Pro / Contra

Frühstücksdosen zu Kunstwerken machen?

In der Liebe und dabei, Essen Kindern schmackhaft zu machen, ist alles erlaubt, oder? Immer mehr Eltern bereiten das Essen für die Brotdosen liebevoll zu. Tolle Idee oder eher nicht? Da teilen sich die Meinungen...

Pro und Contra
Frühstücksdose mit Brot und Obst

Maren Schulmann: "Es macht Spaß und endlich essen meine Kinder gern"

Maren, 38, hat eine Tochter und einen Sohn im Grundschulalter. Schon im Kindergarten gestaltete sie den Inhalt der Frühstücksdosen aufwändig. Mit guten Grund, wie sie findet.

„Meine Tochter war schon immer sehr zierlich. Und ziemlich anspruchsvoll. In den ersten Kindergartenwochen schmierte ich ihr rasch ein Wurstbrot. Und das lag jeden Nachmittag unangerührt in der Dose. Aber sie brauchte diese Zwischenmahlzeit. Also habe ich mir etwas einfallen lassen. Ich suchte im Internet und fand unter dem Stichwort „Bento“ eine neue Leidenschaft. Für kreative Eltern gibt es da wirklich viele witzige Rezepte zu finden.  Tomaten werden mit ein paar Tupfern Frischkäse zu Marienkäfern, die Toastbrote zu Sternen, wenn ich sie mit Plätzchenformen aussteche. So kann ich ihr kleine Gemüsesticks mitgeben, ein wenig Fingerfood. Auch mein Sohn findet das toll und lecker. So ist das Essen ein kleines bisschen ein Liebesbeweis, vor allem aber eine Spielwiese für mich. Immer wieder können sich die Kinder überraschen lassen, was wohl heute in der Dose ist. Ein paar schöne Bento-Boxen habe ich auch im Internet erstanden. Ich erwarte überhaupt nicht, dass andere Mütter oder Väter das auch machen, so lange dauert es auch nicht, das ist nur ein wenig Übungssache. Allerdings erwarte ich auch, dass mich andere nicht gleich abstempeln und zur übertriebenen Lifestyle-Mom erklären. Klar mag ich es gern schön. Aber vor allem mag ich es gern, wenn meine Kinder gut und gesund essen. Und das tun sie nun – mit viel Spaß.“

Anne Winkler: "Wer Hunger hat, wird schon etwas essen"

Anne, 41,  hat drei Kinder im Alter von vier bis 11 Jahren. Kunstvoll befüllte Brotdosen oder dekorierte Teller findet sie völlig unnötig.

„Mein erster Gedanke, wenn ich Teller mit Kindergerichten sehe, bei denen das Gemüse wie Bäume dekoriert ist und alles ein Bild darstellt, ist Unwille. Ich hätte das als Kind nie gegessen. Ist doch zu schade zum Zerstören. Sicher kann ich verstehen, dass es Eltern auch Spaß machen kann, etwas zu gestalten, aber war das nicht so, dass man mit Essen nicht spielt? Ich frage mich immer, ob das wirklich gemacht wird, weil die Kinder so gerne raffinierte Kleinigkeiten in der Brotdose vorfinden möchten, oder weil die Eltern sich dann einfach ganz toll finden, wenn sie so lange geschnippelt und gefummelt haben. Und ja das Bild für Instagram nicht vergessen!  Naja, vielleicht bin ich ein wenig neidisch. Ich selbst hätte da nie Zeit und Lust zu. Ich bin auch überhaupt nicht so kreativ, einiges sieht ja schon sehr toll und lecker aus. Hätte ich ein Kind das wirklich sehr dünn wäre und ein mieser Esser, vielleicht wäre das dann anders. Aber meine drei haben da eigentlich keine Wahl. Es gibt belegte Brote. Punkt. Wer die nicht in der Schule oder in der Kita isst, bekommt dann das „Hasenbrot“ am Abendbrottisch serviert. Meist aber sind sie vom Toben, Spielen und Lernen so hungrig, dass sie gern in ihre Vollkornbrote beißen. Manchmal gibt es auch eine kleine Salami oder ein paar Möhren-Sticks – das war es. Aber immerhin habe ich hübsche Dosen organisiert.“

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