Format: Artikel – Schreibfeder auf dem Tisch
Artikel

Emotionsregulation bei Kindern und Eltern

Autorin - Melanie Schüer

Emotionsregulation, das heißt mit Gefühlen umgehen, ist bei Kindern ist eine Herausforderung – und gerade dann bist du als Mutter und als Vater gefragt, dein Kind liebevoll zu begleiten. Vielleicht kennst du das: Gerade war noch alles gut und friedlich und plötzlich liegt dein Kind wütend schreiend auf dem Boden und trommelt völlig unkontrolliert mit Armen und Beinen auf den Boden. Du versuchst es mit Engelsgeduld und auch mal mit klaren Worten – aber nichts scheint zu helfen, du hast das Gefühl nicht einmal zu deinem Kind durchzudringen.

Situationen, in denen wir von starken Gefühlen überrannt werden, kennen wir sicher alle. Kleine Kinder erleben starke Gefühle besonders häufig, weil ihr Gehirn sich noch entwickelt und sie die Selbstkontrolle erst noch mit zunehmender Hirnreife lernen. Wenn Kinder von starken Gefühlen überrollt werden, ist ihr Gehirn für Sprache nicht zugänglich. Das ist der Grund, warum viele Worte meist nicht weiterhelfen. Dein Kind kann den Klang deiner Stimme, deine Mimik und deine Gestik wahrnehmen. Deshalb versuche, deinem Kind nonverbale Signale zu senden.

Eltern sind dann gefordert, als sichere Begleiter*innen zu helfen, dass Kinder Wut, Angst oder Aufregung verstehen und regulieren lernen. In diesem Artikel erfährst du, wie du dein Kind dabei unterstützt, seine Emotionen zu erkennen und zu steuern und wie du selbst gelassener bleibst und dich selbst regulieren kannst. Denn Selbstregulation ist die Voraussetzung für Co-Regulation (die Begleitung deines Kindes).

Lesezeit: Etwa 16 Minuten
Sohn und Vater sehen sich innig an und liegen auf einer Wiese.

Selbstregulation der Eltern – eine absolute Geheimzutat

Um bei deinem Kind eine gesunde emotionale Entwicklung zu fördern, empfehlen wir dir eines ganz besonders in den Blick zu nehmen: Deine eigene Fähigkeit zur Selbstregulation, also wie du selbst mit Gefühlen umgehst. Kinder sind exzellent darin, zu beobachten und schauen sich sehr viel von uns Eltern ab – im positiven wie im negativen Sinne. Wir können noch so viel erklären und fördern – wenn wir unsere eigene Gefühlsregulation nicht trainieren, werden wir in unserer Vorbildfunktion weniger überzeugend sein. 

Hinzu kommt, dass die starken kindlichen Gefühle oft am elterlichen Nervenkostüm zerren. Lautes Geschrei löst nun einmal Stresshormone aus! Deshalb ist eine gute Selbstregulation so wertvoll, um mit solchen Stresssituationen gut umgehen zu können und überhaupt selbst die nötige Ruhe zu bewahren, um unser Kind wirksam zu begleiten. 

In diesem Artikel erfährst du, wie du deine Selbstregulation stärkst und welche Exitstrategien für Eltern in stressigen Momenten dich unterstützen, wenn du selbst ganz aufgebracht bist.

Bedeutung von Co-Regulation für das Selbstwertgefühl von Kindern

Wenn Kinder von ihren Emotionen überrollt werden, fühlen sie sich hilflos und überfordert. 

Durch deine liebevolle, wertschätzende Begleitung sendest du deinem Kind die Botschaft: „Ich versuche, dich zu verstehen! Ich liebe dich auch dann, wenn es anstrengend ist! Ich bin auf deiner Seite! Ich liebe dich mit all deinen Gefühlen. Ich bleib‘ an deiner Seite – gerade auch dann, wenn es schwierig wird!“

Das ist eine Botschaft, die deinem Kind enorm viel Halt, Geborgenheit, Sicherheit und Selbstwert vermittelt. Es lernt, dass es nicht nur wertgeschätzt wird, wenn es sich angepasst und höflich verhält. Sondern, dass deine Liebe auch dann bleibt, wenn die Gefühle Achterbahn fahren. 

Was ist Emotionsregulation – und warum ist sie so wichtig?

Alle sprechen von Selbstregulation, aber was ist das eigentlich? Kurz gesagt: Es handelt sich um die Fähigkeit, die eigenen Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen bewusst und aktiv zu beeinflussen und zwar so, dass sie zu meinen Zielen passen. 

Zum Beispiel: Wenn ich mich über meine Kollegin ärgere, dann hilft mir meine Selbstregulation, nicht sofort auszurasten – denn das würde meinem Ziel, auf Dauer gut mit ihr zurechtzukommen, entgegenstehen. Selbstregulation hilft mir, meine Wut herunter zu regulieren und meinen Frust gemäßigt und angemessen auszudrücken. Selbstregulation bedeutet, dass du es schaffst, eine Brücke zwischen Reiz und Reaktion zu bauen.

Emotionsregulation ist im Grunde ein Teil dieser Fähigkeit – sie bezieht sich ganz konkret auf den Umgang mit unseren Gefühlen, wie z. B. Wut, Angst oder Traurigkeit.

Co-Regulation – Warum Eltern der Schlüssel sind

Je jünger ein Mensch ist, desto mehr Unterstützung braucht er bei der Regulation seiner Gefühle. Das Gehirn eines Säuglings oder Kleinkindes ist noch nicht fertig ausgereift. Zudem konnten Menschen zu Beginn ihres Lebens noch keine Erfahrungen mit Konfliktsituationen und dem Umgang mit negativen Gefühlen sammeln. Deshalb sind die Fähigkeiten, eigene Impulse zu kontrollieren und sich selbst zu beruhigen, noch sehr schwach – zum Beispiel bei Wut sofort loszuschreien.

Um die Fähigkeit zur Selbstregulation mit zunehmendem Alter möglichst gut zu entwickeln, spielen zwei Faktoren eine wesentliche Rolle: 

  1. Der natürliche Reifungsprozess des Gehirns, der mit zunehmendem Alter stattfindet – ab dem Schulalter etwa steigt die Fähigkeit zur Impulskontrolle deutlich.
  2. Positive, gesunde Erfahrungen: Vorbilder und liebevolle Unterstützung im Umgang mit Emotionen – und da kommst du ins Spiel! Denn die familiären Bezugspersonen haben einen immensen Einfluss darauf, welchen Umgang mit Gefühlen und Konflikten ein Kind als „normal“ und „gesund“ kennenlernt.

Indem du dein Kind wertschätzend und geduldig im Umgang mit starken Gefühlen begleitest, legst du ein sehr wertvolles Fundament für seine emotionale Gesundheit. Du bringst deinem Kind Fertigkeiten bei, die ihm in seinem ganzen weiteren Leben sehr wertvoll sein werden. 

Wichtig: Dein Kind hat vielleicht besondere Bedürfnisse. Vielleicht ist es gefühlsstark oder hochsensibel oder es hat durch eine bestimmte Diagnose mehr Herausforderungen. Dann ist das Gehirn deines Kindes vielleicht schneller überlastet, als bei anderen Kindern in seiner Entwicklungsstufe. Diese besondere Herausforderung ist auch für dich sehr kräftezehrend. Gönne dir regelmäßig Auszeiten, auch von deinem Kind. Denn du brauchst weitaus mehr Geduld und es kann sich so anfühlen, als hättest du mehrere Kinder gleichzeitig. Auch dein Kind braucht mehr Zeit und viel Geduld. Vielleicht können andere Bezugspersonen eine Stütze für euch sein.

Vorleben statt Vortragen – Warum deine eigene Emotionsregulation so wichtig ist

Wir können uns als Mutter oder als Vater den Mund fusselig reden – aber wenn unser Verhalten nicht zu unseren Worten passt, wird dies ohne große Wirkung bleiben! Denn Kinder orientieren sich vielmehr an dem, was ihre Eltern tun als an dem, was sie sagen. Die Entwicklungspsychologie spricht dabei auch vom „Lernen am Modell“ – gemeint ist die Vorbildfunktion, die wir als Eltern für unsere Kinder haben.

Deshalb ist es so wertvoll, wenn Eltern sich mit ihrer eigenen Emotionsregulation befassen und sich in diesem Bereich weiterentwickeln. Schließlich gilt auch hier: Nobody is perfect – wir alle haben unsere blinden Flecken und Schwachstellen im Umgang mit unseren Gefühlen.

Umgang mit eigenen Stressreaktionen

Überlege gerne mal: Was sind typische Stresssituationen, in denen dir eine gesunde Emotionsregulation schwerfällt? Welche „Filme“, also Erinnerungen und Muster, spielen sich dann in deinem Kopf ab, die dich so herausfordern?

Positive Selbstgespräche, das Erlernen von Entspannungsübungen und Arbeit an inneren Denkmustern sowie prägenden Kindheitserfahrungen können helfen, die typischen Stresssituationen besser bewältigen zu können. Erste Impulse dazu findest du in unserem Artikel zum Inneren Kind: Das Innere Kind: Einfluss auf Eltern.

Was Co-Regulation bedeutet – und wie sie praktisch funktioniert

Besonders kleinen Kindern sind ihre Emotionen oft deutlich anzusehen. Gerade Wut ist ein Gefühl, das im Kleinkindalter häufig vorkommt und dann sehr deutlich sichtbar wird: Lautes Schreien, Weinen, Einschlagen auf Gegenstände oder auf andere Menschen – das sind keine Seltenheiten bei Wutausbrüchen. Doch auch Momente von Traurigkeit und Angst können Kinder überfordern, weil sie den Umgang mit diesen starken Gefühlen noch nicht kennen.

Co-Regulation bedeutet: Du unterstützt dein Kind aktiv und liebevoll bei der Emotionsregulation. Das beinhaltet: 

Präsenz zeigen

Nimm‘ Blickkontakt mit deinem Kind auf – evtl. mag es auch behutsam berührt oder in den Arm genommen werden. Zeige körperlich und mit Worten: „Ich bin für dich da! Ich helfe dir!“ 

Gefühle anerkennen und benennen

Weil wir Eltern uns wünschen, dass es unseren Kindern gut geht, neigen wir dazu, negative Gefühle zu verharmlosen – im Sinne von: „Das ist doch alles halb so wild!“ Doch mit solchen Botschaften reden wir die Wahrnehmung unseres Kindes klein und erkennen nicht an, was es gerade empfindet. 

Besser: Gefühle annehmen und benennen, z. B.: „Ich sehe, dass es dir gerade nicht gut geht, oder? Kann es sein, dass du wütend bist?“ 

Durch das Benennen der Gefühle trainieren wir die Fähigkeit unseres Kindes, zu erkennen, welches Gefühl gerade da ist – und das mit Worten auszudrücken. Außerdem machen wir deutlich: Es gibt einen Begriff, für das, was du da gerade fühlst. Dein Gefühl ist in Ordnung und bewältigbar! Du bist damit nicht allein.

Eigene Überforderung im Blick haben

Wenn du merkst, dass du dich total gestresst fühlst, dann versuche erst einmal, mit tiefer Bauchatmung und beruhigenden Selbstgesprächen, dich selbst zu beruhigen. Nur so strahlst du die nötige Ruhe aus, um dein Kind effektiv co-regulieren zu können. 

Mache dir klar: Diese Situation ist nicht „unnormal“ oder „ein Problem“. Sie ist ein normaler Teil der Entwicklung – und du tust genau das Richtige, indem du dein Kind geduldig dabei begleitest! 

Frage, was dein Kind braucht: Je nach Alter kannst du dein Kind fragen, ob es eine Umarmung haben mag oder eher Ruhe braucht. Wenn Sprechen noch oder in dieser Situation nicht geht, versuche behutsam dein Kind beruhigen – z. B. durch Berührungen und ggf. nach einer gewissen Zeit auch Ablenkung (aber bitte nicht sofort! Gefühle wollen anerkannt werden. 

Wenn dein Kind dich schlägt, mache deutlich: „Das geht nicht, Stopp!“ - und halte es notfalls auch kurz weg oder verlasse kurz den Raum, um hier eine klare Grenze zu setzen.

Situation verstehen

Sobald das Gemüt ein wenig heruntergekocht ist, frage dein Kind vorsichtig: „Was war denn los? Was hat sich so traurig/wütend/ängstlich gemacht?“ Kinderbücher über Gefühle können bei der Reflexion von starken Gefühlen sehr hilfreich sein und zeigen ebenfalls: Du bist nicht allein! 

Tipps, um dein Kind und dich selbst bei starken Gefühlen zu beruhigen

Wenn Wut, Angst oder Aufregung hochkochen, fühlen sich sowohl Kinder als auch Eltern schnell überfordert. Diese praktischen Tipps helfen euch, in solchen Momenten Ruhe zu bewahren und gemeinsam einen klaren Kopf zu bekommen.

  • Körpernähe tut vielen Kindern gut – manche brauchen aber auch ein paar Minuten für sich. Mach dann einfach klar, dass du in der Nähe bist und schau nach kurzer Zeit nochmal rein. Wenn du selbst an dein Limit kommst: Probiere mal die Schmetterlingsumarmung, bei der du dich selbst mit überkreuzten Händen auf den Schultern in den Arm nimmst und mit geschlossenen Augen behutsam hin und her wiegst. Sehr beruhigend!

     

  • Du kannst auch mit deinem Kind üben, das starke Gefühl (z. B. Wut, Angst, Traurigkeit) körperlich „abzuschütteln“ (Arme und Beine kräftig ausschütteln) oder „abzuklopfen“ (den ganzen Körper nach und nach abklopfen). 

     

  • Auch Atemübungen wie ruhige Bauchatmung („Luft holen und dabei den Bauch aufblasen wie einen Ballon – dann beim Ausatmen allen Stress aus dem Körper herauslassen“). Ein Kuscheltier vor dem Bauch kann helfen, weil es sich beim Einatmen nach vorn und beim Ausatmen nach hinten bewegt. Außerdem gibt ein vertrautes „Übergangsobjekt“ zusätzlich Sicherheit.

     

  • Äußere Reize wie kaltes Wasser an den Unterarmen oder ein angenehmer Duft können helfen, Abstand zu gewinnen und wieder klar zu sehen.

Diese wichtigen Emotionen begleiten dein Kind – und so gehst du damit um

Kinder erleben täglich eine Vielzahl von Gefühlen – von Freude über Frust bis hin zu Angst oder Wut. Wenn du verstehst, welche Emotionen besonders prägend sind, kannst du dein Kind besser begleiten und ihm helfen, Gefühle zu erkennen, auszudrücken und zu regulieren.

Wut: Oft Ausdruck von Überforderung oder starken Bedürfnissen 

Besonders im Alter zwischen etwa zwei und sechs Jahren haben viele Kinder häufig Wutausbrüche. Das ist Teil der sogenannten Autonomiephase, in der Kinder ihren eigenen Willen sehr stark spüren – und zugleich noch über wenig Selbstkontrolle und Verständnis für die Bedürfnisse anderer verfügen. Wie schon erwähnt, das liegt an der noch geringen Hirnreife. Auch Müdigkeit und Reizüberflutung verstärken Gefühle von Wut und Frust. Du darfst also gern überlegen, ob es deinem Kind helfen könnte, wenn ihr termintechnisch mal einen Gang herunterfahrt oder, ob bestimmte Aktivitäten – oft am Bildschirm oder mit vielen Leuten – evtl. gerade zu viel sind. Weitere Infos dazu findest du in unserem Ratgeber Wut in der Familie.

Traurigkeit – ein oft unterschätztes Gefühl 

Traurigkeit ist oft viel leiser und unauffälliger als Wut. Deshalb kann es schnell passieren, dass sie zu wenig beachtet wird. Gerade Kinder zeigen ihre Traurigkeit häufig mit körperlichen Symptomen wie Bauch- oder Kopfweh oder verhalten sich auffällig ruhig und angepasst. Als Eltern dürfen wir unseren Kindern erklären, dass es zum Leben gehört, manchmal auch traurig zu sein – und, dass es gut tun kann, über dieses Gefühl zu sprechen oder die Tränen einfach mal rauszulassen. Körpernähe und viel Verständnis wirken wohltuend, wenn dein Kind traurig ist. 

Langeweile 

„Mir ist langweilig“ – diesen Satz sagt wahrscheinlich jedes Kind früher oder später mal. Und das ist völlig okay! Es ist sogar gut, wenn Kinder sich ab und zu mal langweilen – denn genau das gibt ihnen den Antrieb, selbst kreativ zu werden, anstatt immer nur beschäftigt zu werden. Sich selbst beschäftigen können – das ist eine wichtige Fähigkeit für das weitere Leben! Daher ermutige dein Kind bei gelegentlicher Langeweile gern, sich einfach mal zu überlegen, was es machen könnte. Wenn ihm so gar nichts einfällt, kannst du natürlich auch Vorschläge machen.

Und wenn Langeweile oft ein Thema ist, dann hilft es, gemeinsam zu überlegen, welche Hobbys und Aktivitäten in Frage kommen oder, ob es in der Schule oder in der Kita nicht noch ein oder zwei Kinder gibt, mit denen mal eine Verabredung denkbar wäre.

Übrigens: Manchmal sagen Kinder auch „Mir ist langweilig“, wenn sie eigentlich bedrückt oder niedergeschlagen sind. Empfundene Langeweile kann eine Bezeichnung für eine depressive innere Leere sein – daher höre achtsam hin, wenn dein Kind sich häufiger in diese Richtung äußert. 

Frust

Frust hängt eng mit Wut zusammen und ist oft die Vorstufe davon. Frust entsteht, wenn etwas nicht funktioniert, wenn Hoffnungen sich nicht erfüllen oder Bitten abgeschlagen werden. 

Mit Frust umgehen, die sogenannte Frustrationstoleranz, ist eine wichtige Fähigkeit, die Kinder erst erlernen müssen. Du kannst deinem Kind helfen, indem du Verständnis für den Frust zeigst und ihm Strategien aufzeigst, wie man sich selbst beruhigen kann – siehe oben unter „Co-Regulation“.

Angst

Angst ist ein Gefühl, das Kinder immer mal wieder beschäftigt. Kleinkinder leiden aufgrund ihres „magischen Denkens“ z. B. oft unter Furcht vor Monstern oder Fabelwesen und auch Trennungsängste treten entwicklungstypisch immer mal wieder auf. Aber auch andere Ängste können Kinder belasten – z. B. spezielle Phobien vor bestimmten Tieren, Prüfungsangst, soziale Ängste (Angst vor Ablehnung) oder Zukunftsangst.

Ganz wesentlich ist, dass wir Eltern die Ängste niemals verharmlosen, sondern stets ernst nehmen. Und, dass wir nicht nur beruhigen oder gar ablenken, sondern echte Sicherheit vermitteln. Das geht durch liebevolle Zuwendung und Begleitung – aber auch verbal, indem wir geduldig erklären, warum kein Grund zur Sorge besteht. Oder aber, was das Kind tun kann, sollte das befürchtete Szenario doch eintreten – Handlungsoptionen schaffen Sicherheit.

Was du tun kannst, wenn du an deine Grenzen kommst

Es ist normal, dass Eltern sich manchmal schuldig oder überfordert fühlen. In solchen Momenten hilft es, Schuldgefühle anzunehmen, sich Unterstützung zu holen und den Alltag so zu gestalten, dass die Bedürfnisse von dir und deinem Kind gleichermaßen berücksichtigt werden.

Umgang mit Schuldgefühlen:

„Ich fühle mich richtig schlecht, weil ich meine Tochter vorhin angeschrien habe! Ich habe einfach total die Fassung verloren. Jetzt fühle ich mich so mies.“

So oder so ähnlich fühlen sich wohl alle Eltern ab und zu. Wir sind alle nur Menschen und keiner von uns schafft es immer gelassen zu bleiben. 

Kinder brauchen keine perfekten Eltern – sondern liebevolle, lernbereite Eltern. Eltern, die ihre eigenen Schwächen reflektieren und zugeben – und sich auch mal selbst entschuldigen. Genau damit bist du ein Vorbild für dein Kind! Denn damit zeigst du ihm: Es ist normal, dass man den Umgang mit Gefühlen trainieren muss – sogar wir Erwachsenen arbeiten noch daran!

Hilfe annehmen bedeutet Stärke 

Finanzberatung, Berufscoaching, Hochzeitsplaner, Ernährungsberatung… in so vielen Bereichen unseres Lebens nehmen wir fachliche Beratung und Begleitung in Anspruch und finden das völlig normal. Nur in Bereichen, wie mentale Gesundheit und Erziehung, hält sich oft noch immer der Mythos, das müsste man doch selber schaffen. 

Ganz ehrlich: Das ist Unsinn! Gerade die Begleitung von Kindern weckt so viele Emotionen, eigene Erinnerungen und Prägungen und gerade hier gibt es so einen Dschungel von Meinungen – da ist es doch völlig klar, dass jeder mal den Überblick verliert.

Wenn du einsiehst: An diesem Punkt komme ich nicht weiter und brauche Hilfe, weil ich mein Kind so gut wie möglich begleiten möchte – dann beweist du echte Stärke und Eltern-Kompetenz.

Wende dich daher gern an eine kostenlose Erziehungsberatungsstelle (www.dajeb.de) oder im ersten Schritt an unsere Online-Beratung.

Bedürfnisorientierte Alltagsroutine 

Wenn dein Kind immer wieder starke Gefühlsausbrüche zeigt, kann es hilfreich sein, wenn du mal mit einem möglichst neutralen Blick euren Familienalltag beobachtest und dokumentierst: Wie sind eure Abläufe und eure Zeitgestaltung? Wie viele Termine habt ihr und wo wird es häufig stressig und emotional? 

Das kann helfen, Stressfaktoren im Alltag zu identifizieren und zu erkennen, in welchen Situationen Bedürfnisse nach Ruhe, Selbstbestimmung oder Nähe zu wenig Raum finden. Auf dieser Basis kannst du dann überlegen, was sich möglicherweise ändern lässt, sodass du wirklich an die Wurzel des Problems gehen kannst – z. B., weniger Termine und mehr Zeit zuhause oder etwas früher aufstehen usw. 

Lesetipp: In diesem Artikel erfährst du, welche Strategien zur Stressbewältigung für Eltern dir im Alltag helfen.

FAQ – Häufige Fragen zur Emotionsregulation bei Kindern

In welchem Alter lernt man Emotionsregulation?

Das Erlernen von Emotionsregulation beginnt im Grunde schon im Mutterleib. Auch während der Schwangerschaft gibt es Stressfaktoren für das Ungeborene wie bestimmte Untersuchungen oder Stresshormone der Mutter, die das Kind beeinflussen. Schon hier reagiert der kleine Mensch und es können Gefühle wie Unruhe oder Angst entstehen, die es regulieren muss. Und schon in dieser besonderen Phase können Eltern mit ihrer Stimme oder Musik von außen Sicherheit vermitteln. 

Wie lernt man Emotionsregulation? 

Der Lernprozess, mit Gefühlen umzugehen, geschieht durch die Erfahrungen, die ein Mensch macht. Die Situationen, die er zu bewältigen hat und die Schlüsse, die er oder sie aus dem Verlauf dieser Erfahrung ziehen. Kinder probieren, meist unbewusst, verschiedene Wege aus, wie sie mit Emotionen umgehen – und lernen aus den Ergebnissen. Ebenso lernen sie von ihren wichtigsten Vorbildern, nämlich den Bezugspersonen, an denen sie sich orientieren.

Was ist eine Störung der Emotionsregulation?

Damit ist gemeint, dass ein Mensch im Vergleich zu den meisten Gleichaltrigen auffällig große Schwierigkeiten hat, angemessen mit seinen Gefühlen umzugehen. Ein typisches Beispiel ist das häufige Auftreten von Wutausbrüchen. Auch eine Depression oder Panikstörung hängt mit einem Problem, seine Emotionen zu regulieren, zusammen.

Welche Arten von Emotionsregulation gibt es?

Im Wesentlichen kann man zwischen Selbstregulation und Co-Regulation (mithilfe anderer) unterscheiden. Und innerhalb dieser Kategorien gibt es viele verschiedene Techniken zur Emotionsregulation, von denen du einige in diesem Artikel kennengelernt hast – z. B. Bauchatmung, oder das Abklopfen des Körpers.

Hilfsangebote auf elternleben.de

Fazit

Emotionsregulation ist ein Lernprozess für Groß und Klein! Wenn du immer mal wieder von starken Gefühlen herausgefordert bist – bei dir selbst und deinem Kind – dann bist du definitiv nicht allein! Und indem du selbst an deiner Emotionsregulation arbeitest und dir dort, wo es eng wird, Hilfe holst, legst du die beste Grundlage für eine gesunde emotionale Entwicklung und mentale Gesundheit deines Kindes.