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Schönheitsideale - Mit Kindern und Jugendlichen darüber reden

„Mama, sehe ich hübsch aus?“ - diese Frage beantwortest du hoffentlich ohne Zögern mit einem strahlenden „Ja, und wie!“ Denn Eltern haben einen riesigen Einfluss darauf, wie Kinder ihren Körper erleben und mit ihm umgehen lernen. Besonders Mädchen, aber (oft etwas weniger offensichtlich) auch Jungen, wollen gut aussehen! Meist kommt dieses Thema spätestens im Kindergarten auf, wenn die ersten Vergleiche, z.B. über Kleidung, stattfinden. Das kann schnell verunsichern und die Kleinen können sich gegenseitig mit Kommentaren wie „Dein Kleid ist aber hässlich!“ oder „Du hast ja Klamotten wie ein Baby an!“ das Leben schwermachen.

Tipps zur Stärkung unserer Kinder und Jugendlichen

Am liebsten würde man sein Kind vor all dem schützen und fern halten, doch leider sind Vergleiche und Verunsicherungen die Realität und wir Eltern tun gut daran, uns damit auseinanderzusetzen, wie wir unser Kind im Umgang damit stärken können! Hier einige Tipps, wie Eltern Kindern und Jugendlichen helfen können.

Wertschätzung und Anerkennung: Komplimente helfen

Mache deinem Kind kleine, aber konkrete Komplimente – z.B. für seine schönen Haare, seine strahlenden Augen oder sein hübsches Lächeln. Wichtig: Wertschätze eher die Aspekte des Aussehens, die es rein natürlich hat und betone weniger den Wert besonderer Klamotten oder anderer käuflicher Gegenstände. Und lobe es noch öfter  für gute Charaktereigenschaften (z.B. Hilfsbereitschaft, Ehrlichkeit, Fleiß, Begeisterungsfähigkeit, Kreativität) und positives Verhalten.

Über wahre Schönheit sprechen

Erkläre deinem Kind immer wieder, dass wahre Schönheit von innen kommt. Betone, dass tolle Klamotten oder schöne Haare nicht so wichtig sind wie Freundlichkeit. Das kann man schon Kleinkindern erklären: „Ein schönes Kleid kann kaputt gehen oder man kann es verlieren. Aber wenn man ein schönes Herz hat, weil man nett zu anderen ist, dann strahlt man von innen und das bleibt für immer!“

Oder: "Wenn jemand ganz hübsche Klamotten hat und eine schöne Frisur, aber gemein ist, dann findet man ihn bald auch nicht mehr hübsch. Aber es gibt auch Leute, die eher alte, hässliche Klamotten haben oder nicht so hübsch aussehen, die aber ganz lieb und nett sind! Und dadurch, dass sie so lieb sind, werden sie dann doch schön! Einfach, weil ihre Freundlichkeit sie schön macht.“

Auch Bücher wie „Du bist einmalig“ von Max Lucado oder „Das kleine Ich bin ich“ von Mira Lobe helfen, diese Botschaft zu vermitteln.

Sei ein gutes Vorbild: nicht über andere lästern!

Kinder schauen sich so unglaublich viel von ihren Eltern ab. Deshalb: Lästere niemals vor deinem Kind über das Aussehen anderer. Und lebe deinem Kind vor, wie man seinen eigenen Körper wertschätzt. Jammere nicht vor deinem Kind über deine Figur oder andere vermeintliche Schönheitsmakel. Lass dein Kind vielmehr sehen, wie du deinen Körper pflegst und darauf Wert legst, ihn gesund zu halten. Wenn Kinder und Jugendliche sehen, wie ihre Eltern auf Bewegung und gesunde Ernährung sowie ein gepflegtes, aber nicht übertrieben gestyltes Aussehen achten, ist das eine sehr gute Basis für ein gutes Körperbewusstsein.

Wenn hingegen ein Elternteil ständig Diät hält und unzufrieden mit seinem Aussehen ist, ist das sehr negativ für die Kinder. Rede positiv über deinen Körper und reagiere gelassen auf Fragen, die Kinder meist ganz unbedacht stellen. („Ja, stimmt, meine Beine sind dicker als die von Annas Mama, aber das macht nichts. Es muss ja nicht jeder gleich aussehen. Das wäre doch langweilig“). Das bedeutet nicht, dass man sich verstellen muss.

Gerade älteren Kindern und Jugendlichen darf man durchaus ehrlich berichten, wenn man selbst gewisse Probleme mit dem eigenen Körper hat – aber immer mit dem Hinweis, dass man daran arbeitet oder bereits die eigene Einstellung ändern konnte, z.B. „Früher fand ich meinen Hintern immer zu dick. Aber irgendwann fiel mir auf, wie viele hübsche Menschen, auch Promis, einen kurvigen Po haben. Und heute finde ich das voll ok und bin zufrieden mit meinem Körper!“ Oder: „Ja, manchmal stört es mich, dass meine Haut immer noch so unrein ist. Aber ich arbeite dran, mich darüber nicht mehr zu ärgern. Viele Menschen haben Probleme mit ihrer Haut und sehen trotzdem gut aus! Und dafür liebe ich meine tollen grünen Augen und meine Haare. Man sollte immer auf die eigenen Stärken achten. Perfekt ist schließlich niemand!“

Vermittle deinem Kind einen kritischen Umgang mit Werbung, Medien und Co

Das beginnt schon mit der Frage, ob man Kindern Barbie-Puppen schenken sollte oder lieber Ausschau nach Puppen sucht, deren Körper näher an der Realität ist. Zumindest ist es sinnvoll, immer mal wieder darauf hinzuweisen, dass echte Menschen gar nicht so aussehen können wie Barbies. Auch im Umgang mit Werbung sollten Eltern Stellung beziehen.

Kläre dein Kind früh darüber auf, dass Werbeplakate und -sendungen bearbeitet werden und die Models nicht wirklich so aussehen. Wenn dein Kind Sendungen wie „Germany‘s Next Top Model“ ansehen will, sprich mit ihm darüber. Betone, dass Menschen von Natur aus unterschiedlich gebaut sind – manche sind einfach besonders groß und schmal und erfüllen daher bestimmte Vorgaben der Modeindustrie.

Mach deutlich, dass es viele schöne, erfolgreiche Menschen gibt, die nicht groß und megadünn sind – z.B. Kim Kardashian, Drew Barrymore, Adele, Angelina Kirsch oder andere „Curvy Models“ oder die keine große Oberweite haben, z.B. Selena Gomez, Kate Hudson, Kristen Stewart, Emma Watson, Miley Cyrus oder Pink.

Nutze positive Materialien, wie Filme und Fotos, als Gesprächsanregung

Schau dir mit deinem Kind Filme wie „Embrace“ und „Precious“ (beide FSK 12) oder „Little Miss Sunshine“ (FSK 6) an, in welchen Schönheitsideale kritisch hinterfragt werden und tauscht euch hinterher darüber aus.

Unter Stichworten wie „Schönheitsideale im Wandel der Zeit“ oder „Schönheitsideale früher und heute“ findest du im Netz auch gute Bilder und Infos dazu, wie sehr sich Vorstellungen von Schönheit immer wieder ändern. Auch das ist eine wichtige Botschaft für Kinder und Jugendliche.

Es gibt im Netz außerdem gute Beispiele unter dem Stichwort „Vorher Nachher Fotoshop“ oder „Promis ungeschminkt“, die zeigen, wie wenig das Aussehen der Menschen in den Medien häufig mit der Realität zu tun haben.

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Autorin - Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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