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Drei-Monats-Koliken oder einfach nur ein Entwicklungsschub?

Wenn es um die Gesundheit unserer Kinder geht, werden wir als Eltern schnell unsicher. Soll man noch ein wenig warten oder gleich zum Arzt gehen? Und was ist, wenn du mit der Diagnose nicht viel anfangen kannst? Gut, wenn man vertrauenswürdige Informationen hat, wie z.B. die folgenden zum Thema Drei-Monats-Koliken, die unsere Kinderärztin, Dr. Nikola Klün, für euch zusammengestellt hat.

Woran erkenne ich die sogenannten Drei-Monats-Koliken?

Emils ganzer kleiner Körper zuckt zusammen, sein Gesicht wird rot, seine Unterlippe beginnt zu beben. “Nein, nein, nein“ denkt Emils Mama. Mittlerweile weiß sie, dass das nun bedeutet, dass er mindestens die nächsten zwanzig Minuten weinen wird, dass wenn das Weinen zu stark wird, sie vermutlich mitweinen wird und dass die „Maßnahme Nummer 23“ (diesmal DER Geheimtipp) auch nicht den bahnbrechenden Erfolg gegen sein herzzerreißendes Weinen gebracht hat.

Sie war bereits beim Kinderarzt, aber der hat sie nur vertröstet. In ein paar Wochen verschwinde das von ganz alleine. Ob das wirklich Bauchschmerzen seien, so wie Emils Mama das vermutet habe, könne er nicht sagen. Nur dass der Spuk in der Regel nach drei Monaten von ganz alleine verschwindet. Wochen, die einem als betroffene Mutter wie eine halbe Ewigkeit vorkommen und in denen sich der Ratschlag abzuwarten, kaum umsetzen lässt.

Drei-Monats-Koliken sind eine Regulationsstörung des Babys

Was genau sind eigentlich diese Drei-Monats-Koliken? Heutzutage wäre die korrekte Bezeichnung: Regulationsstörung. Drei-Monats-Koliken hießen so, weil das Verhalten in der Regel in den ersten drei Lebensmonaten auftritt und es auf uns Erwachsene so wirkt, als ob die kleinen Babys von Darmkoliken geplagt seien. Die Beinchen werden angezogen, das Gesicht wird rot. Oft beobachten die Mütter parallel Verdauungsschwierigkeiten ihrer Babys, es wird gepupst, aufgestoßen und gespuckt und so lag lange Zeit der Verdacht nahe, dass der Darm unserer Babys der Übeltäter sei.

Aber: Schaut man sich mal Röntgenaufnahmen von den betroffenen Babys an, haben diese nicht mehr Luft im Darm als „gesunde“ Babys. Und beobachtet man die Babys mal genauer, stellt man fest: die Verdauungs-schwierigkeiten treten auch ganz unabhängig von den Wein-Phasen auf. Dass vor allem in den frühen Abendstunden geweint wird, wird durch die „Bäuchlein-Theorie“ auch nicht erklärt.

Deswegen wurden die Drei-Monats-Koliken umbenannt und man spricht heutzutage von einer Regulationsstörung. Was meint man damit? Die Babys brauchen die Hilfe der Betreuungsperson, um ihre Emotionen zu regulieren und können das noch nicht selber. Sie bleiben sozusagen in einer Emotion wie zum Beispiel Unruhe oder Unwohlsein wie eine alte Platte „hängen“ und brauchen unsere Hilfe, um da herauszukommen. Die allerwenigsten Babys können von Anfang an ganz alleine eine „neue Platte“ auflegen und sich selbst regulieren, aber es gibt große Unterschiede, wieviel Hilfe benötigt wird, um die Platte zu wechseln.

Was führt zur Unruhe deines Babys, wenn es nicht hungrig ist, eine volle Windel hat, ihm zu kalt, zu warm oder zu alleine ist?

Dein Baby ist während der Schwangerschaft in einem Paradies. In deiner Gebärmutter steht ihm alles zu Verfügung, was es braucht. Es ist warm, es wird stets ernährt und hört deinen Herzschlag. Sobald es auf die Welt kommt, stürmen unglaublich viele unbekannte Reize auf dein Baby ein: Lichter, Geräusche, Gerüche - und vor allem lernt es auch unangenehme Gefühle wie Hunger, Kälte, Schmerzen und Müdigkeit kennen. Damit müssen die kleinen Wesen erst mal umgehen. Je länger der Tag wird, desto mehr wird das kleine Wesen mit unserem Alltag gefordert. Gegen Abend wird es dann einfach zu viel - das Baby ist überstimuliert und das muss verarbeitet werden. Es hat aber noch nicht die Fähigkeit gelernt, sich selbst zu beruhigen und so wird geweint.

Entwicklungsschübe müssen Babys erst einmal verarbeiten

Abgesehen von all den Eindrücken wird dein Baby in den ersten 12 Lebenswochen zwei große Entwicklungs-schübe bewältigen und viel Neues lernen. Der erste Schub findet um die 5./6. Lebenswoche statt. Dein Baby lernt in dieser Zeit einiges. Es wird in dieser Zeit das erste Mal mit Tränen weinen, wird deutlich besser sehen und auch die Verdauung funktioniert reibungsloser.

Der erste Schub geht manchmal nahtlos in den zweiten Schub über. In der 8. Lebenswoche macht dein Baby einen großen Sprung, was das Sehen aber auch was seine Koordination anbelangt. Muster werden besser erkannt, Bewegungen werden flüssiger. Ganz typisch für Entwicklungsschübe ist, dass die Babys noch Liebes- und Nähe bedürftiger sind, noch mehr trinken und noch mehr weinen. Eine anstrengende Zeit für die Eltern und auch für das Baby.

Was kannst du tun, wenn dein Baby in den ersten Lebensmonaten viel weint?

Erst einmal hilft dir hoffentlich das Wissen, dass dein Baby keine Schmerzen leidet und dass du als Mama nichts falsch gemacht hast. Unsere Babys sind schon ab Geburt unterschiedliche Charaktere und so sind manche sensibler und weinen mehr als andere. Manchen Babys setzt das neue Leben außerhalb des Mutterleibs mehr zu und sie müssen sich vorsichtiger dran gewöhnen als andere.

Dein Baby wird sich völlig normal entwickeln und auch eure Bindung wird davon keinen Schaden nehmen.
Du kannst deinem Baby an die Gewöhnung an das neue Leben helfen, indem du sie möglichst sanft gestaltest. Das heißt, dass du in den ersten drei Monaten die Bedingungen aus dem Bauch so gut wie möglich imitierst. Viele Naturstämme tun das intuitiv und siehe da: die sogenannten „Drei-Monats-Koliken“ sind da völlig unbekannt:

  • Dein Baby ist gewöhnt ständig mit Nahrung (also der Nabelschnur versorgt zu sein). Du machst ihm den Übergang in unsere Welt leichter, wenn du ganz nach Bedarf stillst. Mach dir keine Sorgen um einen Rhythmus, der entsteht von ganz alleine ab dem dritten Monat.
  • Unsere Babys sind Traglinge. Sie fühlen sich einfach am wohlsten, wenn sie möglichst nah an der Mama sind, den Herzschlag spüren und die Haut riechen können. Zum Schlafen soll dein Baby natürlich auf dem Rücken liegen, aber tagsüber fühlt es sich in der Trageposition oder in Seiten- und Bauchlage meistens wohler.
  • Wir neigen dazu, um unsere Neugeborene herumzuschleichen und zu flüstern. Babys sind aber aus dem Bauch einen ganz schönen Lärmpegel gewohnt. Mit lautem Zischen rauscht die Aorta an ihren Ohren vorbei. Deswegen fühlt sich für dein Baby ein stiller Raum vielleicht sogar etwas beängstigend an. Du hast vielleicht schon festgestellt, dass es am besten bei vielen Hintergrundgeräuschen einschläft oder wenn du dich föhnst oder staubsaugst. Einige App-Anbieter haben das Phänomen mittlerweile auch erkannt und bieten Apps mit weißem Rauschen an.
  • Die Erinnerung an den Mutterleib ist auch der Grund warum Babys so gerne geschaukelt werden.

    Auch Mütter brauchen Hilfe!

    Vergiss nie: die spannende, aber auch sehr anstrengende Phase der ersten Wochen geht ganz schnell vorbei. Bald wird dein Baby viele Möglichkeiten gelernt haben sich selbst zu beruhigen und bald wird es sich an unsere Welt erstaunlich schnell gewöhnt haben.

    Solltest du in den ersten Wochen an das Ende deiner Kräfte kommen, hol dir Hilfe. Lass dich von der Familie unterstützen, wo immer es auch geht. Zögere nicht, dir auch professionelle Hilfe zu holen und sprich deine Hebamme oder deinen Kinderarzt an. Oder suche auf >>www.wellcome-online.de nach einer praktischen Unterstützung durch Ehrenamtliche.

    Denn: nur wenn es dir selbst gut geht, kann es auch deinem Baby gutgehen.

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    Autorin – Dr. Nikola Klün

    Dieser Artikel wurde von >>Dr. Nikola Klün verfasst.
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