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Vater macht mit Tochter Hausaufgaben am Tisch
Format: Artikel – Schreibfeder auf dem Tisch
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Hausaufgaben - So können sie gelingen!

Autorin – Malena Böse | Lesezeit: Etwa 13 Minuten

Das Thema Hausaufgaben beschäftigt seit Jahrzehnten Eltern und Lehrer. Deren positiver Effekt auf den Lernfortschritt von Kindern, ist umstritten. Trotzdem werden sie gemeinhin akzeptiert und nicht nur von LehrerInnen, sondern auch von Eltern gefordert. Viele Kinder haben hingegen schon ab der 1. Klasse keine große Lust auf Hausaufgaben und empfinden sie als zeitraubendes Laster.

Eltern versuchen täglich ihre Kinder zu motivieren, was häufig zu Konflikten führt. Auch auf vielen Elternabenden sind sie Dauerthema. Wie aber können Eltern und Lehrkräfte mit Hausaufgaben umgehen, ohne dass sie ständig nur Konfliktthema sind? Im folgenden werden Ideen aufgezeigt, wie es mit den Hausaufgaben für alle Beteiligten besser klappen kann und welche alternativen Modelle es gibt.

1. Sinn und Zweck von Hausaufgaben

Zunächst einmal ist das Erteilen von Hausaufgaben keine Pflicht. Das heißt Schulen können selbst entscheiden, ob und in welcher Form sie Hausaufgaben aufgeben. Wenn sie denn erteilt werden, dienen sie in erster Linie dem selbständigen Arbeiten der Kinder, indem sie sich nach der Schule nochmal allein mit den in der Schule behandelten Themen auseinanderzusetzen. Dabei ist es wichtig, dass sie merken, was sie schon gut alleine, ohne die Hilfe von KlassenkameradInnen oder LehrerInnen bewältigen können und welchen Lernstoff sie noch nicht vollständig erfasst haben.

Dabei sollen die gestellten Aufgaben immer bereits behandelte Lerninhalte thematisieren, die Zuhause dann vertiefend geübt oder wiederholt werden sollen. Ein neues Thema sollen sich die Kinder in einer Hausaufgabe nicht selbst aneignen. Das ist nicht der Sinn von Hausaufgaben. Sinnvoll sind daher Lerninhalte, bei denen die Kinder um das regelmäßige Üben nicht herum kommen. Dazu gehören beispielsweise das Lernen des kleinen Einmaleins, das Lesen oder das richtig Schreiben. Auch das Recherchieren und Sammeln von Informationen für Referate kann gut von Zuhause aus in Ruhe erledigt werden.

2. Aufgabe der Schule

In jedem Bundesland gibt es einen Hausaufgabenerlass, an den sich die Schulen halten müssen. Darin sind der Inhalt und der zeitliche Umfang von Hausaufgaben festgelegt. In der Grundschule sollen Kinder z.B. nicht länger als 30 Minuten an ihren Hausaufgaben arbeiten. Es sei denn, sie wollen es unbedingt, weil sie das Thema so interessiert.

Die Aufgabe der Schule ist es, eine Verabredung zum Umgang mit Hausaufgaben zu treffen, an die sich alle Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen halten. Das ist häufig gar nicht so einfach, da insbesondere die Lehrkräfte sehr unterschiedliche Einstelllungen und Vorstellungen zum Ablauf von Hausaufgaben haben. Für alle LehrerInnen gilt jedoch, dass sie nur Hausaufgaben erteilen, die die Kinder wirklich selbstständig erledigen können. Denn Hausaufgaben können durchaus motivierend sein, wenn sie die Kinder nicht überfordern, sie also Erfolgserlebnisse haben und dadurch Selbstwirksamkeit erfahren- oder wenn sie etwas selbstständig ausprobieren können und ihre Arbeit wertgeschätzt wird.

Das bedeutet, dass die Lehrkräfte ggfs. auch differenzierte Hausaufgaben erteilen müssen, wenn ein/e SchülerIn die regulären Aufgaben nicht selbstständig bewältigen kann. Außerdem müssen sie sicher stellen, dass die Aufgaben aus dem Unterricht erwachsen und bereits thematisiert worden sind. Da die Eltern nicht in der Schule anwesend sind, sollten die LehrerInnen, besonders im Grundschulbereich den Kindern ausreichend Zeit für das Notieren ihrer Aufgaben geben und auch darauf achten, dass wirklich alle Kinder ihre Hausaufgaben aufschreiben.

Alternativ kann die Lehrkraft auch selbst einen Hausaufgabenplan am Computer erstellen und für alle Kinder kopieren. Dazu bietet sich ein Wochenplan an (s.u.). Darüber hinaus ist es die Aufgabe der Lehrkraft, die Aufgaben zu besprechen und Fragen zu beantworten. Auch das Wertschätzen und Kontrollieren der Hausaufgaben gehört zum Aufgabenbereich der LehrerInnen sowie die Beratung von Eltern in einem persönlichen Gespräch oder auf einem Elternabend.

3. Aufgabe der Eltern

Die Eltern haben grundsätzlich eine viel geringere Aufgabe als sie oft einnehmen. Es ist nicht selten der Fall, dass sie zu Hilfslehrern werden, weil sie ihren Kindern helfen wollen. Viele Eltern machen sich nur leider gerade auf diese Weise das gute Verhältnis zu ihren Kindern kaputt, weil diese die gutgemeinte Hilfe eigentlich gar nicht annehmen möchten.

Oft entsteht ein Teufelskreis, weil die Kinder schnell das Gefühl haben ohne die Hilfe der Eltern nichts zu können. Sie fühlen sich also unfähig etwas alleine zu tun und sind schnell frustriert oder fordern bei den kleinsten Unsicherheiten regelrecht die Hilfe der Eltern ein und lassen ihren Frust dann wieder an ihnen aus, wenn sie nicht gleich helfen oder wenn sie etwas nicht verstehen. Konflikte sind also vorprogrammiert.

Was können Eltern tun, damit es gar nicht erst so weit kommt?

  • Einen Rahmen setzen. Ort/Arbeitsplatz, Uhrzeit (jeden Tag gleich macht´s leicht z.B. immer von 14:30 bis 15:00), Ablenkungen (wie Musik, Fernsehen, Tablet, Unruhe durch spielende Geschwister usw.) vermeiden, so dass das Kind wirklich selbstständig und in Ruhe arbeiten kann.

  • Beraten statt Kontrollieren. Fragen stellen, die es dem Kind ermöglichen eigene Lösungen zu finden.

  • Für das Material (Stifte, Radiergummi, Geodreieck) sorgen und regelmäßig (z.B. immer am Sonntag) mit dem Kind gemeinsam überprüfen, ob alles vollständig und angespitzt ist.

  • Interesse an den Aufgaben zeigen, und nur bei kleinen Unklarheiten weiterhelfen.

  • Wertschätzen!!! Auch, wenn nicht alles richtig ist. Das Kind hat die Aufgabe alleine bewältigt!

  • Rückmeldungen an die LehrerIn geben, wenn die Aufgaben für das Kind absolut nicht selbstständig zu erledigen waren bzw. das Kind zu viel Unterstützung gebraucht hätte, um die Aufgaben zu erledigen oder das Kind regelmäßig länger als 30 Minuten konzentriert an den Aufgaben sitzt.

  • Hilfreich kann es auch sein, wenn ein Elternteil auch für sich am Schreibtisch an etwas arbeitet, während das Kind Hausaufgaben macht. Auch für eine tägliche gemeinsame Lesezeit auf dem Sofa bietet sich das an.

4. Alternatives Modell: Der Hausaufgabenwochenplan

Traditionell werden Hausaufgaben von Stunde zu Stunde oder von Tag zu Tag aufgegeben. Das ist mit vielen Lebensmodellen heute nicht mehr gut vereinbar. Jedes Kind und jede Familie hat ihren ganz individuellen Tages- und Wochenplan. Dass beide Elternteile arbeiten ist die Regel. Viele Kinder gehen nach der Schule in einen Hort, besuchen eine Ganztagsschule, gehen Hobbies nach oder haben andere feste Termine. Die Nachmittage sind also zeitlich ziemlich gefüllt. So kann es sein, dass ein Kind an einem Montag besonders viele Termine hat und gar nicht weiß, wann und wo es da noch seine Hausaufgaben machen soll.

Wenn es diese aber zu Dienstag zu erledigen hat, ist absehbar, dass das Kind einer stressigen Situation ausgesetzt ist. Eine sinnvolle Alternative bietet da ein Wochenplan, in dem alle Aufgaben notiert sind, die bis Freitag erledigt werden sollen. Den bekommen die Kinder am Montag von ihrer Lehrkraft ausgeteilt, welche dann alle Aufgaben einmalig besprechen kann. Das tägliche besprechen der Hausaufgaben, was auch sehr zeitraubend ist, fällt somit weg.

Darüber hinaus ist es sehr hilfreich, wenn das Format der Aufgaben jede Woche sehr ähnlich aufgebaut ist. Die Kinder z.B. in der ersten Klasse jede Woche Arbeitsblätter zu einem Buchstaben aufbekommen, bei denen die Aufgaben jede Woche fast identisch sind, sich lediglich der Buchstabe verändert. Das bietet auch schwächeren SchülerInnen Orientiertung. Wenn diese Hausaufgabenblätter und der Wochenplan in einer ausgewiesenen Hausaufgabenmappe abgeheftet werden, wird für alle eine Transparenz geschaffen.

Auch ein Arbeitsheft, mit rein übendem Inhalt (z.B. im Bereich Lesen oder Rechtschreiben), das explizit nur für die Hausaufgaben angeschafft worden ist, macht es Kindern und den jeweiligen Hausaufgabenbetreuern organisatorisch leichter. Anstelle einer Mappe, in welche jede Woche die Pläne und Arbeitsblätter der Woche abgeheftet werden, kann auch ein Logbuch verwendet werden, welches auf gleiche Weise die Transparenz herstellt. Ein Logbuch funktioniert wie ein Lerntagebuch und ist ständiger Begleiter des Kindes. Dies trägt dort seine Lernziele des Halbjahres und der Woche ein, den Stundenplan, Termine und die Selbsteinschätzung bzgl. der eigenen erreichten Lernfortschritte.

Außerdem kann der Lehrer am Ende der Woche sein Feedback eintragen. Darüber hinaus fungiert es als Kommunikationsmittel zwischen Eltern und Schule. Ein Beispiel für ein Grundschul- Logbuch ist über diesen >>Link einsehbar.

5. Lernzeit statt Hausaufgaben

Gerade in Ganztagsschulen werden die Hausaufgaben im klassischen Sinne abgeschafft. An deren Stelle tritt eine Lernzeit oder Freiarbeitszeit, die täglich am Schulvormittag stattfindet. Diese wird in der Regel von Lehrkräften betreut und bietet viele Vorteile. Nicht nur, dass die Kinder bei Fragen direkt den LehrerIn ansprechen können und am späten Nachmittag Zuhause dann wirklich frei haben, sondern auch, dass die Eltern die Qual mit den Hausaufgaben nicht mehr haben.

Diese ca. 30 bis 45 minütige Lernzeit findet zusätzlich zu den Regelstunden der Stundentafel statt. Demnach verschiebt sich die Unterrichtszeit dadurch oft nach hinten. In einer gebundenen Ganztagsgrundschule, Ganztagsgrundschulen – Ein Überblick, in der alle Kinder bis zum Nachmittag anwesend sind, ist die Organisation einfacher, als in einer Halbtagsschule, bei der am Mittag die Unterrichtszeit endet, oder in einer offenen Ganztagsschule, in der sich Schulzeiten und Ganztagszeiten aufgrund der von von der Schule angebotenen Arbeitsgemeinschaften, überschneiden und zudem ein Großteil der Kinder Mittags die Schule verlässt.

Grundsätzlich bieten Ganztagsgrundschulen jedoch den Vorteil, dass sie zusätzlich zu den Lernzeiten, die für alle Kinder verpflichtend sind, auch noch Förder- und Übungsbänder für die SchülerInnen anbieten, die in bestimmten Bereichen einen erhöhten Förderbedarf haben. Denn die schwächeren Kinder leiden häufig besonders unter den Hausaufgaben und fallen auch immer mehr im Lernstoff zurück, gerade weil sie (noch) nicht über Methoden verfügen, die es ihnen ermöglichen, ihre Aufgaben selbständig anzufertigen.

6. Selbstgewählte Hausaufgaben - aktive Freizeitgestaltung

Wenn die klassischen Hausaufgaben in einer Schule zugunsten einer Lehrzeit abgeschafft worden sind, bietet sich für Eltern die Möglichkeit, die gewonnene Zeit für eine aktive gemeinsame Freizeitgestaltung mit ihren Kindern zu nutzen. Manche LehrerInnen geben den Kindern auch „selbstgewählte Hausaufgaben“ auf (vielleicht ein Thema für den nächsten Elternabend). Denn diese „Hausaufgaben“ sind nicht nur besonders lernförderlicher sondern tun auch der Eltern- Kind Beziehung gut:

  • in die Natur gehen und diese Erkunden
  • gemeinsam Kochen oder Backen
  • etwas bauen oder reparieren
  • etwas nähen
  • ein Kinderkonzert- oder Theater besuchen
  • ein Ausstellung besuchen
  • ein Hörbuch hören
  • einen Flohmarkt organisieren
  • eine Zirkusaufführung/Theaterstück planen und durchführen
  • eine gemeinsame Lesezeit einrichten
  • zusammen Sport treiben oder musizieren
  • Gesellschaftsspiele spielen

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Autorin – Malena Böse

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