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Phasen der sexuellen Entwicklung III

Wie genau entwickelt sich eigentlich die Sexualität von Kindern und Jugendlichen? Gibt es bei Babys und Kindern auch schon so etwas wie Sexualität? In welchem Alter sind welche Themen wichtig? Diese Tabelle bietet dir einen umfangreichen Überblick darüber, was in welchem Alter passiert und wie du dein Kind sensibel begleiten und unterstützen kannst.
Die Altersangaben sind dabei keine exakten Werte, sondern eher ungefähre Orientierungswerte und individuelle Abweichungen sind möglich.

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2-4 Jahre: Entwicklung im Kleinkind-Alter

Kleinkinder sind neugierig und entdecken den menschlichen Körper in Erkundungen der eigenen Körperteile, aber auch in Doktorspielen und ähnlichen Aktivitäten mit Spielgefährten.
Oft sind sie stolz auf ihren Körper und präsentieren daher auch gern ihre Geschlechtsteile den Erwachsenen, zum Beispiel, indem sie ihre Hose herunterziehen. Manche Kinder streicheln sich in der Öffentlichkeit an den Geschlechtsteilen.
Auch die Geschlechtsteile der Eltern sind sehr spannend und werden gern beobachtet oder mal angefasst. Kinder stellen dazu erste Fragen und möchten oft schon wissen, wie Babys in den Bauch der Mutter kommen.
Sie sind sehr interessiert an den Ausscheidungen ihres Körpers und meist stolz auf das, was sie „produziert“ haben, sodass sie erst einmal in Ruhe betrachten möchten, was im Töpfchen gelandet ist. Die Entwicklung bis zum tatsächlichen Trockenwerden verläuft individuell sehr unterschiedlich. Kleinkinder finden es toll, Erwachsene auf der Toilette zu beobachten, um direkt am Modell zu lernen.
Auch für Kleinkinder ist Kuscheln und Körperkontakt zu den Eltern noch sehr wichtig, wobei einige Kinder mehr und andere Kinder weniger schmusen.

Aufgaben der Eltern

Eltern sollten Doktorspielen grundsätzlich gelassen gegenüberstehen, solange die Kinder sich an Regeln halten: Niemand darf zu etwas gezwungen werden und niemand darf verletzt werden. Nähere Informationen im Artikel „Doktorspiele ...“.
Die gleiche Haltung empfiehlt sich, wenn Kinder sich öffentlich ausziehen oder sich selbst befriedigen: Eltern können ohne große Aufregung fragen: „Ist dir zu warm?“ und dann erklären, dass  man nur zuhause nackt herumlaufen sollte. Und, dass es okay ist, wenn sich das Kind am Penis/an der Scheide streicheln will, dass es das aber auch nur zuhause (in seinem Zimmer) tun sollte. Es ist keine Boshaftigkeit, wenn Kinder diese Regeln immer wieder brechen – oft ist die Neugier in diesem Alter einfach stärker. In aller Regel lässt diese aber schnell nach, wenn Eltern kein großes Aufheben darum machen.

Wenn möglich, sollten Eltern unbefangen mit der eigenen Nacktheit umgehen und dem Kind auch erlauben, mit zur Toilette zu gehen. So lernt das Kind, selbstbewusst mit dem eigenen Körper umzugehen und findet Antworten auf seine Fragen. Eltern sollten nicht allzu ausgefallene Namen für die Geschlechtsteile nutzen, sondern solche, mit denen sich das Kind ggf. auch verständlich machen kann, wenn es mit anderen Menschen spricht (zum Beispiel, wenn es im Kindergarten mal Schmerzen am Penis oder an der Scheide hat).
Wenn Kinder einmal kurz die Geschlechtsteile der Eltern fühlen wollen, ist das kein Problem, doch wenn sie weiter damit spielen wollen, empfiehlt es sich, ihnen freundlich beizubringen, die Grenzen anderer zu achten: „Lass' das mal, das mag ich nicht.“

Fragen zu Sexualität sollten Eltern wahrheitsgemäß beantworten. Für den Anfang reicht eine kurze Erklärung – wenn das Kind mehr wissen will, wird es fragen. Weitere Tipps dazu in den Artikeln Aufklärung und Materialien zur Sexualaufklärung.

Eltern sollten weiterhin als Kuschelpartner zur Verfügung stehen und das Trockenwerden mit viel Geduld und Verständnis begleiten. Oft ist dies ein Prozess mit vielen Fort- und Rückschritten. Eltern sollten immer mal wieder schauen, ob Interesse besteht und dieses dann fördern. Wenn das Kind aber phasenweise gar nicht auf's Töpfchen oder die Toilette mag, sollten Eltern auch keinen Druck machen. Außerdem sollten Eltern niemals „Igitt“ oder Ähnliches zu den Ausscheidungen sagen und sich mit dem Kind freuen, wenn es stolz begutachtet, was im Töpfchen gelandet ist.

Eltern sollten außerdem Grundwissen über Vorsicht gegenüber Fremden und das Verteidigen eigener Grenzen vermitteln: „Du bestimmst, wer dich berühren darf. Wenn dich jemand berühren will und du das nicht willst, dann sag' das oder ruf' um Hilfe. Man darf sogar treten oder schlagen.“ Weitere Tipps dazu unter Materialien zur Sexualaufklärung.

5-9 Jahre: Entwicklung in der Kindheit

In diesem Alter entwickeln die meisten Kinder ein stärkeres Scham-Gefühl und gehen befangener mit Nacktheit um. Außerdem legen sie viel Wert auf ihre Identität als Mädchen bzw. Junge und lehnen in dieser Phase oft auch das andere Geschlecht ab („Jungs sind blöd!“). Manchmal kommt es aber auch schon zu kleinen Verliebtheiten und Schwärmereien.
Kinder haben meist schon detailliertere Fragen zu Sexualität und Körperentwicklung. Oft finden Kinder diesen Alters es lustig, Erwachsene mit „versauten“ Begriffen, die sie in Kindergarten und Schule aufschnappen, zu schockieren. Viele Kinder kuscheln noch immer gern.

Aufgaben der Eltern

Eltern sollten die Schamgrenzen ihrer Kinder akzeptieren, selbst aber ein Vorbild sein, indem sie möglichst unbefangen mit Nacktheit umgehen und locker über Fragen der Sexualität reden – ohne sich dabei dem Kind aufzudrängen. Lebe einfach eine positive Einstellung zum eigenen Körper vor – das prägt auch dein Kind.
Zusammenhänge von Sexualität und Körperlichkeit können nun noch genauer erklärt werden, zum Beispiel mithilfe von Büchern (siehe Materialien zur Sexualaufklärung). Dabei sollte auch erneut die Wichtigkeit der eigenen Grenzen vermittelt werden.

Versaute Wörter sollten nicht überbewertet werden – aber erkläre deinem Kind ruhig, was die Wörter bedeuten und, warum sie unangebracht sind. Gerade bei Beschimpfungen solltest du erklären, welche Emotionen das beim Gegenüber auslöst und, dass diese deshalb nicht okay sind.

Gefühle, die Kinder in Freundschaften oder ersten Schwärmereien empfinden, sollten niemals verharmlost, sondern immer ernst genommen werden.

Kinder handeln in diesem Alter oft sehr geschlechtsbezogen („Pink ist eine Mädchenfarbe, wie uncool!“) - das ist normal. Dennoch sollten Eltern eine gewisse Freiheit von Geschlechterklischees vorleben, indem sie betonen, dass manche Jungen eben auch gern Rosa mögen und manche Mädchen gerne kämpfen. Toleranz und die Wertschätzung von Vielfalt (sexuell, aber auch religiös, kulturell, etc.)  ist grundsätzlich ein wichtiger Wert, der in diesem Alter vermittelt werden sollte: „Menschen sind ganz unterschiedlich und das ist okay! Jeder ist wertvoll, so, wie er ist!“

Auch Schmuseeinheiten sollten Eltern weiter großzügig verteilen. Früher hatten Eltern Angst, gerade Jungs so zu „verweichlichen“. Doch das Gegenteil ist der Fall: Zärtlichkeit stärkt das Selbstbewusstsein!

Melanie Schüer

Autorin

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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