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Der erste Haarschnitt

Einige Babys haben schon von Geburt an viele Haare, bei anderen kommt die Lockenpracht erst nach und nach. Eines Tages hängen die Strähnen immer mehr über den Augen oder stehen wild ab – Zeit für den ersten Haarschnitt. Aber wie geht das am besten? Hier einige Überlegungen und Anregungen zu einem haarigen Thema.

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Kleinkind bekommt ersten Haarschnitt

"Nein, der Hut bleibt auf!"

Neidisch blickt Maria zu Johannas Tochter. Wenn ihr Sohn nur auch ein paar mehr Haare hätte. Aber auf seinem Kopf kringeln sich nur zwei zarte blonde Löckchen. „So viele Haare sind toll, nicht nur so süß, sondern auch ein prima Sonnenschutz,“ sagt sie. Johanna blickt sie ungläubig an. Und lacht. „Wenn du wüsstest! Mich nerven diese Haare. Sie hängen ihr ständig ins Gesicht. Und Haarspangen zupft sie sofort raus, bei Haarbändern schreit sie bitterlich. Das tägliche Kämmen ist der reinste Stress!“
Neulich hatte sie ihrer Tochter tatsächlich ganz behutsam das Haar gestutzt. Und schon war die Schwiegermutter erbost: „Man darf doch vor dem zweiten Geburtstag die Haare nicht schneiden, die werden sonst nie voll und üppig.“
Maria grinst. „Bei meinem Großen sagte meine Tante genau das Gegenteil.“ Denn wie beim kleinen Bruder hatte der mittlerweile Vierjährige auch kaum Haare. „Ich sollte ihm die Haare ganz abschneiden, nur dann wachsen die dichter nach.“ 

Wann braucht ein Kind einen Haarschnitt?

Um es gleich zu sagen: Dass Haare dichter werden, wenn sie früh geschnitten werden, ist ein Ammenmärchen. Der Haarwuchs ist ebenso wie die Haarfarbe genetisch bedingt.
Den richtigen Zeitpunkt musst Du selbst herausfinden. Hat ein Kind besonders volle Haare, wird meist früher ein Schnitt nötig, weil der Schopf irgendwann zu üppig wird. Das kann dementsprechend bereits im Babyalter sein oder auch erst im zweiten Lebensjahr. Auf alle Fälle sollten die Haare dein Kind nicht behindern. Manchmal ist kurzes Haar auch praktischer. Oder die heißen Sommertage kommen und reizen zu einer kurzen „Sommerfrisur“. 

Mama oder Haarschneide-Profi?

Es kann schwierig sein, gleichzeitig geschickt mit der Schere zu hantieren und dabei ein unruhiges Kind zu beruhigen. Hier ist Vorsicht angesagt, damit das Kind sich nicht verletzt – und ein schiefer Haarschnitt ist unter diesen Umständen schnell passiert. Eine Alternative ist eine Haarschneidemaschine, aber die sorgt für einen wenig aufregenden Haarstyle und kann mit ihren Geräuschen Kinder auch verschrecken. Bei sehr kleinen Kindern ist sie daher nicht empfehlenswert. Einige Eltern schwören auf Frisöre, die ins Haus kommen, andere nehmen das Kind einfach mit, wenn für sie selbst ein neuer Haarschnitt angesagt ist. Kinderfreundliche Friseure sind flexibel und schneiden z.B. auch dann, wenn das Kind bei Mama oder Papa auf dem Schoß sitzen möchte, weil es Angst vor der Schere hat. Später gibt es spezielle Kindersitze oder – auflagen. Und manche Friseure bieten sogar Kinderhaarschneidetage an. 

Was tun, wenn das Kind Angst hat oder sehr unruhig ist?

Es gibt Kinder, die sich vor dem Haare schneiden fürchten. Genauso, wie es Kinder gibt, die sich nur ungern die Nägel stutzen lassen. Zur Vorbereitung können Bilderbücher helfen. Hilfreich ist es auch, wenn die Kinder ihre Eltern vorher schon einmal zum Haare schneiden begleitet haben. Angst sollte in jedem Fall ernst genommen werden. Manchmal hilft Kleinkindern die Erklärung, dass Haare nachwachsen können. Ist das Kind wirklich sehr ängstlich oder verweigert sich, solltest du den Frisörbesuch verschieben. Oft helfen Anreize wie besondere Stühle  oder ein gemeinsamer Spielplatz besuch „danach“. Vielleicht „wählt“ dein Kind auch aus dem Friseurteam eine bestimmte Person aus, der es vertraut. Dann empfiehlt es sich, feste Termine zu vereinbaren, damit diese dann auch verfügbar ist.
Wenn ein Kind sehr zappelig ist, kann es beim Frisör statt auf dem Stuhl vielleicht auch auf Mamas Schoß Platz nehmen? Auch Geschichten vorlesen oder einfach Hand halten hilft. Erkundige dich am besten, ob die Frisörin Erfahrung mit Kindern hat, denn dann hat sie oft selbst gute Tricks auf Lager.

Was tun, wenn der Haarschnitt verpatzt ist?

Da gilt leider genau das Gleiche wie bei Erwachsenen. Abwarten. Glücklicherweise wächst das Haar wieder. Haarspangen oder Haarbänder können den verunglückten Schnitt etwas kaschieren. Gel kann für einen Strubbel-Look sorgen, sodass das Missgeschick wie gewollt aussehen kann. 

Welcher Style soll es sein?

Kleine Warnung – nach einem ersten „echten“ Haarschnitt sieht dein Kind vielleicht ganz anders aus. Plötzlich trägt die kleine Dame einen Pony und schon sieht die Zweijährige schon richtig „groß“ aus. Fallen die zarten Babylöckchen im Nacken für einen echten „Jungs-Haarschnitt“ muss Mama oft erst einmal schlucken. Hier hilft es, diese Locke in einem besonderen Kästchen als Erinnerung aufzubewahren.
Doch wie genau soll die Pracht aussehen? Ältere Kinder haben oft schon klare Vorstellungen, ob die Haare über den Ohren kurz oder lang sein sollen – sie sollten mit bestimmten dürfen. Die Kleinsten hingegen tragen die Frisur, die sich ihre Eltern wünschen. Frisöre haben oft gute Tipps – denn ein Kinderhaarschnitt sollte praktisch sein und auch zum Kind passen. 

Unser Tipp:

Lasst Kinder einfach Kinder sein und wählt Frisuren aus, die beim Spielen praktisch sind und die keine stundenlangen Styling-Sitzungen benötigen. Es soll morgens meist schnell gehen – dabei hilft auch eine unkomplizierte Frisur. Bei Kleinkindern sind Föhn, Spangen, Bänder oder Gel wenig beliebt. Das alles kommt noch früh genug! 

Wenn du weiterführende Fragen hast, stelle sie unserer Expertin Melanie Schüer in ihrer Gruppe >>Alltag mit Kleinkind - Kita, Trotz & Spiel oder direkt in unserer >>Online-Beratung!

Autorin

Dieser Artikel wurde von Silke Plagge verfasst.