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Stress und Streit mit den Großeltern?!

Sie werden geliebt, gebraucht und manchmal auch gemieden. Wenn Großeltern ein Teil der Familie sind, ist es meistens eine Bereicherung und ein großes Glück. Sind sie jedoch allzu aktiv und mischen sich immer wieder ungefragt in Erziehungsthemen ein, kann dies reichlich Zündstoff geben.

Großeltern und zwei Enkelkinder sitzen in Regensachen auf einer Bank. Herbst.

Großeltern – mal wunderbar, mal supernervig

Vermutlich kennen die meisten Eltern diesen Zwiespalt: Einerseits will man die Großeltern nicht missen. Es ist toll, wenn sie auf die Kinder aufpassen und es erwärmt das Herz, wenn man die Liebe zwischen den Kindern und Oma und Opa sieht.
Oft tut es auch gut, mal mit den eigenen Eltern die eine oder andere Erziehungsfrage zu bequatschen. Doch genau an diesem Punkt kommt es auch zu Konflikten, denn nicht selten sehen die Großeltern bestimmte Themen ganz anders als man selbst. Oder sie verhalten sich, wenn sie auf die Kinder aufpassen, anders, als man selbst es für richtig hält.

Beliebte Beispiele sind Süßigkeiten, Medienkonsum, Kleidung oder Bettgehzeiten. Es nervt, wenn man selbst mit viel Ausdauer bestimmte Regeln durchsetzt, von denen man überzeugt ist und die Großeltern dann einfach alles anders machen.
Oder, wenn Oma oder Opa sich ungefragt einmischen und das eigene Erziehungsverhalten kritisieren: „Geh' doch nicht immer direkt hin, du verwöhnst ihn!“ oder „Jetzt musst du ihn aber bestrafen, sonst lernt er das nicht!“ oder „Pia ist doch viel zu kalt angezogen!“ So lieb man seine Eltern auch hat... in solchen Situationen spüren die meisten von uns ziemlich viel Wut und Widerstand.

Das Kind in uns wehrt sich

Dass wir gerade auf Einmischung der Großeltern besonders sensibel reagieren, hat oft mit unseren eigenen Kindheitserfahrungen zu tun: Wir haben das, was unsere Eltern so wichtig finden, damals selbst erlebt oder mitmachen müssen und es gehasst. Und uns deswegen fest vorgenommen, es anders zu machen. Die Stimme in uns, die dann so sauer wird, ist oft das Kind von früher, das jetzt wieder deutlich macht, wie sehr diese Ansichten von Erziehung es schon früher genervt oder belastet haben.

Oder aber es ist das erwachsene Ich, das sich von den eigenen Eltern ein Stück weit distanziert hat und bestimmte Dinge nun einmal ganz anders sieht als diese. Wenn die Großeltern diese Überzeugungen infrage stellen, dann wird unser Bedürfnis nach Eltern nicht erfüllt, die unsere Unabhängigkeit anerkennen. Dann haben wir das Gefühl, dass unsere Eltern unsere Überzeugungen und damit auch uns als ebenbürtiges Gegenüber nicht respektieren und immer noch meinen, sie wüssten alles besser und müssten uns belehren. Wir fühlen uns dann also in unserer erwachsenen, selbstbestimmten Identität als Vater oder Mutter angegriffen.

Den eigenen Weg in die Eltern-Rolle finden

Hinzu kommt, dass man als Eltern ohnehin immer mal wieder verunsichert ist, ob man wohl alles richtig macht. Es gibt so viele unterschiedliche Meinungen zu jeder Erziehungsfrage, da ist es gar nicht so einfach, seine eigenen Überzeugungen zu finden. Gerade von den eigenen Eltern wünscht man sich dann nicht noch mehr Verunsicherung, sondern eher Bekräftigung im Sinne von: „Ihr seid gute Eltern, ihr macht das schon!“
Auch hier ist es also zum einen das innere Kind, das sich Bestätigung und Rückhalt von seinen Eltern wünscht, auch heute noch, als Erwachsener. Und gleichzeitig das erwachsene Ich, das in seiner eigenen Meinung von den Eltern ernstgenommen werden möchte.

Mit Konflikten umgehen lernen und mit den Großeltern reden

Wenn man sich also mal wieder über die Großeltern aufregt, lohnt es sich, einmal zu überlegen, was der Konflikt mit den eigenen Gefühlen und der eigenen Beziehung zu den Eltern zu tun hat. Also nicht immer auf der Ebene des eigentlichen Themas zu bleiben, sondern zu schauen, was dahintersteckt.

Wenn man sich darüber klar wird, was einen so wütend macht, kann man das den Großeltern vorsichtig erklären, z.B.: „Wenn du dich über die Kleidung meines Sohnes beschwerst, habe ich das Gefühl, dass du denkst, ich mache alles falsch. Dabei würde ich mir von dir manchmal Bestätigung wünschen, dass ich das als Mama hinkriege.“ oder „Wenn du sagst, ich verwöhne Hugo, dann habe ich den Eindruck, dass du mich als Vater gar nicht ernst nimmst. Als wüsstest du immer noch alles besser, als wäre ich immer noch das kleine Kind und kein erwachsener Vater.“

Klare Aussagen helfen

So kann man in ein Gespräch über Gefühle und Wahrnehmungen kommen. Bei Aspekten, die einem wichtig sind, kann man versuchen, zu erklären, warum man das so sieht. Manchmal bleiben die Meinungen unterschiedlich  - dann sollten die Großeltern aber auch akzeptieren, dass die Eltern die Entscheidungen treffen. Das kann man freundlich und klar kommunizieren, z.B.: „Ich respektiere, dass du der Meinung bist, ohne Strafen geht es nicht. Ich sehe das anders und bin davon überzeugt.

Ich bitte dich darum, dass du meine Ansicht ebenfalls stehen lässt und mich mein Kind so erziehen lässt, wie ich es für richtig halte. Schließlich bin ich die Mutter. Das heißt nicht, dass du nie etwas ansprechen darfst, was dir auffällt. Natürlich mache ich mal Fehler und bin auch bereit, dazuzulernen. Aber in diesem Punkt bin ich wirklich davon überzeugt und möchte da auch keine weitere Einmischung.“

Unterschiede akzeptieren

Wenn die Kinder nicht ständig bei den Großeltern sind, kann man auch lernen, manche Unterschiede zu akzeptieren. Natürlich sollte es sich nicht um Verhaltensweisen handeln, die dem Kind Schaden zufügen. Aber wenn es einmal im Monat zwei Stunden später als sonst schlafen geht oder mehr fernsieht als zuhause oder sich an zwei Wochenenden im Monat ungesünder ernährt als zuhause... ist das dann wirklich Streit und Stress wert?

Denn Kinder können, schon wenn sie klein sind, durchaus damit umgehen und verstehen, dass bei den Großeltern andere Regeln gelten als zuhause. So kann man sich in einigen Punkten auch gelassen zurückhalten und auf die Urteilsfähigkeit des eigenen Kindes bauen.

Und ein Tipp zum Schluss: Humor hilft – auch beim Umgang mit Großeltern!
Entspannt zurücklehnen und den Großeltern das „Privileg des Verwöhnens“ gönnen.

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Melanie Schüer

Autorin-Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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