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Bulimie – Der Teufelskreis von Essen und Erbrechen

Autorin – Melanie Schüer | Lesezeit: Etwa 8 Minuten

Oft ist auffälliges Essverhalten eines Kindes schwer abgrenzbar vom Übergang in eine Essstörung. Nehmen Eltern Auffälligkeiten wahr, können diese Hinweise auf eine sich entwickelnde Essstörung geben. Auch das Wahrnehmen psychischer Belastungen und/oder körperlicher Veränderungen des Kindes, kann erste Impulse zum Erkennen einer Essstörung und den Anstoß zu einer Behandlung geben. Hier findet ihr Informationen über die Essstörung Bulimie.

Was ist Bulimie eigentlich?

Die Bulimie ist eine Essstörung, bei der die Betroffenen versuchen abzunehmen, indem sie sich nach dem Essen übergeben. Oft gibt es einen Wechsel zwischen Phasen des Hungerns, wie bei der Magersucht, die dann durch Ess-Attacken durchbrochen werden. Um die Kalorien wieder loszuwerden, übergeben sich die Betroffenen danach.

Manchmal scheinen sie auch normal zu essen, erbrechen die Nahrung aber heimlich wieder aus. Tendenziell neigen meist ältere Jugendliche zu einer Bulimie, wohingegen die Magersucht häufiger schon in der frühen Pubertät oder Vorpubertät beginnt.

Wie entsteht die Essstörung Bulimie?

Meist handelt es sich um eine Mischung verschiedener Faktoren, die dazu führen, dass jemand an Bulimie erkrankt, u.a.:

  • Einfluss von Schönheitsidealen in der Gesellschaft, in Medien oder in der Familie

  • Selbstwertprobleme

  • Depression

  • Schwierigkeiten, Gefühle zu regulieren (starke Stimmungsschwankungen)

  • Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehe

  • Familiärer Stress, z.B. Suchterkrankungen und andere Belastungen, mit denen die Betroffenen nicht umgehen können. Sie empfinden diese Probleme buchstäblich „zum Kotzen“ und wissen nicht, wie sie sie bewältigen können.

Das Erbrechen führt meist zu einer kurzfristigen Erleichterung – nun sind die Kalorien wieder „weg“ - doch danach empfinden die Betroffenen in der Regel Schuld oder Scham über ihr Verhalten, wodurch sie sich erneut angespannt und unzufrieden fühlen und worunter der Selbstwert leidet. Weil sie Probleme haben, mit negativen Gefühlen umzugehen, kommt es dann oft erneut zu einem Ess-Anfall (Essen als Weg, Gefühle zu verarbeiten). Auch die unregelmäßigen Mahlzeiten fördern das Auftreten von Ess-Anfällen, weil der Hunger zunimmt.

Woran erkenne ich Bulimie?

Die Bulimie ist oft schwerer zu erkennen als die Magersucht, weil die Betroffenen oft gar nicht oder nicht so stark Gewicht abnehmen. Manchmal fällt jedoch auf, dass die Kinder oder Jugendlichen sich vermehrt mit dem Thema „Essen“ (gesund und ungesund bzw. Menge der Kalorien) beschäftigen, unzufrieden mit ihrer Figur sind, Mahlzeiten auslassen oder sehr unregelmäßig essen.

Dies können Bulimie-Symptome sein:

  • Menstruationsstörungen

  • Zahnprobleme (wegen der Säure durch das Übergeben)

  • Aufgedunsene, pralle Wangen (vergrößerte Speicheldrüsen), geplatzte Äderchen in den Augen oder Wunden/Abdrücke am Handdrücken von eigenen Zähnen durch das Erbrechen

  • Extremer Sport, Bewegungsdrang

  • Starke Unausgeglichenheit

  • Auffälliges Aufstehen und Aufhalten auf der Toilette nach den Mahlzeiten

  • Verzerrte Körperwahrnehmung (Wahrnehmung als dick, obwohl das nicht zutrifft)

Ich vermute eine Bulimie bei meinem Kind – Das kann ich tun

Wichtig ist, den Verdacht ernstzunehmen, ohne Panik zu verbreiten. Sonst kann es passieren, dass sich die Kinder und Jugendlichen oft noch mehr verschließen, weil sie sich unter Druck gesetzt fühlen. Dennoch solltest du dir Hilfe holen, denn unbehandelt kann eine Bulimie schwerwiegende Folgen haben, z.B. Karies, Einrisse der Speiseröhrenwand, Vergrößerung der Speicheldrüsen, Entzündungen der Speiseröhre und, wenn zusätzlich Abführmittel genutzt werden, lebensgefährliche Herzrhythmusstörungen.

Sprich deine Besorgnis deinem Kind gegenüber vorsichtig, aber offen an, formuliere sie dabei aber nicht als Vorwurf, sondern als „Ich-Botschaft“, indem du zum Beispiel folgendes sagst: „Ich mache mir Sorgen um dich und denke, dass du vielleicht eine Essstörung haben könntest. Ich habe das Gefühl, dass dich etwas stresst und möchte dich gerne unterstützen.“ Es ist ganz natürlich, wenn die Kinder das Problem zunächst abstreiten. Das liegt daran, dass sie sich die Bulimie oft selbst noch nicht eingestehen wollen, sich schämen und vor den Auswirkungen eines Eingeständnisses fürchten. Vielleicht gibt es aber einen anderen Erwachsenen, im Leben deines Kindes, der ein einfühlsames Gespräch mit ihm führen kann, wenn es zurzeit (noch) nicht mit dir reden möchte.

Welcher Arzt/Ärztin kann bei Bulimie Hilfe anbieten?

Um die Bulimie zu behandeln, sind als erste Schritte ein Gespräch mit dem Haus- oder Kinderarzt/Ärztin sinnvoll. Danach beginnt meist eine psychotherapeutische Behandlung (Adressen von Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten z.B. auf www.therapie.de). Wenn die Wartezeiten auf einen Therapieplatz lang sind, kann man diese oft gut mit Gesprächen in einer Familienberatungsstelle überbrücken (www.dajeb.de). In einer Psychotherapie wird die Bulimie folgendermaßen behandelt:

  • Förderung von Selbstwert und sozialer Kompetenz

  • Veränderung des verzerrten Körperbildes

  • Wenn nötig: Maßnahmen zur Gewichtssteigerung

  • Auseinandersetzung mit negativen Gedankenmustern

  • Bearbeitung weiterer Stressfaktoren wie Leistungsdruck, familiäre Konflikte, etc.

  • Einüben von alternativen Wegen, Gefühle zu verarbeiten (statt durch Essen und Erbrechen)

Was bedeutet Bulimie beim eigenen Kind für die Eltern?

Neben der Einleitung von Hilfe ist es wichtig, dass die Eltern deutlich machen: Wir verurteilen dich nicht. Du musst dich nicht schämen und kannst über alles mit uns reden. Eltern sollten auch – möglichst bereits BEVOR ihr Kind Essstörungen zeigt – ihren eigenen Umgang mit Ernährung und Aussehen reflektieren. Wenn die Mutter oder der Vater sehr viel Wert auf eine schlanke Figur und einwandfreies Aussehen legt und dafür selbst oft Diäten macht, kann das schnell zum Nährboden für Essstörungen bei den Kindern werden. Denn Eltern sind die wichtigsten Vorbilder und bringen ihren Kindern bei, welche Rolle das Aussehen spielt und wie man mit dem eigenen Körper umgeht.

Ermutigung ist wichtig – betone immer wieder, worüber du dich bei deinem Kind freust, worauf du stolz bist, was du an ihm/ihr magst. Nimm dir regelmäßig Zeit für positive Aktivitäten wie gemeinsame Radtouren, Spaziergänge, Spiele, Kinoabende, o.ä.

Elternteil eines Kindes oder Jugendlichen mit Bulimie zu sein, ist sehr belastend. Daher achte darauf, dass sich der Alltag nicht nur noch um das Essen dreht und dein Kind nicht den Eindruck bekommt, darauf reduziert zu werden. Oft hilft es, auch für sich als Mutter oder Vater Gespräche in einer Familienberatungsstelle in Anspruch zu nehmen. Denn damit du deinem Kind Sicherheit und Orientierung vermitteln kannst, ist es wichtig, dass auch du irgendwo deine Sorgen besprechen und mit einer neutralen Person dein Verhalten als Elternteil reflektieren kannst.

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Melanie Schüer_Expertin ElternLeben.de

Autorin – Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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