Eltern leben
Artikel
Artikel

Erfahrungsbericht: Aufräumen mit Kleinkindern – Wunsch und Wirklichkeit

Es gibt so ein paar Dinge, auf die ich für mein Leben mit Kindern irgendwie nicht vorbereitet war. Eines davon ist definitiv das leidige Thema aufräumen. Also versteht mich nicht falsch, ich habe nie gedacht, dass meine Wohnung mit Kindern sauberer wäre. Aber ich dachte, dass ich ja MIT den Kindern aufräumen könnte, so abends vor dem Schlafengehen. 

Lachendes Kleinkind am Boden mit Spielzeug

Die Begeisterung für das Aufräumen vergeht schnell

Bei meiner Tochter fing das auch mal ganz gut an, ungefähr mit anderthalb war sie wahnsinnig daran interessiert, Dinge in verschiedene Kisten zu räumen. Das habe ich natürlich sofort unterstützt und kleine Rollcontainer angeschafft und sie einfach alles irgendwie einräumen lassen. Es ging ja nicht darum, dass alles einen festen Platz hatte, sondern einfach abends der Weg durchs Wohnzimmer frei war.
Die Begeisterung fürs abendliche Aufräumen hielt genau zwei Wochen an. Dann wollte mein Kind nicht mehr irgendwas irgendwo hinräumen, sondern ließ alles wieder auf dem Boden liegen. Schob es mit etwas Glück zusammen, aber hochgehoben wurden Spielsachen nur noch zum Spielen. Ich versuchte es mit gutem Zureden, mit locken, meine Tochter blieb stur. Also fügte ich mich, versuchte es zwar immer wieder mit „hey, lass uns das zusammen aufräumen“ aber ich drängte sie nicht. Denn ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Zwang einfach überhaupt nichts bringt.

Aufräumen mit Ansagen klappt

Meine Tochter wurde älter und das Aufräumen klappte etwas besser. Also insofern, als dass sie nun mit vier Jahren ihre Bücher auch mal in die Kiste räumt, wenn ich sie darum bitte. Oder ihre Kuscheltiere in eine Box, die Spielsteine in die dazugehörige Kiste. Aber, auch nur nach Aufforderung. Das Einzige, was ohne Hilfe klappt: Die schmutzige Wäsche, die wird abends in den Wäschekorb geräumt.
Ich las mal, dass die meisten Kinder keine Ordnung brauchen. Sie mögen es so chaotisch, wie es ist. Und zumindest für meine Kinder kann ich das definitiv bestätigen. Es geht ihnen nicht darum, irgendwelche Bauwerke stehen zu lassen, das kenne ich nur von Freund_innen. Da müssen Bahnstrecken quer durch die Küche über Tage stehen bleiben, oder hohe Türme dürfen nicht verschoben werden, weil das Kind, das nicht will. So ist es hier nicht. Es ist nur schlicht so, dass meine Kinder die Notwendigkeit von Aufräumen nicht erkennen. Sie spielen am liebsten im größten Chaos, genau dann können sie sich vertiefen und werden so richtig phantasievoll.

Aufräumen ohne Zwang

Deswegen bin ich dazu übergegangen, dieses ganze Aufräumen nicht mehr mit Zwang zu verbinden. Ich bitte meine Kinder die Bücher nach dem Lesen in die große Kiste zu räumen, die Bausteine wieder zurückzulegen. Das machen sie auch, manchmal ganz ohne Aufforderung. Im Kindergarten läuft es auch so. Da fordern die Erzieherinnen und Erzieher die Kinder, die zwischen ein und sechs Jahren alt sind ebenfalls zur Mithilfe auf. Je älter die Kinder, desto mehr Aufforderung allerdings, so mein Gefühl.
Versteht mich nicht falsch, ich will natürlich keine Aufräummaschinen, aber manchmal, so im schlimmsten Chaos, da würde ich mir schon wünschen, dass die Hausarbeit nicht nur an meinem Mann und mir hängen bleibt. Aber unsere Zeit wird sicher kommen. Denn irgendwann, soviel ist für uns klar, werden die Kinder Arbeiten im Haushalt übernehmen. Müll runterbringen, Waschbecken putzen. Staub wischen. Kleinigkeiten eben, die aber dann komplett in ihren Verantwortungsbereich fallen. Und bis es soweit ist, werde ich eben abends weiterhin das gröbste Chaos beseitigen. Quasi eine Schneise durchs Wohnzimmer ziehen, damit wir abends unfallfrei laufen können. Vielleicht wäre auch ein eigenes Kinderzimmer eine Idee. Momentan haben meine Vier- und mein Einjähriger daran aber noch wenig Interesse. Aber auch hier kann ich mir vorstellen, dass das eine Erleichterung ist. Denn wenn ich mal wirklich keine Lust mehr habe, dann ziehe ich einfach die Tür zu und lasse alle fünfe gerade sein.

Beharrt nicht auf saubere Böden

Das ist sowieso mein ultimativer Geheimtipp: Für die unter euch, die damit leben können für eine gewisse Zeit von der gewohnten Ordnung abzuweichen: Macht das. Beharrt nicht auf einem super sauberen Boden von dem man essen kann. Die Zeiten kommen wieder, wenn die Kinder älter sind.
Ich für meinen Teil versuche das Chaos zu umarmen und meine Frieden damit zu machen. Und es entspannt anzugehen. Das klappt nicht immer, manchmal bekomme ich einen Rappel und will alles super duper ordentlich haben. Das hält dann eine Woche und das ist auch ok. In meinem Leben hat sich diese Priorität verschoben. Wie es euch wohl damit geht? 

Experten Gruppe Haushalt u Leben zuhause

Wenn du weiterführende Fragen hast, stelle sie unseren ExpertInnen in der Gruppe >>Haushalt und Leben zuhause oder direkt in unserer >>Online-Beratung!

Autorin-Andrea Zschocher

Dieser Artikel wurde von Andrea Zschocher verfasst. 
Klicke >>hier, um mehr über unser Redaktions-Team zu erfahren.