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Hilfe, mein Kind ist depressiv?! Tipps, wie ihr Wege aus der Depression finden könnt

Wenn ein Therapeut oder Arzt festgestellt hat, dass dein Kind depressiv ist oder du selbst die starke Vermutung hast, dann fühlst du dich als Elternteil vermutlich erst einmal ziemlich hilflos. Es ist schlimm, wenn das eigene Kind leidet und man möchte am liebsten mit einem Zauberspruch dafür sorgen, dass der kleine Schatz sofort wieder glücklich ist. Leider geht das nicht – aber es gibt doch einiges, was Eltern tun können, um ihr Kind auf dem Weg aus der Depression zu unterstützen. Hier findest du einige Tipps:

Mutter und Tochter sprechen im Freien

Eine Therapie oder Familienberatung hilft:

Wenn dein Kind noch keine Psychotherapie macht, dann ist das ein ganz wichtiger erster Schritt. Kinder- und Jugendpsychotherapeutinnen kennen sich mit psychischen Störungen wie Depressionen bei Kindern und Jugendlichen aus. Auch wenn man sich als Eltern noch so sehr bemüht und einen super Draht zu seinem Kind hat – in den meisten Fällen ist es wichtig, auch eine „neutrale“ Person zu haben, die der Familie zur Seite steht. Wenn dein Kind sich weigert, kannst du auch erst einmal als Elternteil um ein paar Termine zur psychotherapeutischen Sprechstunde bitten, um dich beraten zu lassen und evtl. auch Hilfe dabei zu bekommen, wie du dein Kind möglicherweise doch überzeugen kannst. Wartezeiten lassen sich oft gut mit Terminen in Familienberatungsstellen überbrücken. Auch zusätzlich zu einer Therapie kann Familienberatung sinnvoll sein.

Aktivität tut gut:

Viele depressive Kinder und besonders Jugendliche haben zumindest phasenweise „keine Lust auf gar nichts“. Das ständige Herumsitzen oder -liegen tut aber auf Dauer gar nicht gut, weil die Stimmung dann noch weiter in den Keller sackt. Deshalb versuche, dein Kind aus dem Haus zu locken: Überlege mit ihm, was ihm vielleicht zumindest ein bisschen Spaß machen könnte und lass' nicht locker. Erkläre deinem Kind, wie wichtig Unternehmungen für seine Stimmung sind und, dass auch du dir Zeit mit ihm/ihr wünschst. Insbesondere Bewegung hilft!

Ohne Druck ansprechbar sein:

Signalisiere deinem Kind: „Ich bin immer für dich da, wenn du mich brauchst. Du darfst über alles mit mir reden – ich verurteile dich nicht.“ Höre aufmerksam zu, wenn dein Sohn oder deine Tochter sich dir öffnet. Überschütte sie/ihn nicht direkt mit Tipps, sondern zeige erst einmal, dass du verstehst, wie schwierig das alles ist. Fühle einfach mit, frage interessiert nach und schau' ob du dein Kind dabei unterstützen kannst, selbst Lösungswege zu finden. Akzeptiere es aber auch, wenn dein Kind gerade nicht reden will. Manchmal sind die Eltern einfach (noch) nicht die richtigen Ansprechpartner, sondern es braucht jemanden, der nicht so „nah dran“ ist. Dazu sind neben Psychotherapeutinnen auch Jugendberatungsstellen gute Anlaufstellen.

Sei ein gutes Vorbild...

...indem du selbst gut für deine Bedürfnisse sorgst – z.B. Sport machen, Erholung einplanen, dir Hilfe holen, wo du welche brauchst. Tu nicht so, als wäre bei dir immer alles perfekt, sondern lass' dein Kind wissen, dass auch dir Dinge schwerfallen und du manchmal traurig oder wütend bist. Natürlich solltest du dein Kind nicht mit Gefühlsausbrüchen überordern – aber authentisch zeigen, dass man selbst auch nicht immer alles im Griff hat, ist eine gute Sache.

Sei positiv:

Depressionen gehen meist mit negativen Denkmustern einher. Die Betroffenen rechnen dann meist mit dem Schlimmsten und sehen nur das, was schiefläuft. Deshalb betone, was dein Kind gut macht, worüber du dich freust, was gerade richtig gut klappt … schärfe ganz nebenbei den Blick deines Kindes für das Positive.

Stärke das Selbstbewusstsein deines Kindes:

Depressive Kinder und Jugendliche haben meist ein geringes Selbstwertgefühl. Ermutige dein Kind, indem du ihm immer wieder konkrete positive Rückmeldung gibst: Zum Beispiel Komplimente für eine hübsche Frisur, neue Kleidung oder Fleiß. Oder Anerkennung für bestimmte Stärken oder etwas Nettes, das dein Kind getan hat. Vielleicht schreibst du ihm mal einen Brief, indem du aufschreibst, was dir alles an ihm/ihr gefällt:
„Du kannst gut …" 
"Ich mag deine …. (strahlenden Augen/dein hübsches Lächeln/deine schönen Haare …)" 
"Ich liebe es … (mir dir zu spielen/zu shoppen/in's Kino zu gehen …)"
"Deine Stärken: … (z.B. Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit, Höflichkeit, Lockerheit, Humor, Intelligenz, Phantasie, Kreativität, Sorgfalt, Ehrgeiz, …)"

Für mehr Anregungen schau dir Malena Böses Tipps >>Nur Mut! Übungen und Tipps für selbstbewusste Kinder an!

Hilfe holen statt aggressiv reagieren:

Jugendliche ritzen sich manchmal, wenn sie depressiv sind. Reagiere nicht mit Wut oder Strafen, wenn du das bemerkst – die Jugendlichen haben sich in diesen Momenten selbst nicht im Griff. Reagier verständnisvoll, nimm' das Problem ernst, aber mache keine Panik. Unterstütze dein Kind dabei, Alternativen zum Ritzen zu finden – andere Dinge, die ihm helfen, sich bei starken Gefühlen zu entlasten. Beispiele und Tipps gibt es z.B. auf www.rotelinien.de. Hole dir Unterstützung bei Familienberatungsstellen oder akut bei der Telefonseelsorge (08001110111, rund um die Uhr, kostenlos). 

Bei Suizidgedanken:

Diese Stellen sind auch gute Ansprechpartner, wenn dein Kind Selbstmordgedanken hat. Wenn es aber akut selbstmordgefährdet scheint, reicht Telefonseelsorge oft nicht. Dann solltest du Kontakt zur nächsten Kinder- und Jugendpsychiatrie aufnehmen, wo dein Kind für eine Krisenintervention aufgenommen werden kann. Manchmal reicht auch schon ein Gespräch dort, damit die Profis klären können, ob eine akute Gefährdung besteht.

allgemeine Beratung

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Melanie Schüer

Autorin-Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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