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Allergien im Kita-Alltag - was zu beachten ist

Immer mehr Kinder haben Allergien – auch in den Kindergärten spielt das eine immer wichtigere Rolle. Nicht nur für betroffene Kinder, sondern auch für andere Eltern. Zum einen zeigen sich viele Allergien erst jetzt – zum anderen müssen alle Kinder Rücksicht auf die erkrankten Kinder nehmen. Einen Kuchen zum Geburtstag mitbringen? Heute gar nicht mehr einfach. Denn Anne darf keine Eier, Nik hat eine Glutenunverträglichkeit und Nils darf keine Milchprodukte. Und im Frühling? Da müssen alle Kinder gut aufpassen, dass Nele nicht zu lange draußen bleibt, denn die hat starken Heuschnupfen …

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Kita-Kind mit Allergie putzt sich im Garten die Nase

Was zu beachten ist...

Kinder lernen den Umgang mit Allergien, wenn sie Allergikern begegnen. Doch gerade vor dem Start in Kindergarten und Krippe müssen Eltern von betroffenen Kindern sich eng mit Ärzten und der Kita-Leitung absprechen. Worauf ist zu achten? Was kann ein Kind im Kindergartenalter schon allein bedenken? Wo sind Gefahrenquellen?

Vor dem Kita-Start gut informieren

Hat das Kind wirklich eine Allergie oder Unverträglichkeit? Vor dem Besuch einer Kindertagesstätte solltet ihr bei einem Verdacht Rücksprache mit dem Kinderarzt halten und nach einer entsprechenden Diagnostik fragen. Je nach Allergie wird er euch einen fachlichen Rat für den Kindergartenalltag geben.
Reagiert ein Kind beispielsweise stark auf Fischeiweiß, ist das kein großes Problem. Es darf nur keinen Fisch essen. Erdnussallergien sind dagegen wesentlich gefährlicher, da schon kleinste Spuren schwere lebensbedrohliche Reaktionen auslösen können. Bei schwerem Heuschnupfen sollten die Eltern den Pollenflugkalender kennen. Manchmal brauchen Kinder mit Lebensmittelallergien oder starkem Heuschnupfen sogar ein Notfallset in der Kita. 
Vor der Anmeldung muss die Leitung über die Allergie informiert werden und es muss abgesprochen werden, ob die Erzieherinnen, den Bedürfnissen des Kindes gerecht werden können.  Es sollte auch möglichst schon im Vorfeld geklärt werden, inwieweit andere Eltern und die anderen Kinder informiert werden sollten. Allergikereltern fürchten oft, dass ihr Kind vielleicht ausgegrenzt wird, weil es „anders“ ist, aber gerade Kindergartenkinder gehen mit einer bekannten Krankheit gut um.
Wissen die anderen Kinder um die Allergien, dann wird das betroffenen Kind z.B. wegen stark angeschwollener Augen („Du siehst ja doof aus!“) auch weniger geärgert. Aufklärung hilft, damit das betroffene Kind Unterstützung und Verständnis bekommt. Nur ein offener Umgang macht es möglich, dass Kinder verstehen, dass ein Kind, das Neurodermitis hat, schuppige Haut hat oder dass ein Pollenallergiker-Kind einen Ausflug nicht mitmachen kann.

Das Kind muss mithelfen und lernen

Allergiker müssen den Umgang mit ihrer besonderen Situation lernen. Je früher Kinder mit einer Allergie Bescheid wissen, desto besser können sie mit der Erkrankung eigenverantwortlich und souverän umgehen. Klar weiß ein Dreijähriges nicht, wie bestimmten Lebensmitteln zusammengesetzt sind. Aber es kann schon wissen, dass es beispielsweise Ei nicht verträgt und im Zweifelsfalle ablehnt, wenn Eier im mitgebrachten Kuchen eines Geburtstagskindes enthalten sein könnte. Kleine Allergiker müssen einen selbstbewussten Umgang mit ihrer Allergie oder Unverträglichkeit lernen. Oft hat es sich auch bewährt, im Kindergarten Allergiker-„Schatzkisten“ anzulegen – mit Süßigkeiten, die nur von ihm gegessen werden dürfen. Feiert dann ein Kind und bringt für alle Naschkram mit, dann darf das Kind mit der Allergie in die Kiste greifen und auch etwas Köstliches schmausen, das es verträgt. Viel hilfreicher als eine Liste mit den Sachen, die das Kind NICHT essen darf, ist eine POSITIV-Liste. Eine Liste, auf der drauf steht, was es alles essen darf. Dann muss man als Erzieher oder Eltern nicht umdenken. Allergikerkinder müssen darüber hinaus unbedingt wissen, auf welche Signale ihres Körpers sie achten müssen, an wen sie sich im Notfall wenden können und wo ein Notfall-Set ist. 

Wenn Freunde besucht werden, sollten die Eltern der anderen Kinder kurz aufgeklärt werden, falls eine starke Allergie vorliegt.
Um dem Kind das Geschehen in seinem Körper zu erklären, gibt es einige gute Kinder-Bilderbücher wie z.B. „Zöli wohnt in meinem Bauch“, „Laktose…was?“ oder „Jutta juckt´s nicht mehr“. Denn je mehr das eigene Kind und andere Erwachsene über die Erkrankung wissen und wie die Allergene zu vermeiden sind, desto leichter ist es zu erreichen, dass die Allergie im Alltag keine große Rolle spielt, denn das Spielen mit den anderen Kindern, Lachen und Toben sollte für Allergikerkinder genauso im Mittelpunkt stehen wie für alle anderen Kinder.

Tipps für Kita-Eltern, deren Kind eine Allergie hat:

  • In der eigenen Familie das Kind aufklären und bewusst mit der Allergie umgehen.
  • Enge Absprache mit Kinderarzt und Allergologen halten. Eine Behandlung ist wichtig, da unbehandelte Allergien eher schlimmer als besser werden.
  • Kita-Leitung und Erzieher über die Allergie umfassend informieren. Bei den Allergie- oder Zöliakie-Verbänden gibt es dafür spezielles Infomaterial.
  • Andere Kinder und deren Eltern über die Allergie aufklären.
  • Mit den Erziehern genau besprechen, was vermieden werden muss und wie sie sich im Notfall verhalten sollen. Notfallplan schriftlich mitgeben.
  • Notfallset hinterlegen

Weitere Hinweise zum Thema Allergien bei Kindern kannst du im >>gleichnamigen Dossier nachlesen!

Autorin

Dieser Artikel wurde von Silke Plagge verfasst.