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Mein Kind hat Schulprobleme - was kann ich tun?!

Dein Kind ging eigentlich immer gerne in die Schule, doch seit einiger Zeit berichtet es immer häufiger von Konflikten mit MitschülerInnen und LehrerInnen und wirkt unzufrieden. Auch von Freunden hörst du, dass dein Kind sich oft nicht an Regeln hält. Nun hat dich die KlassenlehrerIn auch auf das Verhalten deines Kindes angesprochen. Häufig liegen die Probleme im Sozialverhalten. Sie können im Bereich der Disziplin, wie z.B. dem Akzeptieren und Einhalten von Regeln, als auch dem Respekt vor Erwachsenen oder aber im sozialen Miteinander mit MitschülerInnen auftreten. Viele Kinder fühlen sich beispielsweise nicht richtig dazu gehörig und wissen nicht, wie sie einen positiven Kontakt zu Gleichaltrigen herstellen sollen und reagieren aggressiv, wenn sie abgewiesen werden.
Wir wollen dir hier einige Möglichkeiten und Anregungen zur Problemlösung aufzeigen.

Schmollendes Grundschulkind mit Rucksack

Gespräch zwischen Eltern und KlassenlehrerIn

Bevor du das Gespräch mit der Lehrkraft führst, sei dir im Klaren darüber, dass die Schule nicht alle Probleme alleine lösen kann, sondern auf deine bzw. eure Mitarbeit angewiesen ist. Auch solltest du dir bewusst machen, dass es auch LehrerInnen gibt, die sich mit der Situation angestrengt, allein gelassen oder überfordert fühlen. Daher kann es passieren, dass die Lehrkraft die Verantwortung gerne an die Erziehungsberechtigte/n oder außerschulische Therapeuten abgeben will. Um aber wirklich langfristige Erfolge erzielen zu können, ist es wichtig, dass alle zusammenarbeiten. Das fängt schon ganz grundlegend damit an, dass sowohl die Eltern, als auch die Lehrer dem Kind positiv gegenüberstehen und auch davon ausgehen, dass das/die Problem/e veränderbar ist/sind. Resignation bringt niemanden weiter. Sowohl Zuhause, als auch in der Schule müssen sich womöglich Rahmenbedingungen für das Kind verändern. Das ist mit Arbeit verbunden und geht nur mit Geduld, der Offenheit gegenüber Kritik und der Bereitschaft sich von Gewohntem zu verabschieden und Neues auszuprobieren.

Im Gespräch mit der Lehrkraft könnt ihr zunächst das Problem genauer untersuchen (ggfs. auch telefonisch):

  • Wann bzw. unter welchen Umständen tritt das ungewünschte Verhalten auf. Welchen Sinn könnte es in dem Moment für das Kind machen sich so zu verhalten? (z.B. Aufmerksamkeit, Willen erfolgreich durchsetzen)
  • Wann bzw. unter welchen Umständen tritt es nie auf. Oder wann/bei welchen Regeln vielleicht auch bei welcher Lehrerkraft oder welchem Familienmitglied klappt es gut? Und was ist da anders? Möglicherweise gelangt ihr schon so zu einer Lösung. Manche Rahmenbedingungen lassen sich auch schnell und unkompliziert verändern (z.B. Sitzplatz), andere Veränderungen brauchen Zeit und müssen ggfs. ausprobiert werden. (z.B. Konsequenteres Einhalten von Verabredungen).

Gespräch zwischen dem Kind, den Eltern und der Lehrkraft

Nach dem Gespräch mit der Lehrkraft ist es sinnvoll, ein gemeinsames Gespräch mit dieser und dem Kind zu führen, in welchem ihr Ziele vereinbart. Indem ihr das Kind mit einbezieht, nehmt ihr es ernst, erfahrt evtl. noch Motive für sein Verhalten und zeigt ihm, dass es selbst Verantwortung für sein Verhalten übernehmen muss.

Darauf könnt ihr achten:

  • Auf wenige (z.B. drei) Ziele einigen, die im Vordergrund stehen. Das macht es überschaubarer. Klärt also ab, was Vorrang hat. Die Ziele könnt ihr positiv formulieren (z.B. Hausaufgaben immer anfertigen, Im Streit Ruhe bewahren, usw.)

  • Verabredet, was bei Nichteinhaltung passieren soll. z.B. welche direkte Reaktion oder logische Konsequenz wäre denkbar – Kein Wegschauen. Mögliche Konsequenzen könnten sein:

  • adäquate Entschuldigung einfordern:
    Fehlverhalten vom Kind nochmal erzählen lassen, Motiv der Aktion nennen lassen (z.B. „Ich wollte mein Radiergummi wiederhaben, deswegen habe ich sie geschlagen“) und nach alternativen Handlungsmöglichkeiten fragen, ggfs. als Rollenspiel nachspielen lassen.

  • Auszeit:
    Dein Kind wird sehr wahrscheinlich auch benennen können, was ihm/ihr in welcher Situation weiterhilft (z.B. erstmal eine Auszeit um sich sammeln zu können und Abstand zu gewinnen). Eine Auszeit scheint Erwachsenen oft als grausame Strafe. Kinder hingegen nennen diese oft als hilfreiche Unterstützung.

  • Das Kind kann sich dann überlegen, ob es die Klasse über die Ziele, die es sich gesetzt hat informieren will oder nicht. Wenn es sich öffnen möchte, könnten auch einzelne Kinder oder die ganze Klasse unterstützend mithelfen, um die Ziele zu erreichen.

  • Am Schluss könnt ihr mit dem Kind gemeinsam überlegen, was es tun möchte, wenn es sein Ziel erreicht hat. (z.B. Fest in der Klasse feiern, ein besonderes Spiel spielen, mit jemandem in den Zoo gehen...)

  • Darüber hinaus könnt ihr noch vereinbaren, in welcher Form ihr dem Kind ein regelmäßiges Feedback bzgl. seines Verhaltens geben möchtet. Fragt auch da das Kind, wie es sich das wünscht. Das kann im Gespräch mit der KlassenlehrerIn am Ende des Tages/der Woche geschehen, oder auch schriftlich festgehalten werden. Dann hätten die Eltern noch eine Rückmeldung.
    - Zur Protokollierung eigenen sich gut die >>Sonnenhefte.
    - Auch das >>„Ich schaff´s Programm“ ist zu empfehlen.

Was können die Eltern noch tun?

Dein Kind braucht auch deine tägliche Unterstützung und deinen Zuspruch, um seine Ziele erreichen zu können. Das kannst du tun:

  • Dein Kind ernst nehmen und täglich in Ruhe mit dem Kind sprechen. Nachfragen, was das Kind beschäftigt, wie es sich fühlt, welche Probleme es hat.
  • Unterstützer suchen: PartnerIn, andere Familienmitglieder oder Freunde ins Vertrauen ziehen und von den Problemen und Zielen berichten und sie mit ins Boot holen.
  • An den Erfolg deines Kindes glauben.
  • Dein eigenes Verhalten reflektieren. (Wie gehe ich auf andere Menschen zu? Spreche ich freundlich und respektvoll mit und über andere? Bin ich ein gutes Vorbild in meinem Verhalten?)
  • Klare Strukturen, sinnvolle Regeln, sowie selbstbewusste Eltern geben deinem Kind Sicherheit

Keine Verbesserung der Situation in Sicht? Was nun?

Wenn trotz der Bemühungen auf allen Seiten, nach einem längeren Zeitraum von etwa einem halben Jahr, kaum oder keine Verbesserung der Situation eintritt, sollten weitere Schritte eingegangen werden. Nun ist das Einberufen eines „runden Tisches“ sinnvoll, bei dem neben den Eltern und der KlassenlehrerIn auch die Schulleitung, weitere Fachlehrer und ggfs. Therapeuten deines Kindes gemeinsam über das weitere Vorgehen beraten können. Auch ist jetzt das Einholen von Unterstützung durch Fachkräften eines Förderzentrums (oft mobiler Dienst genannt) hilfreich. Diese Experten beraten neben den Lehrkräften auch die Eltern und hospitieren im regelmäßigen Abständen im Unterricht, um sich ein eigenes Bild von der Situation zu machen. Je nach Bedarf kommt auch eine Fachkraft regelmäßig in die Schule, um sich in einer Einzelsituation deinem Kind weiter zu helfen. Informationen und Kontaktadressen zu dem zuständigen Förderzentrum oder dem mobilen Dienst sind über das Schulamt deines Bundeslandes oder die Schule direkt erhältlich. Wenn du dich unabhängig beraten lassen möchtest, ist er schulpsychologische Dienst die richtige Adresse. Schulpsychologische Beratung ist kostenlos, neutral und unterliegt der Schweigepflicht. Darüber hinaus gibt es in jedem Wohnort auch diverse Erziehungsberatungsstellen öffentlicher oder freier Träger (z.B. Caritasverband, Arbeiterwohlfahrt, Diakonisches Werk, paritätischer Wohlfahrtsverband), die du aufsuchen kannst. Auch hier ist die Beratung kostenlos, da Eltern laut Jugendhilfegesetz einen Rechtsanspruch auf Erziehungsberatung haben.

Wenn du weiterführende Fragen hast, stelle sie unserer Schul-Expertin Malena Böse in ihrer Gruppe >>Grundschulzeit & Lernen oder direkt in unserer >>Online-Beratung!

Autorin-Malena Böse

Dieser Artikel wurde von >>Malena Böse verfasst. 
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