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Stottern bei Kindern

„Ich-ich-wollte-aber-aber...“ kennst du solche oder ähnliche Sätze von deinem Kind und fragst dich vielleicht, ob es sich dabei schon um Stottern handelt? Zunächst einmal eine beruhigende Info: Bei vielen Kindern gibt es zwischen zwei und fünf Jahren eine Phase, in der die Wörter nicht ganz flüssig aus dem Mund kommen wollen und in der sie eine Neigung zum Stottern zeigen. Das bedeutet aber nicht gleich, dass es sich um eine behandlungsbedürftige Sprechstörung handelt.

Junge, Kitakind, mit Hut sieht in die Kamera. Portrait.

Stottern kann man behandeln

Man sollte also nicht in Panik verfallen, wenn das Kind ein paar Wochen lang stockend spricht oder Wörter wiederholt. Wenn das Problem aber nach einer Weile nicht verschwindet, sollte man es durchaus ernst nehmen. Denn Stottern kann ein Kind sehr verunsichern und in seiner Entwicklung beeinträchtigen.

Das liegt daran, dass es vermutlich früher oder später negative Reaktionen erleben wird und an Selbstbewusstsein verliert, weil es Angst hat, sich durch die Sprechstörung zu blamieren. Und: Je früher das Stottern behandelt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten. In den ersten 6-12 Monaten nach Beginn der Auffälligkeiten ist die Chance, dass diese vollständig abgebaut werden können, am größten.

Je früher das Stottern auftritt, desto besser sind die Heilungschancen: Im Vorschulalter liegen diese bei ca. 75-80%, im Grundschulalter bei ca. 23% und ab der Pubertät ist eine vollständige Heilung nur noch selten. Weltweit stottern etwa 1% aller Menschen, wobei Männer deutlich häufiger betroffen sind als Frauen. Bei etwa 25% der Kinder, die im Laufe der Sprachentwicklung mit dem Stottern beginnen, verfestigt sich das Problem. Wenn die Auffälligkeiten länger anhalten und/oder das Kind sehr belasten, ist eine Abklärung beim Kinderarzt sinnvoll. Keine Sorge, denn das Stottern kann sehr gut behandelt werden.

Woran erkenne ich das Stottern und was sind normale Unflüssigkeiten?

Zur groben Orientierung können dir folgende Anhaltspunkte helfen:

  • Normale Unflüssigkeiten (kein Stottern): Meist nur einmalige Wiederholung ganzer Wörter oder Satzteile, z.B. „Weil, weil wir doch backen wollen!“ oder „Ich will, ich will da aber hin!“. Pausen mitten im Satz, z.B. durch Sprechpausen oder „äh“, „mhm“ Einschübe: „Ich habe – ach, das wusstest du doch schon – ich habe aufgeräumt.“

  • Stottern: Wiederholung einzelner Laute: „Der Be-be-besen ist da hinten!“. Häufigere Wiederholung einsilbiger Wörter: „Sie-sie-sie-sie will aber nicht!“
    Dehnungen: „Nnnnnnase“
    Sprechblockaden (kurzzeitig wird gar kein Laut produziert)
    Oft wird das Stottern von auffälligem Sprechtempo (sehr langsam/schnell) oder Flüstern begleitet. Manchmal vermeiden die Kinder das Sprechen aufgrund der Verunsicherung auch immer mehr – spätestens dann sollte dringend gehandelt werden!

Behandlung von Sprechstörungen

SprachtherapeutInnen und LogopädInnen sind Fachleute für die Behandlung von Sprechstörungen. Sie fördern Kinder darin, sich selbstbewusst und flexibel sprachlich auszudrücken und üben mit ihnen Techniken, um wieder lockerer und flüssiger zu sprechen. Dabei spielt Entspannung eine große Rolle. Diesen Aspekt sollten auch Eltern beherzigen: Wenn man ein stotterndes Kind kritisiert und Druck aufbaut, macht man damit alles noch viel schlimmer, denn Stress verstärkt das Stottern.

Stattdessen ist es wichtig, das Selbstwertgefühl des Kindes zu fördern: Ermutige dein Kind, indem du seine Stärken anerkennst, es oft für kleine Freundlichkeiten, positive Charaktereigenschaften oder Erfolge lobst und es immer wieder wissen lässt, dass du es liebst, genauso, wie es ist.

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Melanie Schüer

Autorin - Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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