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Trennung am Schultor – Die Angst Schritt für Schritt überwinden

Es ist zum Verzweifeln! Du bringst dein Kind zur Schule, auf dem Weg ist noch alles in Ordnung, aber der Abschied am Schultor will einfach nicht gelingen. Dein Kind klammert sich an dir fest, weint und schreit, dass du nicht weggehen sollst. Du lässt dich immer wieder dazu überreden, dein Kind bis zum Klassenraum zu begleiten. Dort beginnt das Drama dann aber wieder von vorn.

Grundschulkind hält sich am Arm fest. Ist schüchtern.

Tipps zur Überwindung der Trennungsangst

Einigen Kindern fällt es besonders schwer, sich von ihren Eltern zu trennen. Das ist zunächst kein schlechtes Zeichen - heißt es doch, dass dein Kind eine gute Bindung zu dir aufgebaut hat. Bei vielen Kindern tritt die Trennungsangst direkt in der ersten Zeit nach der Einschulung auf, wenn alles neu ist; bei anderen kommt sie erst später, ganz unverhofft. Hier findest du ein paar Tipps, die euch helfen können, die Trennungsangst schrittweise zu überwinden:

1. Suche eine/n Helfer/in

Gibt es eine feste Freundin oder Freund, die/der deinem Kind in der Schule Sicherheit gibt? Mit dieser Person könntet ihr euch vielleicht auf dem Weg in die Schule treffen. Den Rest des Weges könntet ihr dann anfangs gemeinsam gehen. Nach einiger Zeit könntest du dich immer mehr im Hintergrund aufhalten, dann nur noch einen Teil des Weges begleiten und irgendwann die Kinder alleine gehen lassen.

2. Das Abschiednehmen üben: Jeden Tag einen Schritt mehr

Versucht den Ort des Abschiednehmens immer ein paar Meter weiter weg vom Klassenraum zu verschieben. Besprich das vorher mit deiner Tochter/deinem Sohn.
Ein möglicher Ablauf wäre:

1. Tag am Klassenraum
2. Tag an der Treppe
3. Tag An der Schultür
4. Tag auf dem Schulhof
5. Tag am Schultor, usw.

Ihr könnt euch auch überlegen, ob es eine Belohnung dafür gibt, wenn dein Kind wieder eine Etappe geschafft hat.

3. Maskottchen und Kuscheltier zum Trösten und Beschützen einsetzen

Vielen Kindern hilft es, wenn sie ihr Lieblingskuscheltier in der Schule dabei haben dürfen. Ihr könnt dies auch spielerisch nutzen, indem du dem Kuscheltier z.B. nochmal beim Abschied sagst, dass es gut auf dein Kind aufpassen soll und es sich keine Sorgen machen muss.

4. Kontrollanruf oder sms als Verbindung nutzen

Manchen Kindern hilft es, wenn sie wissen, dass sie ihre Mutter oder ihren Vater bei Bedarf kurz anrufen könnten. In der Regel reicht es schon, wenn das Kind einfach weiß, dass es im Notfall anrufen kann. Falls es wirklich zu einem Anruf oder einer Nachricht kommt, kannst du deinem Kind beim Telefonat oder über sms versichern, dass bei dir alles in Ordnung ist, sie/er sich auf dich verlassen kann und ihr euch in …Stunden wieder seht.

Wichtig bei einem Telefonat ist, dass es kurz gehalten wird. Für diese Idee musst du natürlich die Lehrerin mit ins Boot holen. Da das Mitbringen von Handys in den meisten Schulen für Kinder verboten ist, müsste die Lehrkraft also dazu bereit sein, dass dein Kind mit ihrem Handy eine sms schreiben darf, oder sie müsste dein Kind dabei unterstützen, dass es aus dem Sekretariat anruft.

5. Einen Gruß in die Brotbox legen

Jeden Tag einen kleinen Überraschungsgruß in die Brotbox zu legen, ist eine schöne Idee. Dein Kind kann gerne vorher darüber informiert werden, dass du einen Gruß in die Brotbox gelegt hast, so kann es sich schon darauf freuen und du bist dadurch in der Schule ein bisschen präsent.

6. Klares Abschiedsritual verabreden

Überlegt gemeinsam, was ihr zum Abschied als Letztes machen wollt. Z.B. ein Küsschen auf die Wange geben, „einschlagen“, „rausschupsen", Reim/Handklatschspiel (selbst erfunden)

7. Personenwechsel ausprobieren

Jemand anderes bringt deine Tochter/deinen Sohn in die Schule. Wenn der Trennungsschmerz beispielsweise am Schlimmsten ist, wenn die Mutter das Kind bringt, könnte der Vater, der Opa, die Tante, der Nachbar oder eine andere Vertrauensperson gefragt werden. Oder das Kind geht mit einem Geschwisterteil oder Freunden. Dieser Personenwechsel hat oft schon wahre Wunder bewirkt.

8. Im Gespräch bleiben

Du solltest immer wieder mit deinem Kind über die Schule sprechen. Vielleicht geht es ihm mal nicht so gut in der Schule und möchte deswegen nicht hingehen (Freunde, Sitznachbar, Lehrkraft, Leistungsdruck, etc.)

9. Selbstreflexion als Teil der Lösung

Denke darüber nach, ob du vielleicht unbewusst deinem Kind den Abschied erschwerst, weil auch du in irgendeiner Form Angst hast, deine Tochter oder deinen Sohn loszulassen. Vielleicht auch damit, dass dein Kind immer selbstständiger und größer wird und dadurch immer weniger deine Unterstützung braucht. Das könnte ggfs. auch eine Ursache sein.

10. Wenn keine Fortschritte sichtbar sind: Verhaltenstherapie kann helfen

Falls wirklich gar nichts hilft, könntet ihr darüber nachdenken eine Verhaltenstherapie in Angriff zu nehmen, in der dein Kind lernt, wie es aus eigener Kraft schaffen kann, die Trennungsangst zu überwinden.

Buchtipp: Fremdeln - Klammern - Trennungsangst: So helfen Sie Ihrem Kind liebevoll beim Loslassen - Taschenbuch von Elizabeth Pantley

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Autorin-Malena Böse

Dieser Artikel wurde von >>Malena Böse verfasst. 
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