Artikel

Übernachtungsbesuch - so funktioniert es, wenn Freunde über Nacht bleiben

Wenn das eigene Kind einen Gast über Nacht einlädt oder selbst bei einem Freund schläft ist das ein ziemliches Abenteuer. Für alle! Worauf sollten Eltern vor allem achten?
Jan ist aufgeregt. Sehr. Denn heute ist der große Tag. Sein Freund Max kommt heute nicht nur zu Besuch, er wird auch bei Jan schlafen. Der Fünfjährige kann es kaum erwarten. "Wann kommt Maxi?" fragt er seine Mutter Marie im Sekundentakt. Maria atmet tief durch. Ob sich Jan vielleicht zu sehr freut? Was, wenn Maxi doch wieder abgeholt werden möchte? Und ob die beiden Jungen überhaupt Schlaf bekommen werden?

Artikel
Übernachtungsbesuch: Zwei Freunde lesen nachts unter der Decke

Heute ist der große Tag

„Das wird schon,“ beruhigt Johannes seine Frau. Er freut sich für seinen Sohn. Und denkt an die eigenen Übernachtungen im Zelt mit seinem Freund. Das war ein ziemliches Abenteuer – auch wenn es nur im Garten seiner Eltern war. Und genau das wünscht Johannes sich für seinen Sohn Jan auch. Einfach Spaß mit dem Freund, ohne Einmischung der Eltern. Aber weil Johannes weiß, wie spannend so eine Übernachtung sein kann, hat er Jan nie gedrängt. Bisher hat Jan zwar selbst schon ein paar Mal bei den Großeltern übernachtet, sich aber selbst nicht getraut, einen Freund einzuladen oder bei einem anderem Kind zu schlafen. Johannes hatte sich schon ein wenig gewundert. Hatte er selbst nicht schon als Kindergartenkind oft bei seinem Kumpel geschlafen? Aber bei Jan und seinen Freunden hatte sich bisher keiner getraut. Bis Max und Jan vor ein paar Tagen bei einer Verabredung beschlossen, dass sie sich auch über Nacht verabreden wollten. Ob wohl alles gut gehen würde?

Über Nacht bei Freunden - aber nur auf eigenen Wunsch und nach Absprache

Maria und Johannes haben die Übernachtung von Jans Freund gut mit dem anderen Elternpaar abgesprochen. Maxi hat schon häufiger woanders geschlafen und kennt Jan und seine Familie sehr gut. Beste Voraussetzungen.
Und zwar für alle. Denn aufregend ist so eine Übernachtung auch für die Eltern des Gastes. Wie gut kennen sie die Familie, der sie ihr Kind anvertrauen? Gibt es dort andere Regeln, was passiert, wenn das Kind unglücklich ist. Wichtig ist das Bauchgefühl. Haben Eltern ein gutes Gefühl? Genauso wichtig sind auch klare Absprachen. Die Eltern von Maxi werden telefonisch erreichbar sein und ihren Sohn abholen, wenn dieser doch Heimweh bekommt oder schlecht schläft. Und andere Regeln? Nun, der Fünfjährige kennt das ja schon von Verabredungen. Es gibt Familien, in denen wird nur zu festen Uhrzeiten gegessen, andere hingegen essen sehr zwanglos. Auch die Sache mit dem Aufräumen handhaben Familien unterschiedlich. Also auch eigentlich nicht erstaunlich, dass woanders ein Abendgebet gesprochen wird oder ein Gute-Nacht-Lied zum festen Einschlafritual gehört. Kinder finden so etwas sehr spannend - und passen sich meist ohne Murren an.
Bei der Gastgeber-Familie herrscht ein sehr salopper Stil, es gibt Fast-Food. Kein Problem. Das auswärtige Übernachten ist wunderbar für die Entwicklung. Und die neue Erfahrung bereichert sie. Die anderen Regeln sind für eine Nacht nicht schlimm, wichtig sind die unterschiedlichen Menschen und der Einblick in eine andere Familie.

Wann ist mein Kind alt genug, woanders zu übernachten?

Es gibt keine Faustregel, wann Kinder gern eine Nacht ohne die eigenen Eltern verbringen möchten. Es gibt Einjährige, die schon erste Nächte bei den Großeltern verbringen und Fünfjährige, die sich damit noch schwertun. Kinder, die vielleicht schon mal mit nur einem Elternteil verreist sind oder häufiger bei der Patentante übernachten, sind sicher eher bereit auch bei Freunden zu schlafen. Oft sind es die Kinder selbst, die von Freunden aufregende Geschichten hören und dann auch Einladungen aussprechen. Die Gastgeber-Eltern dürfen hier übrigens auch ein Veto einlegen: Ein Besucherkind sollte schon bekannt sein und auch dessen Eltern, zumindest im Kindergartenalter.
Wichtig ist, dass der Übernachtungswunsch vom Kind ausgeht: "Niemand sollte sein Kind drängen, woanders zu übernachten", erklärt Autor und Familienberater Jan-Uwe Rogge. Wenn sich Kinder das aber wünschen, sollten Eltern darauf eingehen.

Wie sollten wir uns als Gastgeber-Eltern verhalten?

Idealerweise sollte der kleine Gast einen ganz normalen Familienabend erleben. Die Kinder dürfen gemeinsam spielen, die Schlafstatt aufbauen und nach dem Abendessen eine Geschichte vorgelesen bekommen oder eine CD hören. Ältere Kinder dürfen vielleicht auch einen Film sehen, jüngere könnten davon zu aufgedreht sein.
Und wenn der Besuch Heimweh hat oder es Streit gibt? Dann muss je nach Situation entschieden werden. Können sich die Wogen wieder glätten? Hilft ein wenig Ablenkung? Sollte die Situation sich nicht wieder beruhigen, mit dem Gastkind offen sprechen. Möchte es vielleicht doch lieber abgeholt werden? Wenn du als Mutter oder Vater ein nicht so gutes Bauchgefühl hast, weil dein Kind sich sonst mit dem Besucherkind nie verabredet oder ihr euch ein wenig zu der Übernachtung genötigt fühlt, weil die anderen Eltern eure Unterstützung fordern ("Wir haben da diese dringende Einladung und der Karl möchte das doch so gern ..."), dann darf die Übernachtung auch abgesagt werden. Auch das Gastkind soll ja eine gute Erfahrung machen und ein Gast, der sich nicht wohl fühlt oder eigentlich gar nicht übernachten möchte ist kein so guter Einstieg.
Meist aber haben alle Spaß an so einer Übernachtung. Vor allem dann, wenn alles gut abgesprochen ist. Bewährt haben sich ein paar feste Übernachtungsregeln. Diese sollten sich Eltern vor dem ersten Übernacht-Gast gut überlegen, denn wenn alles gut läuft, wird das Kinder sicher gern wieder Freunde einladen. Oder selbst woanders zu Besuch sein wollen:

Tipps für Übernachtungs-Regeln und Absprachen:

  • Gibt es gesundheitliche Infos, z.B. Allergien, die ausgetauscht werden müssen?
  • Wen spricht das Kind an, wenn die eigenen Eltern angerufen werden sollen? 
  • Und wie sind diese im Ernstfall erreichbar?
  • Vor dem Schlafengehen wird aufgeräumt
  • Erst Zähneputzen, dann Schlafanzug - und dann die Geschichte (CD oder Film ...)
  • Das Licht wird zu einer bestimmten Uhrzeit ausgemacht
  • Wenn das Licht aus ist, ist Bettruhe
  • Was ist, wenn jemand nachts auf WC muss oder Durst hat? Wie soll sich der Gast verhalten? Gibt es ein Nachtlicht?
  • Wenn das Kind nachts aufwacht - wo findet es die Erwachsenen? 
  • Was ist am Morgen? Dürfen die Kinder allein in die Küche? Ab wann darf wo gespielt werden? 


Wir wünschen euch viel Spaß bei euren Übernachtungsabenteuern!

Autorin

Dieser Artikel wurde von Silke Plagge verfasst.