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Entspannung für Eltern - Genuss wiederentdecken

Der Tag hat einfach zu wenige Stunden, um allen und allem ausreichend gerecht zu werden. Ihr kennt das. „Familienmanagerinnen“, also Mütter und die zunehmend häufiger vorkommende Spezies der Familienmanager (unsere aktiven Väter), die über Monate und Jahre hinweg versuchen, Familie, Kinder, Partnerschaft, Job, Haushalt und andere Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen, kann es schnell passieren, dass sie sich selbst vernachlässigen. Wer selbst eine Familie hat weiß das und daher bleiben gut gemeinte Ratschläge wie: „Nimm dir doch mal Zeit für dich! Gönn dir mal was Schönes!“ nicht aus. Mitunter bekommst du dazu noch ein nettes Unterstützungsangebot wie: „Ich geh mal mit den Kindern spazieren, dann kannst du in Ruhe ein Bad genießen.“ 

Pusteblume im Grünen

Warum Erholung auf Knopfdruck nicht funktioniert

Und dann? Dann sitzt du in der Badewanne und ... nichts. Kein Gefühl von Entspannung. Das erhoffte Wohlbefinden will sich einfach nicht einstellen. Stattdessen dreht sich das Kopf-Kino mit dem, was du alles noch schaffen solltest, was noch zu organisieren und was zu klären ist. Statt der erhofften Erholung spürst du Ungeduld oder gar Ärger. Ärger darüber, dass du den flüchtigen Moment nicht für dich zu nutzen vermagst. Gelegenheiten, bei denen du früher Spaß hattest, bringen dir keine Freude mehr, ein Treffen mit Freunden degradiert zu einem Termin.
Warum passiert so etwas? Im Grunde ist die Antwort ganz simpel: füttern wir unsere Seele und unseren Körper nicht mit Aufmerksamkeit, verkümmern sie. Treiben wir keinen Sport, sinkt unsere Ausdauerfähigkeit. Ernähren wir uns nicht angemessen, gefährden wir unsere Gesundheit. Und so ist es auch mit unserer Fähigkeit zu genießen. Versagst du dir über einen längeren Zeitraum Freude und Genuss, so kannst du Sinnesfreuden nicht mehr in dem Umfang wahrnehmen wie du es früher vermochtest. Du hast schlicht verlernt zu genießen. 

Genießen kann man lernen

Doch keine Sorge, was man scheinbar verlernt hat, kann wiederentdeckt werden. Du kannst dich entscheiden, genauso fürsorglich mit dir selbst umzugehen, wie du es auch mit anderen tust. Du hast es in der Hand, wieder mehr positive Gefühle im Alltag zu empfinden.
Unter Genuss versteht man all das, was der Seele guttut, also mit positiven Emotionen verknüpft ist, wie Freude, Spaß, Entspannung, Ausgeglichenheit und Wohlbefinden. Das Erleben von Sinnesfreuden ist zentral für die Erhaltung einer inneren Balance. Selbstfürsorge ist also ein wesentlicher Bestandteil seelischer Gesundheit.
Willst du deine Genussfähigkeit wiederbeleben, bedarf es zunächst deiner inneren Erlaubnis. Erlaube dir, dich selbst wichtig zu nehmen. Erlaube dir, gute Gefühle zuzulassen. Es geht um die innere Haltung: „Ich darf mir genussvolle Momente gönnen.“ Sei dir dabei bewusst, dass es mitunter einiger Übung bedarf, um zum Ziel zu gelangen und wieder mit allen Sinnen genießen zu können.

Trainiere deine fünf Sinne

Um positive Emotionen zu verspüren, benötigst du deinen Körper. Gefühle sind das Bindeglied zwischen Körper und Seele. Der Körper mit seinen fünf Sinnen (sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen) sind dein Anker im Hier und Jetzt. Mit der Konzentration auf deine sinnliche Wahrnehmung kannst du das Hamsterrad für einen Moment stoppen und ganz bei dir sein. Aus diesem Moment Kraft und Energie zu schöpfen, ist das Ziel des Trainings der Sinne.
Du kannst damit beginnen, dir passend zu deinem Lieblingssinn Gegenstände auszuwählen, die dich irgendwie ansprechen, dich neugierig machen. Wenn du zum Beispiel geruchssensibel bist dann wähle verschiedene Duftproben und stelle sie vor dich hin. Das kann ein Zweig frische Minze sein, Gummibärchen, frisch gemahlener Kaffee, Seife und so weiter. Es können ganz alltägliche Dinge sein, oder auch etwas, was in deiner Umgebung eher ungewöhnlich ist. Wie viele Objekte du nutzen möchtest hängt von deiner Übung, aber vor allem von der Zeit ab, die du dir dafür nimmst. Genuss braucht Zeit und deine volle Aufmerksamkeit. 

Genuss braucht Zeit - so funktioniert das Sinnestraining

So wie du dir für andere Dinge Zeit nimmst, wie zum Beispiel die Hausaufgaben mit den Kindern zu machen oder die Oma anzurufen, könntest du dir eine feste Zeit einplanen, um deine Sinneswahrnehmungen zu trainieren. Das können wenige Minuten vor dem Schlafengehen sein oder die Mittagspause im Büro oder der Moment bevor du das Tor zum Kindergarten öffnest.  Aber auch unvermittelte Gelegenheiten wie das Bewundern eines Tautropfens, der herrlich in der Sonne funkelt, kann eine Einladung zum Innehalten und Sinnestraining sein.
Wenn du also beschlossen hast, diesen Moment für ein Sinnestraining zu nutzen, nimm dir eines der bereitstehenden Dinge und richte deine ganze Aufmerksamkeit darauf. Riechst du zum Beispiel an einem Zweig Minze, richte deine Aufmerksamkeit ganz auf deine Nasenwahrnehmung. Was macht der Duft in deiner Nase? Variiere auch den Abstand zu deiner Nase: verändert sich der Geruch? Was geschieht mit dem Geruch, wenn du die Blätter zwischen den Fingern verreibst? Das Schließen der Augen, kann die Geruchswahrnehmung schärfen. Und nun beobachte deine Empfindungen: Welche Gefühle kommen? Werden vielleicht Erinnerungen oder Wünsche wach? Ähnlich kannst du auch mit deinen anderen Sinnen verfahren.

Die kleinen Momente zählen

Erwarte keine großen „Aaaaah wie schön ist das“-Empfindungen. Beim Sinnestraining geht es darum, die Welt um uns herum wieder so detailreich wahrzunehmen, wie sie ist und die Reaktion unseres Körpers dabei zu beobachten. Schaffst du das, hast du das Kopfkino gestoppt, bist bei dir im Hier und jetzt angekommen. Dein Körper lernt, sich wieder auf sich selbst zu besinnen. Das Erleben von Genuss kommt mit der Übung ganz automatisch hinzu.
Mit ein bisschen Training kannst du dir jeden Tag positive Erlebnisse schaffen, die dich energievoller weitermachen lassen. Denn es sind nicht unbedingt die großen, nur selten zu erreichenden Dinge, die Genuss verschaffen, wie eine Spa-Wellnessanwendung oder eine Spritztour mit einem geliehenen Superschlitten. Es sind vor allem die kleinen Momente im Alltag, die dir Kraft geben und das Leben schöner erscheinen lassen.

Unser Tipp zum Schluss

Vielleicht hast du auch Lust aus dem Sinnestraining ein Spiel für die ganze Familie zu machen. Zusammen mit anderen, dir lieben und wichtigen Menschen können solche „Wahrnehmungsspiele“ viel Freude bringen und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken. Kindern macht ein Barfußparqour zum Beispiel viel Spaß, bei dem mit nackten Füßen über verschiedene Untergründe gelaufen wird. Versucht doch mal den Unterschied zu erspüren, wenn ihr barfuß über Fließen und Teppiche lauft oder über eine taufeuchte Wiese und den Asphaltweg. Viel Spaß auf euer persönlichen Sinnes-Entdeckungsreise!

Autorin-Sabine Wolf

Dieser Artikel wurde von Sabine Wolf verfasst. 
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