Artikel

Sauberwerden im Sommer

Endlich Sommer! Für Kleinkinder und ihre Eltern bedeutet das in vielerlei Hinsicht vor allem Eines: Freiheit. Keine Mütze, keinen Schal, keine Handschuhe suchen. Rein in T-Shirt oder Body und hinaus ins Freie. Auf den Spielplatz, an den See oder ins Schwimmbad. Für Kinder und Eltern eine herrliche Zeit. 
Kinder können in dieser Zeit ein ganz neues Körpergefühl genießen. Oft ist es so warm, dass ein Höschen oder nur die Windel als Alltagskleidung taugen. Im heimischen Garten oder auf dem Balkon können dann auch die letzten Hüllen fallen. Viele Eltern möchten diese Jahreszeit nun nutzen um das Kind von der Windel zu entwöhnen. Die Sommerzeit als perfekte Zeit zum Sauberwerden – aber stimmt das? Unsere Antwort, die wir dir gerne erläutern werden: Ja und Nein.

Artikel
Sauberwerden: Töpfchen und Windeln

Was spricht für eine sanfte Windelentwöhnung in der warmen Jahreszeit?

  • Wenn Du schon länger überlegt hast, eine windelfreie Zeit mit Deinem Baby oder Kleinkind auszuprobieren, ist das jetzt genau die richtige Zeit für dieses Experiment. Wenn mal was daneben geht, macht das nichts, weil  das Umziehen im Zweifelsfall schneller geht als im Winter, wenn alle warm eingepackt sind.
  • Das Sauberwerden geht meist nicht von jetzt auf gleich. Das Kind bemerkt nach und nach, wenn Blase oder der Darm entleert werden müssen. Dann die passende Gelegenheit dazu zu finden, nämlich ein Töpfchen oder die Toilette,  ist schon eine größere Leistung. Wenn sich nun der Pipireiz meldet und das Kind nur noch das Höschen runterziehen muss, ist das natürlich wesentlich einfacher, als erst noch eine Latzhose oder gar einen Schneeanzug auszuziehen.
  • Wird ein Töpfchen im Garten aufgestellt, wird der Weg zum Ort des Geschehens nochmal verkürzt. Außerdem finden Kinder so ein Töpfchen oft interessant und können es leicht bekleidet nach Herzenslust ausprobieren. Auch wenn mal nichts kommt.
  • Schön ist für die Kinder auch den Windelbereich, der über die kalten Monate  gut verpackt ist, besser wahrnehmen zu können. Für Kinder kann es eine interessante Erfahrung sein, die sie auch auf dem Weg zum Sauberwerden ein Stück weiter bringt, wenn direkt auf den Pipireiz der Urin auch schon seinen Weg sucht.  So kommen Kinder oftmals zum ersten Mal mit ihren Ausscheidungen in Berührung. Und – auch wenn wir Eltern dafür oft wenig Verständnis haben – das ist eine interessante Sache für Kinder. Fasziniert stellen sie fest, wozu ihr Körper in der Lage ist. 

Was spricht gegen eine sommerliche Windelentwöhnung?

  • Wenn dein Kind noch nicht bereit ist sauber zu werden und nicht erste Anzeichen zeigt, kann das beste Wetter nichts ausrichten. Die Kontrolle über Blase und Darm muss sich bei deinem Kind entwickeln und das kann schon mal 20 – 36 Monate dauern, bis das Kind erste Anzeichen der Reife zeigt.
  • Wenn dein Kind vielleicht schon die ersten Anzeichen zeigt, aber partout kein Interesse hat an Töpfchen oder Toilette, warte lieber noch ein wenig. Lass Dich auf keine Machtkämpfe ein – Kinder spüren, wenn den Eltern das Sauberwerden besonders wichtig ist und können sich unter Druck gesetzt fühlen. Das kann dann schon mal das Gegenteil bewirken.

Wie kann ich die Sommerzeit nutzen, um mein Kind beim Sauberwerden zu unterstützen?

Wenn du den Eindruck hast, dass dein Kind keine Widerstände zeigt und vielleicht sogar schon Interesse an Toilette oder Töpfchen hat, dann kannst du die Sommerzeit gut nutzen. Hier einige Tipps:

  • Zieh deinem Kind praktische Kleidung an. Eine Hose mit Gummizug oder ein Kleidchen mit Unterhose sind hervorragend dafür geeignet von den kleinen Kinderhänden schnell und unkompliziert selbst runtergezogen zu werden. Beim Hochziehen ist dann zwar oft noch der kleine Po im Weg, aber mit ein bisschen Unterstützung geht das auch ganz schnell.
  • Gib Deinem Kind so oft es geht die Möglichkeit auch mal nackig oder nur leicht bekleidet  zu sein. Das ist gut für seine Körperwahrnehmung.
  • Wenn es mal schnell gehen muss, sucht Euch ein Plätzchen, wo das Kind sein Geschäft verrichten kann. Da darf auch mal an den Wegesrand oder ins hintere Garteneck gepieselt werden. Ein schönes Erfolgsergebnis für kleine Hosenmätze, wenn es nicht in die Hose gegangen ist. 
  • Stelle deinem Kind ein Töpfchen in den Garten oder auf den Balkon. Du kannst ihm erklären, was es damit auf sich hat. Wahrscheinlich kommt über kurz oder lang Interesse vom Kind. Vielleicht möchte es das Töpfchen auch nur ins Spiel einbeziehen. Gib ihm da am besten nicht zu viel vor.
  • Pack Ersatzkleidung ein, wenn du mit deinem Kind unterwegs bist. Im Sommer kann man Kleidung schnell wechseln, wenn etwas danebengegangen ist.
  • Die bewusste Wahrnehmung der Blasen- und Darmentleerung ist eine wichtige Grundvoraussetzung für das Sauberwerden. Dass es soweit ist siehst du daran, dass dein Kind z.B. sein Gesicht verzieht, unruhig wird und zu zappeln beginnt oder sich in ein ruhiges Eckchen verzieht um sein „Geschäft“ zu erledigen.  Halte hier die Augen offen und beobachte dein Kind aufmerksam.
  • Setze dein Kind nicht unter Druck. Wichtig ist, dass es wirkliches Interesse am Sauberwerden hat und ihm die Sache auch Freude bereitet.
  • Wie immer in der Erziehung ist auch hier die Vorbildfunktion wichtig. Erwachsene neigen dazu ihr eigenes „Geschäft“ im Verborgenen zu verrichten. Kindlicher Besuch an der Kloschüssel ist für manche zu über griffig. Wenn es für Dich ok ist, nimm dein Kind ruhig mit auf die Toilette. Das regt auch das Interesse an den eigenen Ausscheidungsvorgängen an.

Wichtig ist, dass du die Signale deines Kindes wahr- und ernstnimmst. Dass Eltern entspannt an die Sache herangehen ist meist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Sauberkeitserziehung. Es dauert, solange es dauert – Kinder sind unterschiedlich und ihre Entwicklung ist es auch. Und wenn der Sommer bald vorbei sein sollte: Manche Kinder werden unter widrigsten Umständen mitten im Winter sauber, weil gerade dann für sie die richtige Zeit dafür ist.

Autorin

Dieser Artikel wurde von Sandra Lößl verfasst. 
Klicke >>hier, um mehr über unser Redaktions-Team zu erfahren.