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Die Kunst des Lobens

Kinder können das meist sehr gut –  so richtig stolz auf sich sein. Und das ist eine wertvolle Gabe. Sich selbst loben zu können zeigt, dass sich ein Mensch mit liebevollen Augen wahrnimmt und das Gute und Besondere an sich selbst sieht. Viele Eltern sind jedoch mit dem ebenso einprägsamen wie bildhaften Satz „Eigenlob stinkt“ erzogen worden. Nicht selten hat diese Erziehung dazu geführt, dass Eltern wenig Selbstbewusstsein haben. Sollten Eltern heute diese Haltung an die eigenen Kinder weitergeben? Wir meinen: Nein, denn sich selbst Loben ist wichtig – zuerst für dich und dadurch auch für dein Kind.

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Kleinkind zieht sich Strohhut ins Gesicht

Es klingt niedlich, wenn ein Dreijähriger sagt: „Gut gemacht. Alles selber aufgegessen“. Bei einem Erwachsenen wäre das ja schon peinlich. Irgendwie. Aber bitte nimm dir einen Moment Zeit und frage dich: wann hast du dich zum letzten Mal selbst gelobt? Und wann hast du das letzte Mal über dich selbst geschimpft? Hast dir etwas übelgenommen, das du nicht richtig geschafft hast?

Eigenlob ist wichtig

Unser innerer Kritiker ist leider reichlich streng. Und tatsächlich eine ziemlich laute Stimme. Wenn du beispielsweise als Mutter selbst vor dich hin schimpfst: „Ach, das Essen ist gar nicht wirklich lecker, ich kann einfach nicht kochen und mache mal wieder alles falsch“ dann machst du nicht nur deine eigene Leistung schlecht. Du zeigst auch deinem Kind, wie wenig freundlich du dich selbst siehst. Vielleicht wird auch dein Kind dann nicht sehen, dass du den ganzen Tag mit ihm gespielt hast, tolle Legoburgen bauen kannst und die beste Geschichtenvorleserin der Welt bist. Es wird das Essen tatsächlich nicht lecker finden und sieht auch, dass du anscheinend ganz viel falsch machst. Deine eigene negative Sicht auf dich selbst überträgt sich auf dein Kind. Aber noch mehr. Denn wenn du extrem streng mit dir bist und dich nicht lobst – wie soll dein Kind denn lernen, dass Selbstlob durchaus positiv ist?
Klar, ständiges Loben wäre nervig. Weder solltest du dein Kind penetrant für alles und jedes loben. Noch dich selbst. Aber auf gute Leistungen darfst und sollst du stolz sein. 

Unser Lob an Mütter und Väter

Übernimm doch einfach einmal unsere Sicht auf dich als Mutter oder Vater und lass dich loben – besonders, wenn vielleicht gerade heute wieder so ein Tag war. So ein grauer Regentag, an dem du das Gefühl hattest, dass nichts wirklich gut lief und du eigentlich nichts geschafft hast.

Doch. Du als Mutter oder als Vater stehst immer am Morgen auf. Auch wenn die Nacht wieder zum Tag wurde und du wegen des weinenden Kindes viel zu wenig geschlafen hast. Du machst das Frühstück, du tröstest, kuschelst, streichelst, wickelst, kochst. Du liest vor und erklärst Dinge, nicht nur einmal, immer wieder. Du sitzt im Kinderzimmer und spielst mit. Du lachst, auch wenn du Sorgen hast. Du wärmst kleine kalte Füße und suchst Handschuhe, damit Händchen warm werden.
Du bleibst geduldig an der Baustelle stehen und hörst zum gefühlt 1001 mal die Conny-CD. Du schleppst Einkäufe ins Haus und denkst an den richtigen Joghurt, an den ohne Stückchen. Du weißt, dass der liebste Kuschelhund Joschi heißt und der beste Freund eine Brille trägt. Du gehst arbeiten, auch wenn es im Bett so warm und gemütlich ist.

Na klar machst du Fehler. Aber du hörst auf dein Bauchgefühl. Du hältst dich wacker im Kampf gegen fiese Viren und Trotzanfälle. Du machst nicht alles perfekt, du vergisst vielleicht den Schinken zu kaufen, der eigentlich das Rezept ergänzt und denkst nicht an den Zahnarzttermin. Aber du machst das als Mama oder Papa für dein Kind richtig. Du kannst Rat annehmen und suchst dir Unterstützung, wenn du sie brauchst. Das ist prima.

Denk daran:

Es gibt überhaupt in so vielen Dingen gar kein richtig oder falsch. Und wenn es Leute gibt, die Eigenlob peinlich finden ist das deren Problem. Lobe dich selbst für Dinge, die du machst. Denn das ist deine Leistung. Und auf die darfst und sollst du stolz sein. Was es als Belohnung gibt? Naja – vielleicht noch einen schönen Artikel zum Lesen? Oder eine Tasse Tee? Du bist auf jeden Fall gut genug – und wenn du darauf achtest, dass es dir gut geht, geht es auch deinem Kind gut.

Autorin

Dieser Artikel wurde von Silke Plagge verfasst.