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Selbstwertgefühl deines Kindes stärken – nach dem Lockdown

Autorin – Melanie Schüer | Lesezeit: Etwa 7 Minuten

Die langen Schließungen von Schulen, Kitas und Freizeitangeboten sind für die kindliche Entwicklung nicht ohne Folge geblieben. Ein ganz wesentlicher Bereich ist dabei das Selbstwertgefühl. Gemeint ist damit die Überzeugung: „Ich bin wichtig, ich bin wertvoll, so wie ich bin“ - eng verwandt mit dem Selbstbewusstsein. Im Folgenden erklären wir, inwiefern dies unter Corona gelitten haben kann. Und natürlich erfährst du auch, was du tun kannst, um dein Kind zu stärken.

Das Selbstwertgefühl bei Eltern und Kindern

Fangen wir mal bei den Eltern an, denn wenn es uns mies geht, wird es für die Kinder umso schwieriger. Unfassbar, was wir alles leisten mussten und noch müssen durch die Zusatzbelastungen der Pandemie. Geschlossene Kitas und Schulen, Wechselunterricht, Home Schooling, ständig wechselnde Regeln, Tests, Quarantäne usw. – neben dem üblichen Eltern-Wahnsinn hat Corona echt nochmal so einiges an Stress mitgebracht.

Die meisten Eltern kennen das Gefühl, ohnehin nie alles zu schaffen. Und durch die Corona-Besonderheiten ist die Zeit für viele Familien noch knapper geworden. Die Wäscheberge stapeln sich, die unerledigten Papiere ebenso und das Kind sitzt mal wieder viel zu lange vor dem Bildschirm. An Sport ist kaum zu denken und vor lauter Frustessen sind inzwischen einige Kilos mehr auf der Waage.

Da kommen schnell Gedanken auf wie:

  • „Ich kriege es einfach nicht hin!“
  • „Ich bin eine schlechte Mutter/schlechter Vater“
  • „Andere schaffen es doch auch, warum wir nicht?“

Die gute Botschaft ist: So geht es richtig, richtig vielen Eltern! Nur durch die Isolation und auch durch den Wunsch, nach außen möglichst perfekt zu wirken, kriegen wir das bei den anderen selten mit. Wenn du mal ganz objektiv überlegst:

  • Welche Summe an Aufgaben musstest du in der letzten Zeit alle übernehmen?
  • Wie viel Zeit stand dir zur Verfügung?
  • Wie viel Zeit hattest du für Ruhe, Freizeit, Erholung noch übrig?

Stell‘ dir mal vor, eine gute Freundin würde dir den Alltag erzählen, den du so hast. Würdest du ihr auch sagen, dass sie ganz schön wenig hinkriegt? Oder würdest du ihr nicht eher anerkennend auf die Schulter klopfen oder sie in den Arm nehmen und sagen: „Wahnsinn, was du alles schaffst! Du brauchst dringend Zeit für dich!“?

Vielleicht nimmst du dir mal eine Viertelstunde und schreibst einen liebevollen Brief an dich, aus der Sicht einer solchen wertschätzenden Freundin. Und denk dran – Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Sie brauchen Eltern, die echt sind, zu ihren Fehlern stehen, bereit sind, dazuzulernen, sich auch mal zu entschuldigen und die ihren Kindern Liebe und echtes Interesse entgegenbringen. 

Das kindliche Selbstwertgefühl stärken

Und die Kinder? Was ihnen oftmals fehlt, sind Unbeschwertheit und auch Erfolgserlebnisse, z.B. im Sport, beim Spiel mit Freunden oder in der Schule. Viele Kinder sind durch das Homeschooling schlechter mit den Aufgaben klargekommen und haben dadurch den Eindruck, vieles nicht zu schaffen. Schwimmkurse konnten nicht absolviert werden und auch andere Freizeitaktivitäten, bei denen die Kinder sich anstrengen und dann die Früchte ihrer Anstrengung ernten, fielen aus. Lehrpersonen, die auch mal ein wertschätzendes Wort fallen lassen, wurden oft nur virtuell gesehen und vielleicht hatten auch die Eltern wenig Zeit und kaum Energie für anerkennende Worte. Wenn die Eltern zudem ständig gestresst und überfordert wirken (verständlicherweise!) kann in Kindern das Gefühl entstehen, eine Last zu sein. All das führt zu Verunsicherung.

Was können wir als Mutter/Vater tun, um das Selbstwertgefühl zu stärken?

Aufmerksam sein! Auf das Kind zu gehen, Interesse zeigen, nachfragen, zeigen: „Ich sehe dich! Ich bin interessiert an dir und dem, was dir wichtig ist! Ich verbringe gerne Zeit mit dir!“
Zeitfenster, wenn auch nur kurze, einplanen, für schöne gemeinsame Aktivitäten wie ein Spiel, ein Spaziergang, Basteln, o.ä. Auch kleine Erfolgserlebnisse wertschätzen. Und nicht nur die Leistung anerkennen, sondern - sogar viel häufiger - den Weg dahin, nämlich die Anstrengung, das Bemühen, den Mut des Kindes. Betonen, dass das Kind sich Mühe gegeben hat, dass es Fortschritte macht, was es geschafft hat, weil es nicht aufgegeben hat.

Ermöglichen, was geht: Wie vorsichtig man gesundheitlich ist, muss jede Familie für sich entscheiden. Allerdings zeigt die Forschung, dass Corona für Kinder tendenziell nicht sehr gefährlich ist. Äußerst schädlich sind hingegen dauerhafte Isolation. Daher sollten Eltern ihren Kindern zuliebe Kontakte und Aktivitäten so bald wie möglich wieder erlauben und dabei nicht zu sehr Gefahren betonen, weil sonst kindliche Ängste den Erkundungsdrangeinschränken können.

Kleine Projekte zuhause durchführen, bei denen Kinder merken: Ich kann etwas erreichen! Z.B. gemeinsam eine Wanderung machen und sich eine bestimmte (realistische) Strecke vornehmen, eine Liste mit Verwandten machen, für die man Karten bastelt, Spielsachen, die nicht mehr benutzt werden aussortieren eine Bastelaktion, etwas Backen oder Kochen, dass das Kind (mit) ausgesucht hat, etc.
Frust und Enttäuschungen anerkennen und reflektieren: Vieles ging im Lockdown nicht und manches geht auch jetzt noch nicht.

Wir können das oft nicht ändern, aber es hilft, darüber mit dem Kind zu sprechen und sich mal gemeinsam den Ärger von der Seele zu reden. Versuche nicht immer gleich, zu vertrösten, sondern lass es auch mal stehen, dass das alles nervt und richtig ätzend ist.
Die Botschaft „Du bist liebenswert, so wie du bist“ - immer mal wieder so oder so ähnlich sagen, aber es gibt auch empfehlenswerte Bücher dazu wie z.B. „Du bist einmalig“ von Max Lucado oder „Das kleine Ich bin Ich“ von Mira Lobe.

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Melanie Schüer_Expertin ElternLeben.de

Autorin – Melanie Schüer

Dieser Artikel wurde von Melanie Schüer verfasst.
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