Pro / Contra

Müssen Kinder täglich an die frische Luft?

Es gibt kein falsches Wetter -  nur falsche Kleidung… Aber gilt das auch für Kinder? Müssen die wirklich unbedingt täglich nach draußen?

Pro und Contra
Kind an der frischen Luft - bei Regen unterm Regenschirm

Anne Herzog: „Draußen sein ist wie eine Wunderkur“

Anne, 34, ist Mutter von fünfjährigen Zwillingen. Ihre Söhne sind täglich im Waldkindergarten und auch sonst so viel wie möglich im Freien. Und genau das tut ihnen unendlich gut, findet Anne.

„Aber ganz bestimmt brauchen Kinder frische Luft. Ehrlich gesagt habe ich schon jetzt ein wenig Sorge, wie es wird, wenn meine Jungs in die Schule kommen. Ob ihnen das bisschen Bewegung in den Pausen reichen wird? Ich habe eigentlich schon früh gemerkt, wie gut es meinen Kindern tut, wenn sie im Freien sind. Wenn ich sie als Säuglinge lange im Kinderwagen schob, beruhigten sie sich viel schneller als zuhause. Später haben wir uns bewusst für einen Waldkindergarten entschieden, denn so sind die Beiden viel in der Natur und können herumrennen. Auch bei Kälte und Regen sind sie täglich draußen, dann werden sie eben warm und regensicher angezogen. Das stärkt nicht nur das Immunsystem, sie bekommen auch viel Sauerstoff und ich bin überzeugt, dass sie auch deswegen gut schlafen und einen gesunden Appetit haben. Auch nach dem Kindergarten und am Wochenende bin ich mit den Kindern viel unterwegs und gerne draußen. Oft spielen sie auch allein bei uns im Garten und kommen dann mit roten Backen und ausgepowert nach Hause. 'Geht mal in den Garten' ist auch ein Zauberspruch bei Geschwisterstreit – da gibt es so viel zu spielen und darum auch weniger Zoff.“

Janine Heinken: „Für uns ist das Outsourcen die ideale Lösung“

Bianca Stern, 31, hat eine Schwiegermutter, von der sie ständig ermahnt wird. Sie solle mit ihren Töchtern (1 und 4) mehr nach Draußen gehen. Aber Bianca findet das völlig übertrieben...

„Ja, jedes Kind muss täglich ausgelüftet werden. Davon ist auch meine Schwiegermutter überzeugt. Aber ich halte davon wenig. Denn nicht jedes Kind mag gern bei Wind und Wetter draußen sein. Ich ja selbst auch nicht! Als meine Große ein Jahr alt war, da habe ich mir den Rat zu Herzen genommen und bin tatsächlich auch bei fiesem Regen draußen gewesen. Aber sie bekam eine hartnäckige Erkältung und sogar ihr Kinderarzt schimpfte mit mir. Denn nass-kalte Luft ist nicht so toll, wenn das Kind im Buggy sitzt. Heute bin ich entspannter und ignoriere die Sprüche der Schwiegermutter. Mit zwei kleinen Kindern ist es gar nicht möglich, lange bei Regen draußen zu sein. Ich habe ja keine Hand frei für einen Schirm. Bei schönem Wetter bin ich auch gern mit meinen Kindern auf dem Spielplatz – aber es ist doch kein Zwang. Wenn ich viel zu tun habe, dann bleibe ich auch bei Sonne mal zuhause. Ich sehe das so, dass ich selbst auch keine Lust habe bei strömenden Regen, bei Hitze oder bei einem Schneesturm draußen zu sein – dass das gesund sein soll, das glaube ich auch nicht. Faul? Finde ich nicht. Ich finde das ist ein gesunder Egoismus, denn ein wenig sollten Mütter auch an sich selbst denken. Und darum bleiben wir drei eben auch ganz gern mal drinnen. Die Mädchen finden auch so immer etwas zum Spielen und Basteln und langweilig kann es auch in der Sandkiste sein.“