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Streit mit der Schwiegermutter? Vier Fragen an Dr. Judith Gastner

Wir haben die erfahrene Paartherapeutin Dr. Judith Gastner von >>PaarBalance gefragt, warum es so oft zu Schwierigkeiten zwischen Schwiegermüttern und Schwiegertöchtern kommt, wie sich das für den Partner anfühlt und was man tun kann, um die Beziehung zu verbessern. Hierzu gibt es außerdem ein ausführlicheres Premium Interview. >>Stress und Konflikte mit der Schwiegermutter

Schwangere Frau geht mit Eltern im Wald spazieren

Wieso ist das Verhältnis zwischen Schwiegermutter und Schwiegertocher häufig angespannt?

Niemand kennt das eigene Kind so gut wie die Eltern – in der Regel vor allem die Mütter, die in den ersten Wochen und Monaten die meiste Zeit mit ihrem Frischling verbringen. Aus den Kleinkindern werden Kindergartenkinder. Schulkinder. Erwachsene. Und die meisten Eltern – v.a. Mütter – machen sich nach wie vor viele Gedanken darüber, was ihrem Schatz gut tun würde und was er brauchen könnte zum glücklich sein.

Oft auch dann noch, wenn das Kind gerade seinen 34. Geburtstag gefeiert hat, vor 15 Jahren ausgezogen ist, seit mehr als einem Jahrzehnt berufstätig ist und selbst ein Kind hat. Und ganz zufällig… unser Partner ist. 
Schwiegermütter sind also in erster Linie auch nur Mütter, die „nur das Beste“ für ihr Kind wollen. Aber Mütter sind in den allermeisten Fällen nicht mehr die Hauptbezugspersonen, die ihren Sohn als einzige so richtig gut kennen. Der erwachsen gewordene Sohn hat womöglich ein paar Verhaltensmuster und Vorstellungen vom Leben, von denen die Mutter nicht mehr viel weiß. Und sich zudem vielleicht noch eine Partnerin ausgesucht, die total anders ist als Mama. Und diese Partnerin hat selbst ein Gespür dafür, was sich im Leben gut anfühlt und was nicht. Und kennt auch ihren Mann vermutlich recht genau.
Das ist oft der Hintergrund dafür, dass ein Gefühl von Konkurrenz und Anspannung in der Luft liegt.

Hier geht's zum ausfühlicheren Premium Interview >>Stress und Konflikte mit der Schwiegermutter

Weshalb verschärft sich diese Spannung meistens noch, wenn Enkelkinder da sind?

Wenn die Enkelkinder erst einmal da sind, möchten Schwiegermütter ihre Lebens- und Erziehungserfahrung noch einmal mit einbringen. Nach wie vor wollen sie „nur das Beste“ für ihren Sohn - und ganz bestimmt auch für dessen Kinder, also die Enkel. Aber diese Enkel sind nun mal (auch - bzw. in erster Linie) die Kinder der Schwiegertochter. Und „das Beste“ der Schwiegermutter ist eben nicht automatisch „das Beste“ für die Schwiegertochter und deren Kinder...

Mütter (und natürlich auch Väter) von kleinen Kindern sind
besonders sensibel dafür, wie andere Menschen mit ihrem Sprössling umgehen. Die Vorstellungen von einem angemessenen Umgang mit Kindern, die unsere Schwiegermutter vor 30 Jahren hatte und vielleicht noch heute vertritt, können deutlich von unseren eigenen abweichen. Da können Welten aufeinanderprallen. Wenn junge Mütter von ihren Schwiegermüttern ungefragt Ratschläge bekommen oder sich Kommentare über ihren Umgang mit den Kindern oder ihre Rituale als Familie anhören müssen (egal wie „gut gemeint“ sie auch sein mögen), ist es nicht immer einfach, „geschmeidig“ zu bleiben. Da stehen einfach zwei Generationen von Löwenmüttern einander gegenüber.

Warum hat der Partner oft das Gefühl, "zwischen den Stühlen" zu sitzen?

Für die Männer ist die Situation kompliziert: Komplett raushalten geht meistens nicht. Dem erwachsenen leiblichen Kind kommt – gewollt oder ungewollt – eine vermittelnde Funktion zu. Er sollte einerseits die Loyalität zu seiner Partnerin halten und andererseits dabei helfen, dass die (Schwieger-)Mutter möglichst „erhobenen Hauptes“ aus einer angespannten Situation herausgehen kann und sich ihrerseits nicht allzu sehr vor den Kopf gestoßen fühlt.

Generell sollte der erwachsene Sohn seine Partnerin möglichst in Richtung Toleranz und Wertschätzung stützen: „Come on. Lassen wir meine Mutter sein, wie sie ist. Wir werden sie vermutlich nicht mehr ändern können… Das Wichtigste ist doch: Wir beide wissen, dass wir‘s insgesamt gut machen und warum wir was entschieden haben …“

Kann es gelingen, zu seiner Schwiegermutter ein solides Verhältnis herzustellen?

Wir sollten versuchen, alle Einstellungen und Verhaltensweisen zu aktivieren, die uns z.B. auch im Job nützlich sind, also in Konstellationen, in denen wir uns ja auch oft nicht die Menschen aussuchen können, mit denen wir viel zu tun haben möchten.

Das heißt: Sich freundlich abgrenzen. Den anderen möglichst so sein lassen, wie er ist. Sich um Toleranz und Wertschätzung bemühen. Immer wieder tief durchatmen und lieber „eine kleine Runde drehen“, bevor eine Situation eskaliert.

Hilfreich ist natürlich auch, wenn man sich als Paar einig darüber ist, wie die jeweilige Mutter bzw. Schwiegermutter „zu nehmen“ ist – wenn sich also beide immer wieder - möglichst mit einer ordentlichen Portion Humor - darüber verständigen, wie Kommentare und Ratschläge der Schwiegermutter einzuordnen sind.

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Dr. Judith Gastner PaarBalance, Paartherapeutin

Dr. Judith Gastner

Dr. Judith Gastner arbeitet als Psychotherapeutin und Coach in ihrer Münchner Praxis. Zu einem ihrer Behandlungsschwerpunkte zählt die Beratung von Einzelpersonen und Paaren in den Bereichen
Partnerschaftsgestaltung und Krisenbewältigung.
Die approbierte Verhaltenstherapeutin hat >>PaarBalance mitentwickelt, das erste interaktive Online-Beziehungscoaching, das auf den einzelnen Partner zugeschnitten ist und vor allem jungen Paaren mit Kindern und geringem Zeitbudget dabei hilft, ihre Beziehung rasch und spürbar zu verbessern.
Sie ist Mutter zweier quirliger Jungs (7J. & 3J.) und lebt mit ihrer Familie in Oberbayern.