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Elternfrage

Kann es sein, dass mein Kind hochbegabt ist? – Grundschulalter

Martina Rosenboom | Lesezeit: Etwa 11 Minuten

Manchmal fällt eine mögliche Hochbegabung auch erst in der Grundschule auf. Hochbegabte Kinder haben oft schon ein erstaunliches Wissen, wenn sie in die Schule kommen. Das liegt an den Gründen für eine Hochbegabung: schnelleres Lernen, genaueres Beobachten und tieferes Nachdenken. Das kann sich dann auch im Sozialverhalten oder in emotionalen Bereich zeigen. Wenn z.B. in der Kita alles glatt lief, dann gab es keinen Grund, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Noch immer gilt: Erst wenn es Probleme gibt, wird gehandelt. Mit der Einschulung ändert sich die Art zu lernen. Jetzt kommen Themen zu bestimmten Zeitpunkten und auch das Lerntempo kann vorgegeben werden.

Zusätzlich muss dein Kind beispielsweise Zeitplanung, Organisation und Kommunikation an die Erwartungen der Lehrkraft und der Klasse anpassen. Diese Anpassung kann zum einen das Lernen beflügeln, es kann aber auch schwierig werden. Oft gelingt sie dann für eine gewisse Zeit, doch danach ermüden alle Beteiligten, also nicht nur das Kind, sondern auch Lehrkräfte und Eltern. Ein häufiges Zeichen ist das Klagen der Kinder über Langeweile: „Wir müssen immer die gleichen Aufgaben üben, dabei kann ich die längst!“

Auch positive Auffälligkeiten geben Hinweise auf eine mögliche Hochbegabung: Das Kind löst gerne schwierigere Aufgaben, es braucht weniger Zeit für Hausaufgaben, es sucht sich immer mehr außerschulische Herausforderungen. Hier lohnt ein Blick, wie das Kind in der Schule so gefördert wird, dass es auch dort ausreichende Anforderungen bekommt.

Vater und Sohn liegen sich auf dem Fußboden gegenüber und sehen sich an.

Wie man Hinweise auf Hochbegabung bei Kindern gezielt beobachten kann

In den meisten Fällen gibt die Beobachtung der Eltern und der Lehrkräfte Hinweise auf eine mögliche Hochbegabung. Eltern können dabei das Kind über den ganzen Tag und im normalen Leben wahrnehmen, also vor allem über längere Zeiträume. Auch bringen sie schon Erfahrungen aus der Kita-Zeit mit. Lehrkräfte haben eher das Lern- und Sozialverhalten in der Klasse im Blick. Wichtig ist, dass Eltern und Schule ihre Beobachtungen austauschen und spätestens bei einem Verdacht auf eine mögliche Hochbegabung genauer hinschauen – auch, wenn es keine Probleme gibt! Im Artikel Hochbegabtes Kind – Aktiver Umgang mit der Schule sind einige Hinweise, die zusätzlich wichtig für eine gute Kommunikation von Eltern mit Lehrkräften sind.

Dies gilt auch für Bereiche wie Sport, Musik oder Sozialverhalten. Im Artikel IQ bei Kindern ist nicht alles: Begabungen sind bunt! sind viele weitere Begabungsfelder aufgeführt.
Wichtig ist dabei auch, dass eine Hochbegabung ein Potential beschreibt, die Möglichkeit für besondere Leistungen. Ob daraus eine Hochleistung wird, liegt an den Beteiligten. So kann nur ein Kind, dem es gut geht, seine Leistungen freudig zeigen und gerne Besonderes erreichen.

Nachweis einer Hochbegabung durch einen Intelligenztest

Manchmal ist ein Intelligenztest sinnvoll, meistens, wenn Eltern und Schule unterschiedliche Beobachtungen gemacht haben und Fördermaßnahmen geplant werden sollen. Einige Kriterien, die man vor einem Test überlegen sollte, findest du im Artikel Soll man die Hochbegabung des Kindes testen lassen?. In der Regel kommt dazu, dass die meisten Kassen keinen Intelligenztest bei einem speziellen Psychologen bezahlen. Du solltest dich hier vorher bei deiner Kasse erkundigen.

Hochbegabte Kinder haben es in der Schule nicht immer leicht. Sogar wenn Eltern einen Intelligenztest machen lassen und eine Hochbegabung vorliegt, dann ist es nicht zwingend notwendig, dies mit der Schule zu besprechen. Im Artikel Soll ich der Schule sagen, dass mein Kind hochbegabt ist? sprechen Eltern über das Für und Wider.

Kontakt zu Fachleuten für Intelligenztests

Es gibt eine ganze Menge unterschiedlicher Tests auf dem Markt. Sie sind im >>Fachportal der Karg-Stiftung so beschrieben, dass du dich gut informieren kannst und dann den geeigneten Test auswählst. Durch die Ergebnisse erfährst du auch, welche Förderung für dein Kind sinnvoll sein könnten. Am besten suchst du nicht nur den Test aus, sondern auch einen speziell ausgebildeten Psychologen, da zwar viele Psychologen testen können, aber wenige die Zusatzausbildung für Hochbegabung haben.

Du findest einige davon im >>Expertenkreis Hochbegabung und Potenziale im Bund deutscher Psychologen. Wenn du ein Netzwerk oder Spezialisten in deiner Region suchst, kannst du dich an die Berater der bundesweiten vertretenen >>Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind anfragen. Diese kennen die Anlaufstellen, Gruppenangebote und Elternnetzwerke, die für dich und dein Kind infrage kommen.

Was ein Intelligenztest leistet - und was nicht

Manche Eltern versprechen sich von einem Intelligenztest sehr viel:  Je nach Fragestellung kann ein Test Antworten und Hinweise geben. In einer testpsychologischen Praxis wird ein gründliches Vorgespräch geführt und ein passender Test ausgewählt.

Wer sich einen Einblick in den Entwicklungsstand erhofft, bekommt einen guten Einblick. Auch die Beobachtungen beim Test selbst sind wertvoll: Wie geht das Kind mit Stress um, wie leicht ist es ablenkbar? Die Testsituation ist besonders und gibt sowohl Eltern als auch Lehrkräften ein „drittes Bild“. Da Intelligenztests verschiedene Themen und Aufgabentypen umfassen, können unterschiedliche Begabungen erkannt werden.

Außerdem können durch die Trennung der Einzelleistung von der Gruppe auch Begabungen unvoreingenommen festgestellt werden. Das ist bei sehr schüchternen Kindern, bei Behinderungen oder sogar schon bei Mädchen wichtig, die bei Beobachtungen im Umfeld nicht als besonders begabt auffallen. Im Artikel Begabungen fördern – gerade auch bei hochbegabten Mädchen! stehen einige Hinweise dazu.

Bei Lern- oder Verhaltensproblemen ist der Intelligenztest allein aber keine Hilfe. Eine Hochbegabung kann Hinweise geben, liefert aber keine Problemlösung. Anders als bei der Feststellung z.B. einer Sehstörung, gibt es keine einfache Hilfe wie eine Brille. Da sich Probleme mit einer Hochbegabung aus der Entwicklung oder im Umfeld ergeben, braucht es auch Änderungen in der Entwicklung und im Umfeld. Vieles ist aber schlecht in eine Testsituation zu erfassen: Wie sportlich/musikalisch/kreativ ist mein Kind? Hier braucht es spezielle Tests. Spätestens bei der Umsetzung der Empfehlungen kommt es auf die Zusammenarbeit von Eltern und Schule an. 

Schwierigkeiten bei Intelligenztests

Aus verschiedenen Gründen kann ein Intelligenztest besonders schwierig sein.
So sollte ein Intelligenztest von Expert/inn/en durchgeführt werden. Wer einen solchen Test nur sehr selten anwendet, kann von den Antworten der Kinder aufs Glatteis geführt werden. Sind z.B. die Fragen zu Beginn des Tests oft sehr einfach und das Kind vermutet „So einfach kann das nicht sein“, und gibt die Antworten vielleicht sehr spät oder unnötig kompliziert oder strengt sich nicht an.

Oft ist auch nicht die Hochbegabung selbst sondern ein anderes Problem ausschlaggebend. Ein Kind mit Prüfungsangst oder Sorgen kann in der Situation seine Leistungen nicht zeigen. Dies gilt auch für Wahrnehmungsprobleme oder Lernschwierigkeiten wie z.B. Legasthenie.

Ein großes Thema sind auch die Fehl- und Doppeldiagnosen. Bestimmte Verhaltensweisen können auf den ersten Blick auf ein psychologisches Problem hinweisen. So sind beispielsweise bei AD(H)S, Depressionen und Asperger-Syndrom sowohl die Abgrenzung als auch eine Überschneidung möglich. Hier kommt es noch mehr auf die Kompetenz der Person an, die den Test durchführt und auswertet. Einige Hinweise dazu stehen im Artikel AD(H)S oder Hochbegabung - Was ist los mit meinem Kind?

Förderung von Familien mit hochbegabten Kindern

Das Leben und der Alltag mit einem hochbegabten Kind können Eltern als besonders anstrengend empfinden. Das liegt aber nicht an der Hochbegabung selbst, denn die ist im Leben sehr nützlich! Probleme entstehen im Zusammenwirken von Kind, Eltern und Schule und diese können gemeinsam angegangen werden. Letztlich können die Eltern selbst entscheiden, ob die Schule überhaupt von dem Ergebnis erfahren soll. Im Artikel Mein Kind ist hochbegabt – Förderung nur außerhalb der Schule? stehen einige Überlegungen dazu.

Besonders wichtig ist, dass Eltern verstehen: auch ein hochbegabtes Kind ist eben immer auch ein Kind und kein „kleiner Professor“. Nicht alles, was an besonderen Begabungen vorliegt, muss sofort und gezielt gefördert werden, denn das kann rasch die gesamte Familie überfordern. Eine Hochbegabung wächst sich ja auch nicht aus, sie begleitet das Kind und die Familie sehr lange. Deshalb sollte man sich dem Thema mit Geduld und Gelassenheit nähern und die eigenen Möglichkeiten realistisch einschätzen. Besonders wenn auch noch Geschwister Aufmerksamkeit fordern ist das sehr wichtig. Im Artikel Pubertät und Hochbegabung – schlimmer geht immer? sind einige Punkte für die weitere Entwicklung aufgeführt.

Sehr zu empfehlen ist der Erfahrungsaustausch mit anderen Eltern. >>Die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind unterstützt diesen Kontakt, indem sie unterschiedliche Veranstaltungen und Gruppen für hochbegabte Kinder, für Eltern und für die ganze Familie organisiert. Veranstaltungen für Kinder, Eltern und ganze Familien. Du kannst aber auch selbst nach weiteren Gruppen für hochbegabte Kinder in deiner Region suchen, die keinen Nachweis durch einen Test erwarten. Auch die Onlineberatung auf ElternLeben.de unterstützt dich gerne, wenn du ein hochbegabtes Kind hast oder eine Hochbegabung vermutest.

Martina Rosenboom

Interview mit >>Martina Rosenboom.
Martina Rosenboom ist Teil des Redaktions-und Online-Beratung Teams bei elternleben.de
Klicke >>hier, um mehr über das Redaktions-Team zu erfahren.

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