen:

  • Schenke deinem Kind die volle Aufmerksamkeit: Im Alltag muss man manchmal auch Dinge nebenher machen und das ist okay. Aber zumindest einmal am Tag und bei wichtigen Themen solltest du dich nur auf dein Kind konzentrieren. Mache dann nicht nebenher etwas Anderes, sondern sei ganz bei deinem Kind.
  • Warte den richtigen Zeitpunkt ab: Wenn dein Kind gerade aus dem Kindergarten oder der Schule heimkommt, ist es vermutlich erst einmal müde und braucht etwas Ruhe. Wenn es dann nicht gerade von selbst ein Gespräch beginnt, gönne ihm zunächst eine Verschnaufpause, bevor du ernstere Themen besprichst. Auch wenn dein Kind aus anderen Gründen erschöpft, genervt oder gestresst ist, ist es oft sinnvoll, zu warten.
  • Kündige an, worüber du sprechen willst: Oft hilft es, wenn man dem Kind vorher sagt, worüber man sich gern unterhalten würde und, ob es dafür gerade Zeit hat. So zeigst du ihm, dass du es als Gesprächspartner ernst nimmst und nicht einfach überrumpelst.
  • Fokussiere dich auf das Wesentliche: Überfordere dein Kind nicht mit langen Ausschweifungen. Fasse dich kurz und nutze eine verständliche Sprache. Die Aufmerksamkeitsspanne von Kindern und Jugendlichen ist kürzer als die von Erwachsenen. Kleine Kinder können sich oft höchstens drei bis fünf Minuten gut konzentrieren, bei Grundschulkindern sollte ein ernstes Gespräch spätestens nach 10-20 Minuten zu Ende sein – es sei denn, das Kind möchte selbst noch weiterreden.
  • Bleibe konkret: Kinder können mit Vergleichen oder abstrakten Metaphern (z.B. „Du musst deinen Horizont erweitern“) meist noch nichts anfangen. Sage daher konkret, was du meinst.
  • Rede auf Augenhöhe: Das bezieht sich auch auf die körperliche Haltung. Rede nicht „von oben herab“, zum Beispiel im Stehen. Setze dich mit deinem Kind hin, damit ihr etwa auf gleicher Höhe miteinander sprechen könnt. Und Fernseher oder PC sollten dabei Pause haben.
  • Nimm' dein Kind ernst: Stelle deine Meinung nicht als die einzig Wahre dar. Respektiere die Wünsche und Ansichten deines Kindes und frage es danach, wie es selbst die Situation wahrnimmt – das kann ganz anders sein als deine Perspektive. Oft liegt darin der Schlüssel zur Lösung eines Konflikts. 
  • Sei offen für Kompromisse: Erkläre deinem Kind deine eigenen Bedürfnisse und nimm auch die Bedürfnisse deines Kindes ernst. Sucht gemeinsam nach einem Kompromiss, mit dem ihr beide gut leben könnt.
  • Bleibe ruhig und liebevoll: Auch die besten Eltern verlieren mal die Geduld. Doch schimpfen oder anschreien sollten eine absolute Ausnahme bleiben. Du möchtest ein Gespräch führen und keine Strafpredigt halten. Sprich ruhig, klar und freundlich mit deinem Kind. Du bist ein Vorbild – auch bei Meinungsverschiedenheiten.
  • Führe nicht nur Problemgespräche: Rede nicht nur ernsthaft mit deinem Kind über negative Angelegenheiten. Sage ihm auch immer mal wieder, worüber du dich freust, was du an ihm toll findest, etc. Das stärkt die Beziehung und die Offenheit deines Kindes, mit dir zu kooperieren. 
  • Unterstütze dein Kind dabei, eigene Lösungen zu finden: So wird es selbstbewusster und ist viel motivierter, sein Vorhaben wirklich umzusetzen. Das kannst du fördern, indem du nicht direkt Lösungen anbietest, sondern erst einmal aktiv zuhörst:
  • Höre aktiv zu: Reagiere nicht auf jede Äußerung deines Kindes mit einem Ratschlag oder einer weiteren Frage. Fasse auch immer mal wieder zusammen, was dein Kind gesagt hat, z.B.: „Also fühlst du dich irgendwie allein, wenn Paula mit Julia in die Pause geht?“ oder frage, ob du alles richtig verstanden hast: „Das heißt, du würdest eigentlich gern Fußball spielen, aber hast Angst, dass du darin nicht gut genug bist? Verstehe ich das richtig?“ Danach lass deinem Kind Zeit, zu antworten.
  • Nutze positive Äußerungen: Sage weniger, was du nicht möchtest und betone eher, was du dir konkret wünschst. Es ist einfacher, sich um ein bestimmtes, positives Verhalten zu bemühen, als ein negatives zu unterdrücken.
  • Beende das Gespräch liebevoll: Nicht immer kann man in einem Gespräch direkt eine Lösung finden. Auch wenn das Gespräch nicht so verlaufen ist, wie gewünscht: Sorge für einen guten Abschluss. Danke deinem Kind für die Zeit, die es sich genommen hat und lass es wissen, wie lieb du es hast.
  • Hole dir Hilfe: Wenn du selbst nicht weiterkommst, ist das keine Schande. An diesen Punkt kommen die meisten Eltern immer mal wieder. Du kannst dich kostenlos an unsere >>Onlineberatung oder auch an eine >>Erziehungsberatungsstelle vor Ort wenden. Wenn es dir schwerfällt, nicht laut oder wütend zu werden, wirf' doch mal einen Blick in das Buch „Erziehen ohne auszurasten“ von Sheila McCraith. Es enthält sehr gute, praktische Tipps, um als Eltern gelassener zu bleiben. 
Melanie Schüer

Autorin-Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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