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Rechtschreibung: Tipps und Übungen

Das Erlernen der Rechtschreibung ist ein Prozess, der bei jedem Kind unterschiedlich verläuft. Sobald deinem Kind die Buchstaben zur Verfügung stehen und es in der Lage ist selbstständig Wörter aus dem Gedächtnis aufzuschreiben, wird es merken, dass es über die Zuordnung von gesprochenen Lauten und geschriebenen Buchstaben hinaus noch viele weitere Besonderheiten gibt, die zu beachten sind. 

Stifte vor leerer Tafel

Laute und Buchstaben oder lautgetreu Schreiben lernen

Ein Beispiel zeigt, was mit lautgetreuem Schreiben gemeint ist: dein Kind schreibt beispielsweise das Wort „Land“ (gesprochen: [lant]) am Ende mit „t“, also „Lant“ - es hat das gesprochene Wort lautlich korrekt analysiert und die zu den Lauten passenden Buchstaben gefunden und keinen Buchstaben vergessen (es hat also nicht „Lnt“ geschrieben). Dieses Beispiel zeigt, dass dein Kind die Laut-Buchstabenzuordnung verstanden hat und es nun auch noch an weitere Regeln der Rechtschreibung herangeführt werden kann. Wenn es dagegen beim lautgetreuen Schreiben noch Schwierigkeiten hat und – in unserem Beispiel – tatsächlich noch „Lnt“ statt Land schreibt, braucht es dabei noch mehr Übung.
Wie du dein Kind unterstützen kannst und welche Strategien ihm helfen können um sich in der Welt der Rechtschreibung besser zurecht zu finden, erfährst du in diesem Artikel.

Wortkategorien als Orientierungshilfe

  • Lautgetreue Wörter (z.B. Oma, Auto, Bus, ich, Pusteblume).
    →  Mitsprechen. Die Wörter werden so geschrieben, wie sie gesprochen werden.
    TIPP: Um hier Fehler zu vermeiden deutlich und langsam und möglichst Silbe für Silbe sprechen und schreiben Pus-te-blu-me)

  • Nachdenkwörter (z.B. Hund/ gesprochen [hʊnt] ); oder Läufer /gesprochen [ˈlɔɪ̯fɐ])
    Die richtige Schreibeweise eines Wortes ist durch eine Regel logisch erklärbar.
    → Ableiten („Läufer“ kann z.B. von „laufen“ abgeleitet werden)
    → Verlängern (Hund → Hunde, das d am Ende ist durch die Mehrzahlbildung deutlich hörbar)

  • Merkwörter (z.B. Vater, Tiger)
    →  Schreibweise einprägen, da nicht durch Regel erklärbar (Erklärung: Vater – am Wortanfang „F“ gesprochen, Tiger – langes „i“ wird gesprochen/ Regelschreibweise ist „ie“)

Übungen und Spiele für das Üben lautgetreuer Wörter

  1. Wörter/Sätze richtig abschreiben: Vorgegebene lautgetreue Wörter oder Sätze werden von einer Tafel oder aus einem Buch korrekt abgeschrieben. Dabei ist es wichtig, dass das Kind das Wort erst komplett laut liest um sich die Schreibweise einzuprägen und es dann Silbe für Silbe (Mitsprechen ist erlaubt!) aufschreibt. Wenn die vorgegebenen Wörter auf einem Blatt Papier stehen, können sie auch nach dem Lesen abgedeckt werden. Das Abmalen von Wörtern sollte unbedingt vermieden werden, da es keinen Lerneffekt hat.
  2. Silbenpuzzle mit lautgereuten Wörtern: Auf kleine Karten werden jeweils nur die Silben der Wörter geschrieben (z.B. La und ma, O und ma, Blu und me, Stie und fel, Sa und lat usw.). Die Karten werden dann gemischt. Das Kind setzt die Karten richtig zusammen und schreibt die Wörter ab.
  3. Schreiben im Wechsel mit einem Partner: Du suchst lange lautgetreue Wörter heraus und schreibst dann die erste Silbe des ersten Wortes in einer Farbe (z.B. rot) auf, die nächst Silbe schreibt dein Kind dahinter in einer anderen Farbe (z.B. grün). Mögliche Wörter: Haus- auf- ga- ben, Schul- fe- ri- en, Tür- klin- ke, Was- ser- kü-bel, Scho- ko- la- de, usw.
  4. Schreiben zu Bildern: Gerade das freie Schreiben ohne Wortvorlage trainiert das korrekte Schreiben lautgetreuer Wörter. Zum Üben bieten sich Bilder von Dingen, Tieren, Menschen an, die lautgetreu geschrieben werden. Viele Schulbuchverlage bieten dazu gutes Material an.
  5. Laufdiktat: Karten mit jeweils einem Wort (oder einem Satz) werden in der Wohnung verteilt. Das Kind sucht nach und nach die Karten, liest das Wort, läuft, das Wort murmelnd, zum Platz und schreibt es dann, Silbe für Silbe sprechend, auf.
  6. Wortdiktat: Du diktierst deinem Kind lautgetreue Wörter und sprichst sie ganz deutlich und langsam aus. Dein Kind schreibt, Silbe für Silbe, das jeweilige Wort auf.
  7. Lautgebärden: Zur Bewusstmachung der einzelnen Laute bieten sich Lautzeichen zur Unterstützung an. Diese können bei allen Übungen angewendet werden. Wichtig: Es gibt unterschiedliche Lautgebärden (z.B. rebbz-wilhelmsburg.hamburg.de/deutsch-2/uebersichtlautgebaerden/). Wenn dein Kind in der Schule Lautgebärden lernt, verwende diese.

Übungen und Spiele für das Üben von Nachdenkwörtern

  1. Entweder oder Spiel: d oder t, g oder k, b oder p?Oder: äu oder eu, ä oder e?
    Du sagst ein Wort z.B. Tag und fragst: „g oder k?“, dein Kind antwortet: „G, weil die Mehrzahl von Tag Tage ist.“ Oder du sagst: „Häuser“ und fragst: „ä-u oder e-u?“ Dein Kind antwortet: „Ä-u, weil Häuser mit dem Wort Haus verwandt ist.“ Für jedes richtige Wort bekommt es einen Preis (Steinchen, Gummibärchen,...).
  2. Adjektive Verlängern: Du gibst ein Nomen und ein Adjektiv vor: z.B. Tiger und hungrig. Dein Kind sagt: „Der hungrige Tiger.“ Und schreibt den Satz ggfs. auf. (weitere Beispiele: Baby und gesund, Getränk und flüssig, lustig und Witz, Gewitter und heftig, Kind und durstig, Arbeit und fertig, usw.)
  3. Wörter vervollständigen: Fehlende Buchstaben werden in vorgegeben unvollständige Wörter eingefügt. z.B. zum Thema äu/eu und ä/e: Br___te (äu), t__er (eu), H__ser (äu), L___se (äu), F__er (eu), H__nde (ä), __nte (E), Str__nde (ä), M__nsch (e), usw.
  4. Doppelter Mitlaut: Du sagst ein Wort mit einem doppelten Mitlaut am Wortende, z.B.: Nuss. Dein Kind verlängert das Wort (Nüsse) und schreibt dann beide Wörter auf (Nuss – Nüsse). Weitere Wörter: Kuss, Pass, Stamm, Stoff, kann, iss, renn, dünn, nass, fett, dumm, usw.
  5. Wörter mit ie üben: Die Regel, dass bei einem lang gesprochenen „i“ ein „ie“ geschrieben wird ist sehr hilfreich. Zum Üben eignen sich Lückenwörter, in die das ie eingetragen werden muss, oder das Laufdiktat (s.o.)

Übungen und Spiele für das Üben von Merkwörtern

  1. Üben mit der Wörterkartei: Täglich werden 2 neue Merkwörter jeweils auf eine Karteikarte geschrieben (z.B.Vater, fahren), die schwierige Stelle im Wort wird markiert (Vater-V, fahren- h). Die fertige Karte kommt in den Karteikasten. Dann werden 3 Karteikarten von den vorigen Tagen aus dem ersten Fach genommen, diktiert und aufgeschrieben. Bei korrekter Schreibweise wandert die Karte dann in das zweite Fach. Bei Fehlschreibung bleibt die Karte im ersten Fach. Als letztes werden 3 Karteikarten aus dem zweiten Fach diktiert und aufgeschrieben. Bei korrekter Schreibweise kann die Karte dann auf einen „Kann -ich Stapel“, der täglich wächst, bei Fehlschreibung bleibt die Karte im zweiten Fach.
    TIPP: Auch andere Wörter die dem Kind schwerfallen, können mit in die Wörterkartei aufgenommen werden (z.B. Nomen, Wörter mit doppeltem Mitlaut, usw.) TIPP: Merkwörterlisten sind im Internet zu finden.
  2. Arbeit mit dem Wörterbuch: Gerade bei Merkwörtern bietet es sich an, diese in einem Schülerwörterbuch suchen zu lassen. Diese Arbeit ist für viele Kinder sehr motivierend.
  3. Merkwörter stempeln oder legen: Mit Buchstabenstempeln lassen sich Wörter stempeln. Buchstabennudeln können zum Legen schwer einprägsamer Wörter verwendet werden.
  4. Ein Merkwörter- Plakat gestalten: Auf einem großen blauen Tonkarton (A2) werden selbst gebastelte Wolken  geklebt. In jede Wolke werden Wörter zu einem Themenschwerpunkt gesammelt. (1. Wolke: Wörter mit V, 2. Wolke: Wörter mit „ks- Laut“(Hexe, Dachs, usw), 3. Wolke: Wörter mit ä ohne verwandtes Wort mit a (z.B. Mädchen), 4. Wolke: Wörter mit doppeltem Vokal (See,...), 5. Wolke: Wörter mit langem i.

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Autorin-Malena Böse

Dieser Artikel wurde von >>Malena Böse verfasst. 
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