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Warum ist mein Kind so schüchtern?

Wenn dein Kind sich in neuen Situationen am liebsten hinter dir versteckt, mit fremden Menschen nicht reden mag oder alles Neue möglichst ganz vermeidet, dann hast du dich vielleicht auch schon einmal gefragt: „Ist das noch normal oder braucht mein Kind Unterstützung?“ Um bei dieser Frage etwas klarer zu sehen, möchten wir dir hier gern ein paar Infos und Tipps zum Thema „Schüchternheit“ geben.

Portrait Grundschulmädchen. Sehr zart und schüchtern

Schüchternheit kommt schon bei Babys vor

Kinder kommen nicht als unbeschriebenes Blatt auf die Welt, sondern mit bestimmten Veranlagungen und Charakterzügen. Schon im Krabbelkurs wird deutlich, dass einige Säuglinge kleine Abenteurer sind, die alles entdecken wollen, während andere sich erst einmal vorsichtig und zurückhaltend die Dinge aus der Entfernung anschauen. Wissenschaftler beschreiben drei grundlegende Temperamentstypen von Säuglingen so:

  • „easy“ (einfach): Das sind die pflegeleichten, unkomplizierten Charaktere
  • „difficult“ (schwierig): Säuglinge, die schnell irritiert und überreizt sind, viel schreien, viel Hilfe beim Einschlafen brauchen und sehr sensibel sind
  • „slow to warm up“ (brauchen Zeit, bis sie sich trauen): Diese Babys sind nicht unbedingt besonders „anstrengend“, aber sehr zurückhaltend und brauchen immer eine Weile, bis sie sich an eine neue Situation und neue Menschen gewöhnt haben
  • Natürlich gibt es auch Mischformen, z.B. zwischen „difficult“ und „slow to warm up“

Schüchterne Kinder zeigen oft schon als Babys das beschriebene Verhalten, brauchen also, bis sie „warm werden“. Manchmal entwickelt sich Schüchternheit aber auch erst im Kleinkindalter oder sogar erst im Schulalter, wenn sich der Tagesablauf und die alltäglichen Herausforderungen verändern.

Noch schüchtern oder schon sozial ängstlich?

Eine Steigerung von Schüchternheit ist die soziale Phobie oder soziale Angst, an der Menschen in jedem Alter leiden können. Anzeichen sind:

  • große Angst, von anderen ausgelacht oder negativ bewertet zu werden
  • Angst davor, rot zu werden, zu zittern oder sich anderweitig zu blamieren
  • Angst, vor anderen zu sprechen oder anderweitig im Mittelpunkt zu stehen
  • Angst, mit fremden oder wenig vertrauen Menschen zu reden oder jemanden anzusprechen, den man nicht kennt

Nicht immer ist die Grenze klar zu erkennen. Hilfreich sind aber folgende Fragen:

  • Ist mein Kind vor allem anfangs so zurückhaltend, taut dann nach einer Weile auf und verhält sich dann größtenteils offen und selbstbewusst? Dann handelt es sich eher um Schüchternheit.
  • Gibt es die Probleme vor allem in neuen Situationen oder auch in relativ vertrauten Umgebungen immer wieder, wenn es darum geht, Kontakt aufzunehmen oder im Mittelpunkt zu stehen? Wenn die Ängste anhalten, könnte es sich um eine „echte“ soziale Ängstlichkeit handeln.
  • Belasten die Ängste mein Kind; ist es dadurch in seinem Alltag eingeschränkt, weil es z.B. kaum Freunde hat, vor jedem Referat extrem leidet oder im Kindergarten den Stuhlkreis fürchtet, weil es dort nicht reden mag? Wenn das der Fall ist, sollte man ebenfalls an eine soziale Ängstlichkeit denken.

Was kann ich tun, wenn mein Kind schüchtern oder sozial ängstlich ist?

Entscheidend für dein Handeln als Elternteil ist die Frage, ob dein Kind leidet: Wenn du merkst, dass dein Kind trotz seiner Schüchternheit Anschluss findet, es zufrieden und ausgeglichen wirkt und den Alltag gut bewältigen kann, dann kannst du dich ziemlich entspannt zurücklehnen und die Zeit für dein Kind arbeiten lassen. Bleib locker und stärke dein Kind einfach immer wieder, indem du es konkret für das lobst, was du an ihm magst (nicht nur bzgl. des Themas Schüchternheit/Mut) und es ermutigst, sich neuen Herausforderungen zu stellen – anfangs mit Begleitung, dann nach und nach selbstständiger.

Wenn dein Kind jedoch unter seiner Schüchternheit leidet, wichtige Ziele nicht erreicht und gestresst und belastet wirkt, wäre professionelle Unterstützung wichtig, um eine soziale Ängstlichkeit abzuklären. Auch, wenn die Schüchternheit plötzlich aufgetreten ist, ist professionelle Hilfe wichtig, um herauszufinden, was Ursachen sein können. Dazu kannst du dich am besten an eine Kinder- und Jugendpsychotherapeutische Praxis oder eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Institutsambulanz wenden – Adressen im Internet oder beim Kinderarzt. Manchmal hat man lange Wartezeiten, dann kann eine Erziehungsberatung bei der Überbrückung helfen (www.dajeb.de)

Auch Bücher können dir weiterhelfen: Buchtipps:

  • Doris Schüler: Schüchterne Kinder stärken
  • Elisabeth Zöller: Ich will mutig sein!
  • Jüngling, Spathelf, Volmer: Nur Mut, du bist stark!


Wichtig ist, deinem Kind immer wieder zu signalisieren: „Dass du noch nicht so mutig bist, wie die anderen, ist nicht schlimm! Jeder hat Stärken und Schwächen – du kannst dafür anderes gut, zum Beispiel… Du bist wertvoll, so, wie du bist! Ängste wie du sie hast, haben viele Kinder! Und man kann daran arbeiten. Es gibt gute Tricks, die einem helfen, langsam mutiger zu werden. Gemeinsam schaffen wir das!“.

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Melanie Schüer

Autorin - Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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