Eltern leben
Pro und Contra
Pro / Contra

Mein Kind ist hochbegabt – Förderung nur außerhalb der Schule?

Eine Hochbegabung betrifft das ganze Kind. Eigentlich gehört die Förderung auch zum Schulauftrag, aber bei der Umsetzung fragen sich manche Eltern: Ist es nicht besser, wenn ich mein Kind selbst fördere? Wir haben euch die Argumente für beide Positionen zusammengetragen, um es euch leichter zu machen, euren eigenen Weg zu finden.

Portrait Grundschulmädchen. Freundlich, Nahaufnahme

Birgit und Rolf: "Unsere Töchter sollen möglichst normal durch die Schule gehen"

Rolf und Birgit sind selbstständig und haben zwei Töchter: Janine 14 Jahre und Ella 6 Jahre alt. Beide Mädchen sind hochbegabt und werden von ihren Eltern außerhalb der Schule gefördert.

Als Janine sieben Jahre alt war, wurde uns klar, dass sie hochbegabt ist und ein außergewöhnliches musisches Talent hat. Sie lernte Klavier und spielt inzwischen auch noch Klarinette, beides mittlerweile auch in Bundeswettbewerben. Wir haben nie erwartet, dass die Schule dies musische Talent irgendwie fördert. Mit der Grundschullehrerin haben wir uns nur ausgetauscht, wenn sie schulfrei brauchte, z.B. für Wettbewerbe in der Schulzeit.

Nach dem Wechsel auf die weiterführende Schule haben wir darüber auch kurz mit dem neuen Klassenlehrer gesprochen. Wir möchten nur, dass uns die Schule bei der Förderung keine Steine in den Weg legt. Janine möchte ihre Begabungen in der Schule gar nicht thematisieren. Dort gilt sie als „normale“ Schülerin mit durchwachsenen Noten und nur ihre besten Freundinnen wissen von ihren musikalischen Erfolgen. Sie nutzt ihre Begabung, indem sie sich für die Schule kaum anstrengt. Sie plant, später auf ein Musikgymnasium oder ins Ausland zu gehen.

Ella ist auch hochbegabt, aber eher in den Naturwissenschaften. Auch dazu sehen wir in der Grundschule keinen Ansatzpunkt für Förderung, denn sie ist fachlich schon weiter, als der Sachkundeunterricht der Schule geht. Seit sie lesen kann besucht sie wöchentlich Kinderkurse für „Jungforscher“.

Das macht ihr viel Spaß und sie hat dort schon viele Freundschaften geschlossen. Ihr Grundschullehrer hat uns schon darauf angesprochen, nachdem sie im Unterricht beim Thema Haushalt von „sauren und basischen“ Reinigern gesprochen hat. Er merkte an, dass er kaum passendes Material für sie habe. Ich glaube, er war ganz erleichtert, als wir ihm sagten, dass er sich darum nicht kümmern müsste, weil wir sie außerhalb der Schule fördern. Wir werden jetzt beobachten, ob Ella diese Trennung von Zuhause und Schule auch so konsequent durchzieht wie ihre große Schwester.

Maria: "Die Hochbegabung meines Sohnes wird in der Schule gefördert"

Maria ist alleinerziehend und arbeitet in einer Gärtnerei. Ihr Sohn Thilo ist 11 Jahre alt. "Hochbegabung betrifft nicht nur die sofort sichtbaren Talente, sondern das ganze Kind. Ich könnte ihm so vielfältige Angebote gar nicht bieten."

Thilo ist hochbegabt, vor allem im sprachlichen Bereich. Das zeigte sich schon in der Kita und er wurde auch eher eingeschult. Er brauchte den Umgang mit den älteren Kindern und nahm die Förderangebote der Grundschule gerne an. Er konnte nicht nur sein besonderes sprachliches Talent, sondern viele Facetten seiner Hochbegabung auch in anderen Fächern gut einbringen und entwickeln.

Wir hatten seinerzeit extra nach einer Schule mit solchen Angeboten gesucht, denn ich selbst wusste nicht, wie ich ihn in seinen Talenten fördern sollte. Außerdem zeigte sich seine Sprachbegabung in fast jeder Unterrichtsstunde. In seiner Grundschule gab es Veranstaltungen mit der Kinderbibliothek und auch Förderaufgaben in Englisch und Mathe. Er hat in seiner und auch in den anderen Klassen dadurch viele Kontakte geknüpft.

Mit einigen seiner Freunde ist er an eine weiterführende Schule gewechselt, an der auch viel auf die Begabungen der Kinder geachtet wird. Alle Kinder lernen, ihre jeweiligen Stärken einzubringen und trotzdem auch an Schwächen zu arbeiten, z.B. bei der Ordnung. Er findet im normalen Unterricht immer etwas Passendes, freut sich aber schon darauf, bald in die „Forschergruppe“ zu gehen oder bei den Schüler-Streitschlichtern mitzumachen. Mit seiner Klassenlehrerin tausche ich mich regelmäßig aus.

Ich finde es wichtig, dass es in der Schule nicht nur um das Fächerlernen geht, sondern um die ganze Persönlichkeit. Thilo soll mit seinen Begabungen nicht hinter den Berg halten sondern sich als ganzer Mensch einbringen können. Ich finde das wichtig und die Schule kann das sehr gut praktisch umsetzen.

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