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Kita-Streik: Wenn dein Kind nicht in die Kita will

Jedes Kind erlebt den Kindergarten-Start anders. Einige tun sich am Anfang schwer, andere sind gleich begeistert. Doch was tun, wenn das Kita-Kind erst gerne in der Einrichtung war und dann nicht scheinbar plötzlich mehr mag? Für Eltern eine Herausforderung.

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Weinendes Kind auf dem Arm des Vaters

Ist es zu Hause so schön - oder hat das Kind Probleme?

Lene (3) liebt die Bärengruppe. Seit fünf Monaten ist sie stolz darauf ein Kindergartenkind zu sein. Jeden Abend stellt sie ihren Rucksack neben Mamas Laptop- und Papas Aktentasche. Nicht zu Hause zu sein, das kannte sie schon, sie war ja auch ein Krippenkind. Doch in der Bärengruppe sind mehr Kinder, weniger Erzieher und für die „Großen“ ist der Alltag ein wenig anders. Das fand Lene toll. Doch seit zwei Wochen gibt es ein Problem. Lene streikt. 

Sie stellt am Abend ihren Rucksack nicht mehr hin, will sich am Morgen nicht anziehen und weint bitterlich, wenn ihr Vater sie wie jeden Morgen in die Kita bringt. Die Eltern sorgen sich. Was hat Lene? Sie wenden sich an die Erzieher im Kindergarten, die berichten, dass Lene gern im Kindergarten ist und schon viele Freunde gefunden hat. Es sei durchaus normal, dass Kinder nach einigen Monaten nicht mehr so begeistert seien. „Es geht uns Großen doch genauso, am Anfang ist ein neuer Arbeitsplatz total spannend. Doch dann irgendwann kommt die Alltagsroutine. Und so geht es auch Lene. Sie ist in der Gruppe gut angekommen. Aber sie ist eben auch sehr gern zu Hause und mag den Abschied nicht.“ Gemeinsam überlegen sich die Eltern mit den Erzieherinnen, dass Lene vielleicht ein neues Abschiedsritual gut tut, bisher hatte ihr Papa sie immer nur bis zur Tür gebracht. Nun wird er sie bis zur Garderobe begleiten und ihr helfen die Hausschuhe anzuziehen, mit denen kämpft sie immer. Und dann wird sie Papa zur Tür bringen und ihn hinausschubsen. Denn es heißt ja  Kinder- und nicht Elterngarten. Das findet Lene so toll, dass die Tränen vergessen sind.

Mögliche Gründe für den Streik

Lene fällt der Abschied nun leichter. Doch es gibt viele Gründe, warum Kinder, oft ohne Vorwarnung, nicht mehr in den Kindergarten gehen möchten. Manchmal ist es die Freundin, die nun eine andere liebste Spielpartnerin gefunden hat. Oder die Erzieherin, die sich gerade intensiv um neue Kinder kümmert. Manchen Kleinen ist der Lärmpegel zu hoch, andere werden geärgert oder fühlen sich ausgegrenzt.

Manchmal fühlen sich Kinder aber auch sehr wohl im Kindergarten, mögen sich aber gerade gar nicht gern von den Eltern trennen. Vielleicht, weil sich ein Geschwisterchen ankündigt, oder es einfach anhänglich ist, weil ein Virus im Anmarsch ist. Kindergarten haben einen Lärmpegel, der auch für Kinderohren sehr anstrengend ist. 

Will ein Kinder wiederholt nicht in den Kindergarten, träumt es schlecht oder verhält sich auffällig, sollten Eltern hellhörig werden. Denn manchmal kann auch ein ernstes Problem vorhanden sein. 

Wie können Eltern herausfinden, was das Kind unglücklich macht?

Manchmal kann eine kleine Auszeit helfen. Sie ist ideal, wenn das Kind erschöpft von den vielen Eindrücken ist oder etwas kränkelt. Bei Kummer mit anderen Kindern oder der Erzieherin ist das aber keine Lösung.

Der Experte, der den Eltern erklären kann, was wirklich los ist, ist leider noch sehr jung: das Kind selbst. Mit Hilfe von Büchern kann das Gespräch leichter werden – wie ist denn Connys Kindergartentag, ist der von Lene auch so? Was ist anders? Was ist schön? Und was nicht? Eltern sollten sich die Alltags-Routine beschreiben lassen. Und nachfragen. Gibt es etwas, was das Kind sehr gern mag? Etwas, das es traurig macht? Kinder möchten – wie viele Erwachsene auch – nicht unbedingt einen klugen Rat, sondern Verständnis, wenn sie erzählen. Oft können sehr junge Kindergartenkinder noch nicht sehr gut beschreiben, wie sie sich fühlen. Und manchmal ist ein Grund für den Kummer auch nicht sehr klar für die Erwachsenen. Das Gespräch hilft trotzdem, denn es zeigt: Mama und Papa hören mir zu und nehmen mich ernst. Und das ist das Wichtigste, denn nur dann kannst du – vielleicht erst nach und nach – herausfinden, was eigentlich los ist.

Das Gespräch mit den Erzieherinnen und Erziehern suchen

Oft kann die zuständige Erzieherin die Situation so gut beurteilen, wie die von Lene. Sie erlebt, ob dem Kind „nur“ die Trennung oder auch der Alltag schwer fällt. Wie verhält es sich in der Gruppe? Wirkt es traurig? Die Erwachsenen, die das Kind täglich begleiten, haben oft eine Idee, wie der Alltag einfacher werden kann. Manchmal hilft ein neues Abschiedsritual, manchmal muss eine individuelle Lösung gefunden werden, die etwas schwieriger ist. Wenn das Kind die Nähe zu den Eltern noch so sehr sucht, könnte es vielleicht helfen, wenn es den Kindergarten weniger Stunden besucht. Oder wenn Mama nach dem Kindergarten mit dem Kind nicht gleich zum Supermarkt fährt, sondern erst einmal lange kuschelt.

Die eigene Haltung überprüfen

Erfahrene Erzieherinnen berichten, dass es häufig nicht in erster Linie die Kinder sind, die sich schwer trennen können. Oft seien es auch die Mütter, die ihr schlechtes Gewissen – vielleicht ohne es zu wollen – über das Kind agieren. Die eigene Haltung beeinflusst Dein Kind stark – negativ wie positiv. „Mama holt dich bald wieder ab. Bis dahin hältst du das doch durch“ klingt als Abschiedssatz eben anders als ein ermutigendes „Ich bin jetzt schon neugierig darauf, was du mir nachher alles erzählen wirst. Hab einen tollen Tag!“ 

Ein Tipps zum Schluss

Manchmal ist auch eine Auszeit ohne Verabredungen und ohne Programm für die ganze Familie eine wunderbare Lösung. Denn mal ganz ehrlich: So eine „Einfach-mal-keine-Lust“-Phase haben wir Großen auch. Wäre es nicht schön, einfach mal zu sagen: „Nö, mache ich heute nicht. Ich will zu Hause sein, kuscheln, schlafen und verwöhnt werden.“ Dreijährige dürfen das. Es zeigt ja auch, dass sich dein Kind bei dir geliebt und geborgen fühlt.

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