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Einschlaf-Tipps für Kinder von zwei bis fünf Jahren

Viele gute Anregungen für erholsamere Nächte im Baby-Alter findest du in unserem Artikel >>Die ANGEL-Schlaf-Methode. Aber auch im Kleinkindalter gibt es immer mal wieder Phasen, in denen Kinder abends sehr schwer zur Ruhe kommen oder die Nacht zum Tag machen. Hier findest du ein paar Tipps zum Umgang damit:

Kleinkind mit Teddy im Arm schläft

1. Ruheinseln am Tag:

Überreizte Kinder schlafen auch abends schlecht ein. Sorge also dafür, dass dein Kind sich tagsüber auch mal ausruhen kann. Die meisten Kinder brauchen zumindest bis zum Alter von drei Jahren noch ein Mittagsschläfchen, manche auch länger. Wenn dein Kind keinen Mittagsschlaf mehr machen will, dann baue mittags zumindest eine halbe Stunde ein, in der es ruhig eine CD hört, mit dir kuschelt oder leise im Zimmer spielt. Auch eine Massage ist eine tolle Möglichkeit für eine kleine Entspannungseinheit. Wenn dein Kind tagsüber in der Kita ist, dann sorge dafür, dass die restliche Zeit zuhause so entspannt wie möglich verläuft.

2. Mediennutzung im Blick haben:

Kinder unter zwei Jahren sollten auf keinen Fall regelmäßig Medien nutzen (egal, ob Handy, Fernseher, Laptop o.ä.). Ab zwei bis drei Jahren kann man kleine Sendungen wie Calliuo, Conni, etc. erlauben – aber maximal 20-30 Minuten, weil Mediennutzung für das Gehirn sehr anstrengend ist. Achtet darauf, dass eure Kinder vor dem Schlafengehen keine Medien mehr nutzen, weil dadurch das Einschlafen und Durchschlafen sehr viel schwieriger wird.

3. Gesundes Abendessen:

Zucker sollte generell sparsam eingesetzt werden – besonders abends. Zum Abendbrot sollte es kein Nutella, Marmelade, Saft, Kakao o.ä. geben und auch das Müsli sollte keinen Zucker enthalten. Allerhöchstens kann man mal eine kleine Menge Knuspermüsli mit zuckerfreien Haferflocken mischen oder Naturjoghurt mit ein paar Löfeln Fruchtjoghurt mischen. Toll schmeckt Naturjoghurt aber auch mit Apfelmus ohne Zuckerzusatz. Wenn s Kakao geben soll, kann man den leicht selbst auf gesunde Art machen: Dazu z.B. Hafermilch (sie hat eine natürliche Süße) warm machen und währenddessen in einer Tasse ungezuckerten Back-Kakao mit etwas Milch und Wasser glattrühren und dann in die warme Hafermilch geben. Hafer ist übrigens grundsätzlich schlaffördernd, ähnlich wie Hirse.

4. Beruhigende Abendrituale:

Lass den Abend ruhig ausklingen und gebe deinem Schatz nochmal eine Extraportion Zuwendung und Nähe: Lesen, Kuscheln, evtl. eine Massage, Beten, Abendlieder singen ... Sprecht nochmal ein wenig über das, was am Tag passiert ist – abschließen sollte man diese Tages-Reflexion damit, was heute schön und gut gelaufen ist. Viele Kleinkinder mögen es auch, ihren Kuscheltieren „Gute Nacht“ zu sagen und dann selbst das Licht auszumachen.

5. Sorgen und Ängste nehmen:

Ein Kuscheltier wie ein Sorgenfresser kann helfen, gewisse Ängste loszulassen. Die Kinder malen die Sorge dann auf oder lassen sie von den Eltern aufschreiben und stecken den Zettel dann in das Maul des Sorgenfressers. Alternativ kann man auch eine Sorgen-Box basteln. Wenn dein Kind Ängste hat, ist es wichtig, diese ernst zu nehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Dabei reicht es nicht, nur zu erklären, dass es z.B. keine Monster oder Gespenster gibt. Hilfreicher ist es, Lösungen zu erfinden, die in der Phantasie des Kindes helfen, z.B.: „Eigentlich gibt es gar keine Monster. Aber wenn du dich trotzdem so fühlst, können wir ja mal überlegen, was helfen könnte. Vielleicht basteln wir ein Schild auf dem steht „Monster verboten! Monster landen sofort im Gefängnis!“ oder wir machen ein Monster-Abwehr-Spray (eine Sprühflasche mit Wasser und ggf. etwas Lavendelöl).“ Oder: „Wir denken uns aus, was dich in einem Alptraum – z.B. ein Zauberschwert oder ein unsichtbarer Held, der dich beschützt?

6. Die eigenen Bedürfnisse kindgerecht erklären:

Zweijährige können sich in der Regel noch nicht in die Position anderer Menschen versetzen. Doch ab drei bis vier Jahren gelingt das Kindern immer besser. Deshalb ist es gut, wenn Eltern ihrem Kind ehrlich und in einfachen Worten erklären, weshalb sie sich Veränderungen beim Schlaf wünschen, z.B.: „Ich brauche abends mal Zeit, in der ich meine Ruhe habe. So wie du, wenn du einfach mal in Ruhe spielen oder malen (oder Lego bauen oder ...) willst.“ oder „Ich kann nachts nicht schlafen, wenn du bei mir im Bett liegst, weil du dich so viel drehst. Dann wache ich immer wieder auf." Dann ist es gut, nach Kompromissen zu suchen – das kann beispielsweise bedeuten, dass das Kind nachts in seinem Bett bleibt, aber morgens zum Kuscheln in das Elternbett schlüpfen darf. Manchmal hilft es auch, wenn das Kind eine Nacht am Wochenende bei den Eltern übernachten darf. Diese "Ausnahmen" verstehen die meisten Kinder aber erst ab ca. 3,5-4 Jahren gut. Davor wirken sie oft eher verwirrend.

7. Dunkelheit fördert den Schlaf:

Je dunkler es ist, desto besser kann der Körper das Schlafhormon Melatonin ausschütten. Versuche also, es zum Schlafen möglichst dunkel zu machen. Wenn dein Kind ein Nachtlicht braucht, dann schau‘ am besten mal nach einem roten Nachtlicht, da dieses den Schlaf am wenigsten stört.

8. Eigenständigkeit beim Einschlafen üben:

Kindern fällt das Einschlafen oft schwer, weil Einschlafen eine Trennung von den Eltern bedeutet. Gleichzeitig ist es für eine gute Nacht wichtig, dass ein Kind lernt, in seinem Bettchen (und nicht etwa im Arm des Papas oder nur an der Brust der Mama) einzuschlafen. Man kann das schrittweise üben, indem man erst wie gewohnt vorgeht, bis das Kind kurz vor dem Einschlafen ist. Dann legt man es in sein Bettchen und versucht, es dort mit Streicheln weiterzuberuhigen. Man kann sich auch übergangsweise eine Matratze neben das Kinderbett legen und so neben dem Kind liegen, um ihm Sicherheit zu vermitteln. Sobald das klappt, legt man das Kind schon etwas früher ab und rückt nach und nach etwas mehr vom Kinderbett weg und versucht schließlich, nach einem letzten kurzen Streicheln, mit einem leisen „Gute Nacht!“ das Zimmer zu verlassen, sodass das Kind allein einschläft. Wenn es weint, kann man an der Tür nochmal Sicherheit vermitteln oder, wenn es sein muss, das Kind nochmal kurz streicheln und es dann erneut versuchen.

9. Erklärungen sind wichtig

Oft hilft es auch, wenn man Kinder ab ca. zwei bis drei Jahren erklärt: „Mama geht jetzt raus, aber wenn du lieb liegen bleibst, streichle ich dich in ein paar Minuten nochmal.“ Das macht man dann auch und wiederholt das anfangs ein paar Mal, wobei man aber die Wartezeiten etwas verlängert (anfangs ca. 2 Minuten, dann etwa vier Mal wiederholen und jedes Mal 1-2 Minuten steigern). Am dritten Abend sollte man dann möglichst nur noch zwei bis drei Mal wiederkommen und am fünften bis sechsen Abend möglichst nur noch ein Mal.

10. Belohnungen können helfen

Ab etwa zweieinhalb bis drei Jahren kann man das selbstständige Einschlafen auch mit Belohnungssystemen fördern. Dazu bespricht man mit dem Kind, welche Veränderung man sich beim Schlafen wünscht und, was dem Kind dabei helfen könnte (z.B. ein Kuscheltier, die Mama schaut später nochmal nach dir, etc.). Man erklärt dem Kind, dass es für jede Nacht, in der das neue Verhalten funktioniert hat, morgens einen Sticker aufkleben darf (oder einen Stempel oder ein Fensterbild ...). Bis zum Alter von vier Jahren reicht das oft schon als Belohnung, danach kann man das System auch erweitern, indem eine bestimmte Anzahl an Stickern gegen ein kleines Geschenk eingelöst werden darf: Zum Beispiel kann es nach sechs Stickern eine zusätzliche Folge der Lieblingssendung geben, nach neun Stickern eine Zeitschrift oder ein Pixi-Buch und nach zehn Stickern eine besondere Unternehmung wie Schwimmen, der Besuch eines größeren Spielplatzes, gemeinsames Backen oder Kneten oder etwas Anderes. Wichtig ist, dass der Belohnungsplan nur für ein bestimmtes Verhalten gilt (z.B. Schlafen) und nichts mit anderem „guten Benehmen“ zu tun hat. Denn Kinder sollten nie das Gefühl bekommen, sich die Zuwendung ihrer Eltern „verdienen“ zu müssen. 

11. Entspannungsmethoden üben:

Auch Kinder ab ca. drei Jahren können schon etwas mit einfachen Entspannungsmethoden anfangen. So kann man ihne erklären, wie sie ihre Faust ballen und die Anspannung fühlen und dann wieder loslassen und fühlen, wie locker sich die Hand jetzt anfühlt. Oder man kann üben, den Bauch wie einen Ballon beim Einatmen aufzublasen und dann die Luft wieder herauszulassen. Tolle Anregungen finden sich in Anke Prechts Buch „Einschlafzauber“.

Buch-Tipp:

Ein Buch mit vielen tollen Anregungen für den Schlaf von Kindern zwischen zwei und sechs Jahren ist Elizabeth Pantleys „Ab in’s Bett!“

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Melanie Schüer

Autorin-Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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