Pro / Contra

Brauchen Kinder Langeweile?

Leerlauf im Kinderzimmer. Müssen Eltern dann Action und ein volles Programm bieten? Oder sollten sie sich eher überraschen lassen, was passiert, wenn Kinder sich langweilen?

Pro und Contra
Kind langweilt sich

Rebekka Joachimsen: „Wenn mein Kind sich anödet, geht es mir schlecht“

Rebekka, 39, ist alleinerziehende Mutter der sechsjährigen Lisa. Natürlich will sie nicht jede Minute ihres Kindes verplanen, aber zu viel Leerlauf ist für uns alle schlecht, findet sie.

„Meine Eltern hatten wenig Zeit für mich. Meine Mutter war aktiv in der Friedensbewegung, mein Vater im Umweltschutz. Und ich? Ich musste mit. Das war furchtbar. Wenn ich nicht wusste, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte, hieß es nur: Lies doch. Oder geh zu den Nachbarn. Aber die Nachbarskinder mochte ich nicht. Ich habe mich als Kind oft einsam gefühlt. Und genau das erspare ich meiner Tochter. Sie geht zum Kindertanz, ist in einer Bastelgruppe und lernt Blockflöte. An den anderen Tagen kümmere ich mich um Verabredungen. Das muss ich übernehmen, denn viele von Lisas Freunden sind im Hort. Wenn sie allein zu Hause ist, ist ihr schnell fad. Sie steht dann ständig neben mir, möchte Spielvorschläge oder doch mit mir etwas unternehmen. Das ist für mich sehr anstrengend. Ein Grund mehr, ihre Zeit ein wenig zu aktiv zu gestalten.“

Heike Termann: „Langweile ist ein wunderbarer Lehrmeister“

Heike, 42, hat zwei Kinder im Alter von sieben und 12 Jahren. Sie findet es furchtbar, wenn Kinder stets verplant werden und findet Leerlauf sogar sehr wichtig.

„Je älter Kinder werden, desto weniger Zeit haben sie für sich und zum Spielen. Warum sollen denn schon Kindergartenkinder jeden Tag Programm haben? Klar, manchmal ist es öde, wenn keine Action ist. Aber es doch nicht meine Aufgabe als Mutter, private Freizeitanimateurin zu sein! Ich finde es wichtig, dass meine Kinder auch lernen, sich selbst zu beschäftigen. Mein Sohn beispielsweise sitzt erst murrend im Kinderzimmer und fragt mich, was er machen soll. Klar gebe ich auch mal einen Tipp. Aber nach einiger Zeit höre ich dann oft Spielgeräusche und er baut sich selbst ein Rollenspiel mit seinen Rittern und erzählt etwas von Clay und Lance. Er macht damit ja auch eine wichtige Erfahrung, er selbst kann Welten erfinden, etwas bauen und muss nicht warten, dass jemand anderer etwas bietet. Meine Tochter sitzt auch gern einfach so in ihrem Lieblingssessel. Was sie macht? Chillen. Genau gesagt sitzt sie. Sie macht nämlich eigentlich gar nicht, sondern genießt die Ruhe nach einem langen Schultag. Wie schrieb Astrid Lindgren? Manchmal muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen. Das sollte Kindern gegönnt werden.“

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