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Kommunikation in der Partnerschaft – Beziehungsmuster erkennen

Langjährige Paare kennen das: alles geht gut, die Kinder brauchen die gesamte Aufmerksamkeit – und dann ist da ein langsam wachsendes Gefühl, dass nicht mehr alles so ist, wie es immer war. Es beginnt die Zeit der Vorwürfe: „Du bist nicht mehr so, wie früher“ oder „So kenne ich dich gar nicht“ sind oft benutzt Sätze.

Beziehungs-Muster: Buntes Mosaik

Wenn sich die Partnerschaft verändert

Es kann unterschiedliche Ursachen für diese schleichende Veränderung in Eurer Partnerschaft geben. Meist jedoch ist es die Tatsache, dass sich einer von Euch gerne verändern möchte, aber nicht richtig die Kraft findet, darüber zu sprechen. Genau das wäre jetzt aber dran, vielleicht auch mit professioneller Hilfe. Denn Veränderungen sind wichtig – sie halten eine Beziehung am Leben. Es ist jedoch wichtig, dass Ihr Euren Partner/Eure Partnerin mitnehmt. Sprecht über Eure Wünsche und Gefühle.

Vielleicht hilft Euch dabei der folgende kleine Theorie-Input über Partnerschaften allgemein. Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick hat zwei Beziehungsmuster erkannt, die sich auf das ganze Leben von Paaren, insbesondere auch auf ihre Kommunikation miteinander auswirken. 

1. Die symmetrische Beziehung

Das erste Muster nennt Watzlawick „symmetrische Beziehung“.  In einer symmetrischen Beziehung spielt Gleichheit, also Gleichberechtigung eine zentrale Rolle: man teilt sich den Alltag, das Geld, Rechte und Pflichten. Wenn Ungleichheiten vorhanden sind, versuchen die Partner, diese so klein wie möglich zu halten. 

In einer symmetrischen Beziehung muss also naturgemäß viel miteinander kommuniziert werden. Symmetrische Beziehungen erfordern große Offenheit von den Partnern. Ist diese vorhanden, dann sind symmetrische Beziehungen sehr stabil.

Woher kommen Probleme in einer symmetrischen Eltern-Beziehung?

Ihr ahnt es längst: das Leben mit Kindern erschwert das Gleichheitsprinzip. Zu groß ist die Versuchung, nicht in alte Rollen- und Verantwortungsmuster zurückzufallen. Wer macht die Einkäufe? Wer holt die Kinder ab? Wer macht die Wäsche? Wer geht zu den Elternabenden und checkt die Hausaufgaben? Absolute Gleichheit beim Aufteilen der zahlreichen Aufgaben kann genau das falsche Prinzip sein. Nicht immer können beide Partner das Gleiche gleich gut. Das Resultat: Ihr fangt an, einander zu kontrollieren und kritisieren. Mütter sollen hierfür besonders anfällig sein – und Väter haben dadurch die perfekte Ausrede, sich zu drücken. Anders gesagt: ein wenig Ungleichheit tut einer gleichberechtigten Partnerschaft vielleicht sogar gut und macht sie weniger anstrengend. 

Was könnt Ihr tun?

Denkt darüber nach, was Ihr gerne macht und was Ihr besonders gut könnt – auch dann, wenn die Ergebnisse Euch vielleicht etwas traditionell vorkommen sollten. Sprecht darüber und passt Eure Absprachen den veränderten Bedürfnissen an. Lernt, einander zu vertrauen. Macht feste Wochenpläne – und nutzt die gewonnene Zeit für einander. Wie schön, wenn Ihr abends im Bett nicht mehr den nächsten Tag organisieren müsst, sondern ganz andere Dinge machen könnt!

2. Komplementäre Beziehungen

Das zweite Muster nennt Watzlawick „komplementäre Beziehung“. Sie basiert auf der Ungleichheit beider Partner. Man ergänzt einander und steht dazu, dass man sehr verschieden ist. Häufig geht dieses Beziehungsmuster mit einem Macht-Thema einher: ein Partner ordnet sich dem anderen unter. Es gibt klare Rollen und klare Aufteilungen. Das traditionelle Familienmodell – er verdient draußen das Geld – sie macht es ihm und den Kindern zuhause gemütlich – ist die Reinform einer komplementären Beziehung.

Woher kommen Probleme in einer komplementären Beziehung?

Auch hier liegt es auf der Hand. Nicht erst im Ruhestand, wie es Loriot in seinem Film „Papa ante Portes“ aufs köstlichste beschrieben hat, bricht eine Welt zusammen, wenn ein Partner nicht mehr mitspielt und aus dem gewohnten Muster ausbrechen möchte.  Bei Eltern gibt es entlang der Entwicklung der Kinder viele Übergänge, die eine stabile, komplementäre Beziehung durcheinander wirbeln können: wenn die Partnerin nach der Elternzeit in den Beruf zurückgeht, wenn das Kind in Kita und Grundschule neue Freunde und andere Familienmodelle kennenlernt, in der Pubertät, wenn Eurer Kind alles hinterfragt und auch dann, wenn es das Haus verlässt und ganz flügge wird. Liest man die Scheidungsstatistik, so kann man diese Entwicklung anhand der Höhepunkte der Kurve gut nachvollziehen. 

Was könnt Ihr tun?

Bleibt im Gespräch und werdet nicht bequem.: da bei Euch Aufgaben naturgemäß gut verteilt sind und nicht ständig diskutiert werden müssen, seid Ihr in der Gefahr, eher zu wenig als zu viel miteinander zu sprechen. Eure Lebensbereiche driften auseinander und Ihr spürt vielleicht erst, wenn es zu spät ist, dass Ihr das Interesse aneinander verloren habt. Etabliert ein Frühwarnsystem: ein gemeinsames Hobby, regelmäßige Pärchen-Wochenenden oder – wenn die Kinder größer sind – auch eine ganze Woche Urlaub ohne Kinder, ohne Smartphone und Kontakt zu Arbeit oder Haushalt. Entdeckt, was Ihr so sehr aneinander schätzt und sprecht darüber, falls Ihr Euch Veränderungen wünscht. Eurer Partner/Eure Partnerin wird das verstehen.

Ein Tipp zum Schluss:

Das Leben mit Kindern erfordert ein hohes Maß an Flexibilität. Starre Beziehungsmuster erschweren das Elternleben. Ein guter Mix aus symmetrischen und komplementären Anteilen sind stabiler als Grundprinzipien, die mit Eurem Eltern-Alltag nichts zu tun haben. Wie heißt es doch so schön: nur wer sich ändert, bleibt sich treu!

Wenn ihr noch mehr zum Thema Partnerschaft wissen möchtet, besucht die Gruppen >>Gelassenheit für Mütter und >>Einfach Papa - Für Väter von Heute, oder stellt eure Frage direkt in unserer >>Online-Beratung!

Autorin-Rose Volz-Schmidt

Dieser Artikel wurde von Rose Volz-Schmidt verfasst. 
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