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Elternfrage

Mein Kind ist aggressiv und schlägt andere Kinder in der Kita – muss ich etwas tun?

Autorin – Petra Engelsmann | Lesezeit: Etwa 9 Minuten

Wenn Kinder wütend werden, schlagen oder gar andere Kinder verletzen wirkt das auf Eltern sehr belastend. Von Anfang an haben Kinder ein ganz individuelles Temperament: sie sind mehr oder weniger schüchtern und zurückhaltend, lebhaft und neugierig, nachdenklich und wissbegierig. So kennt ihr euer Kind.

Doch wenn euer Kind sehr oft ausrastet und dabei auch schlägt, wenn die Kita berichtet, dass euer Kind ein aggressives Verhalten gezeigt und andere Kinder geschlagen hat, dann fragst du dich, was du machen sollst.  Eines steht fest: es bringt nichts, wenn du selbst aggressiv wirst und losbrüllst. Sondern es ist wichtig genau hinzuschauen, wenn Kinder aggressiv werden. Beobachtet euer Kind genau: was tut es und warum? Kinder haben für alles, was sie tun, einen Grund. So ist nicht jede aggressive Handlung eine handfeste Aggression. Oftmals ist die Reaktion des Kindes eine unerwünschte Handlung auf eine Situation, die hätte vermieden werden können.

Kinder unter 3 Jahren können ihre eigenen Emotionen noch gar nicht richtig bemerken und schon gar nicht verbal äußern. Kinder ab 3 Jahren beginnen sich mit ihren Emotionen verstärkt auseinander zu setzen und benötigen dabei Unterstützung der Erwachsenen. Hier kannst du nachlesen wie Wut entsteht und was du tun kannst.
Was also tun, wenn Kinder in der Kita oder anderen Kindern gegenüber aggressiv sind?

Mädchen auf Spielplatz reißt anderem Kind Spielzeug aus der Hand.

Gründe für aggressives Verhalten rechtzeitig erkennen

Die wichtigsten Gründe für aggressives Verhalten bei Krippenkindern sind, dass sie ihre Emotionen weder äußern noch steuern können. Es liegt somit an den Fachkräften und euch Eltern und eurem Kind zu helfen und es in seiner Entwicklung zu fördern. Besonders dann, wenn Kinder unter einem Jahr alt sind, ist die Motivation für zorniges oder aggressives Verhalten nicht gezielte Aggression! Mögliche Gründe für ein aggressives Verhalten können sein:

Unterbrechung beim Spielen: Kleinkinder werden nicht gern in ihrer Handlung unterbrochen, sondern möchten ihre Spielhandlung beibehalten. Werden sie dennoch von Erwachsenen oder anderen Kindern unterbrochen, so kann es zu zornigem Weinen, Wutanfällen oder anderen Reaktionen kommen, in denen uns das Kind zeigt, dass es unzufrieden ist. Es geht Kindern in diesem Alter darum, ihr Objekt zurück zu bekommen, um ihre Handlung fortzusetzen. Erst wenn das Spielzeug uninteressant ist, lassen sie davon ab.

Neugier und Entdeckerfreude:
Manchmal entdecken Kinder auch bei anderen Kindern ein Spielzeug, das sie besonders spannend finden. Aus purer Neugierde greifen sie danach und wollen es dem anderen Kind wegnehmen. Dieses ist überrumpelt und schreit. Man kann diese kleine Szene schnell falsch als aggressives Verhalten deuten, weil sie oft mit Weinen verbunden ist und eskalieren kann. Aber: hier ist die Freude an der Neuentdeckung das Motiv, das zum Wegnehmen des Spielzeugs geführt hat. Erst nach und nach lernen Kinder, was „mein“ und was „dein“ ist. Hier sind Erwachsene gefordert, dem Kind liebevoll, aber bestimmt zu vermitteln, dass es nicht in Ordnung ist, anderen Kindern etwas wegzunehmen.

Besitzen und Teilen: Aggressives Verhalten tritt auch auf, wenn es ums Teilen geht: Erst mit ca. 22 Monaten fordern Kinder ihren Besitz ein. Das kann lautstark und scheinbar aggressiv geschehen. Spielsachen werden mit dem Wort „meins“ versehen, gehortet und verteidigt. Es ist von großer Bedeutung für diese Entwicklungsstufe eines Kindes zu wissen, was gehört mir und was den anderen. Für die Begleitung der Kinder ist es wichtig, dass wir Erwachsenen nicht darüber hinwegfegen und dem Kind seine Entscheidungsfreiheit nehmen. Wir sollten es Bestärken sagen zu dürfen: „Das gehört mir!“ Teilen muss erst gelernt werden. Konflikte gehören dazu, denn Kinder lernen, dass dadurch auch eine Rangordnung festgelegt wird: alle wollen z.B. den roten Bagger – aber das ist meiner! Diese sozialen Erfahrungen sind ganz we-sentlich – die Freude über den Besitz genauso wie die Freude, die ich bei anderen auslöse, wenn ich etwas abgebe. Die Kita ist ein tolles Lernfeld für diese Erfahrung – auch wenn es einmal etwas lauter wird.

Langeweile und Einsamkeit: Manche aggressiven Verhaltensweisen treten dann auf, wenn Kindern langweilig ist oder sie sich einsam und zu wenig gesehen fühlen. Dies gilt auch für ältere Kitakinder. Denn mit der Aggression kommt die Aufmerksamkeit von Seiten der Erwachsenen ganz automatisch. Hier müssen wir als Eltern und Erzieher*innen aufpassen! Schnell wird das Reagieren auf aggressives Verhalten unsere einzige Reaktion. Besonders in einer größeren Kita-Gruppe kann es vorkommen, dass wir ruhige, unauffällige Kinder zu wenig beachten und erst reagieren, wenn Kinder laut, aggressiv und auffällig werden. Um Aggressionen jedoch zu vermeiden, ist es von zentraler Bedeutung, dass wir gutes und erwünschtes Verhalten fördern und anerkennen. Je mehr Zuneigung wir Kindern geben, umso weniger müssen sie sich diese über negative und aggressive Verhaltensweisen holen.

Tipps und Lösungen, wenn Kinder aggressiv sind

Ist euer Kind im Kindergarten aggressiv schaut genau hin, welche Gründe für die Aggression dahinterstecken könnten! Kinder brauchen Wärme und positive Zuneigung in den Momenten, in denen sie mit ihren Emotionen nicht umgehen können. Erklärungen und Zugeständnisse für das Gefühl an sich sind daher wichtig. Ein klares und bestimmtes NEIN! für Aggressionen, besonders für Schlagen oder Treten, ist gleichfalls wichtig und richtig!

Verhält sich euer Kind aggressiv, dann schaut genau hin, was es emotional bewegt und warum es sich so verhält. Zeigt ihm andere Lösungswege auf! So kann ein wütendes Kind z.B. auf ein Kissen hauen, anstatt auf den Spielpartner. Oder ein trauriges Kind darf sich einen Kuschelplatz aussuchen, damit es wieder positive Energie tanken kann. Wichtig ist, dass die Emotion zugelassen wird. Es gilt das aggressive Verhalten zu verneinen.

Konfliktfähigkeit muss erlernt werden und bedarf immer eines Erwachsenen, der Kinder in den jeweiligen Situationen unterstützt. In einem Konflikt sollen auch immer beide Seiten angehört werden. Nimmt zum Beispiel ein Kind einem anderen etwas weg, darf jeder seine Situation schildern. Hilfreich ist es Kindern auch aufzuzeigen, dass wir als Erwachsene nicht entscheiden können, was nun geschehen soll. Lasst die Kinder Lösungen finden! Oftmals verblüffen sie uns mit ihren kreativen Lösungsansätzen.
Die beste Begleitung von Aggressionen und Konflikten ist das genaue Hinschauen und Begleiten der Kinder!

Was die Kita tun kann, um aggressives Verhalten zu reduzieren

Eine Aggressionsvermeidung alleine ist nicht zielführend, da Kinder lernen müssen, mit Konflikten umzugehen. Hierzu brauchen sie aber uns Erwachsene, die sie darin unterstützen, Emotionen zu erkennen und zu benennen. Die Kita bietet dafür ein gutes, geschütztes Lernfeld. Kinder dürfen ihre eigenen Lösungsansätze umsetzen und lernen dadurch, mit Konflikten umzugehen.

Einige Tipps für den Kitalltag, die Eltern bei Elterngesprächen einbringen können:

  • Dasselbe Spielzeug mehrfach anbieten. Dann wird es weniger Konkurrenzkämpfe geben.
  • Wenige, klare Regeln statt vieler Verbote, damit Kinder eine Orientierung haben und sich gleichzeitig entfalten können, ohne ständig zur Ordnung gerufen zu werden. Nur Gewalt (schlagen, treten, beißen) rechtfertigt eine sofortige Unterbrechung und ein klares „Nein“.
  • Viel Zeit für freies Spiel ermöglichen, damit Kinder ihre Ideen und Interessen umsetzen können.
  • Besonders stille Kinder gut im Blick behalten – nicht nur den Kontakt suchen, wenn es laut wird.
  • Gefühle zulassen – nur so können Kinder lernen, sie zu unterschieden und damit umzugehen.

Wenn die Kita dir sagt, dass dein Kind aggressiv ist, andere Kinder schlägt und sich zu wenig an Regeln hält, solltest du auf alle Fälle das Gespräch suchen und das nicht einfach als „Bemerkung zwischen Tür und Angel“ hinnehmen. Frage dein Kind nach seiner Sicht der Dinge und nach seinem Erleben. Und suche gemeinsam mit der Ansprechpartnerin in der Kita nach den Gründen. Erst dann, wenn ihr wisst warum dein Kind sich aggressiv verhält, könnt ihr mit ihm über sein Verhalten sprechen.

Autorin – Petra Engelsmann

Dieser Artikel wurde von >>Petra Engelsmann verfasst.
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