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Leben im Ausland — 7 Tipps für den Erhalt der Muttersprache

Gastautorin – Sarah Derkaoui | Lesezeit: Etwa 13 Minuten

Ob in Kairo, Singapur, Ontario oder Paris — wenn deutsche Familien im Ausland leben, stellen sich viele irgendwann die Frage, wie sie ein muttersprachliches Niveau der deutschen Sprache bei ihren Kindern erhalten und fördern können.

“Wie vermeide ich, dass meine Kinder Deutsch verlernen?” ist ein beliebtes Thema in Gruppen deutscher Familien im Ausland. Und zwar neben der Frage: “Wie kann mein Kind am besten die Landessprache bzw. Fremdsprache erlernen?” In diesem Artikel fasse ich meine eigenen Erfahrungen zusammen und teile die besten Tipps zum Erhalt der Muttersprache, die ich von anderen Eltern bekommen habe.

Freunde helfen beim Erhalt der Muttersprache

In den meisten Großstädten der Welt gibt es eine (wenn auch oft kleine) deutsche Community. Um diese zu finden, kannst du es einerseits mit Facebook versuchen oder dich auf die Suche nach Geschäften und Buchläden machen, die deutsche Produkte oder eben Bücher verkaufen. Erfahrungsgemäß besteht dort eine große Chance, auf andere Deutschsprachige zu treffen. Eine weitere Option sind deutsche Schulen und Kindergärten.

Auch wenn du dich nicht dafür entscheidest, dein Kind in einer deutschen Auslandsschule deines momentanen Aufenthaltslandes anzumelden, kannst du über die Facebook- und Website solcher Schulen Kontakte mit deutschsprachigen Familien knüpfen. Viele Schulen bieten über das Jahr verteilt verschiedene Aktivitäten oder Bazare an, die der Allgemeinheit zugänglich sind. Dort kannst du dich erstens mit tollen deutschen Lernmaterialien für deine Kinder eindecken und zweitens neue Bekanntschaften machen.

Hast du dir schließlich einen kleinen Freundeskreis aufgebaut, sind wöchentliche Eltern-Kind-Treffs oder Playdates ein tolles Mittel, deinen Kindern und dir eine Verbindung zum natürlichen Sprachgebrauch des Deutschen zu erhalten. Wir haben diese Treffs in einem kleinen Kreis gehalten und uns im wöchentlichen Wechsel bei einer anderen Familie getroffen. Und um es für den/die Gastgeber/in so stressfrei wie möglich zu gestalten, brachte jede von uns nach amerikanischer “Potluck”-Manier etwas Essbares mit.

Denn eins kann ich definitiv bestätigen: Wer seine Muttersprache nicht regelmäßig gebraucht, rostet ein. Und weil dazu nicht nur Deutsch sprechen mit Kindern und eben das Hören (wie in der Alltagskommunikation), sondern auch lesen und schreiben gehören, habe ich gleich den nächsten Tipp für dich.

Lesen fördert den Wortschatz

Einige deutsche Familien in meinem Bekanntenkreis, die ebenfalls im Ausland leben, entscheiden sich dazu, ihre Kinder auf eine Schule zu schicken, in der Englisch die Hauptsprache ist. Gerade bei längeren Auslandsaufenthalten in immer wechselnden Ländern macht dies durchaus Sinn. Im Gegensatz zu Schulen mit Englisch als Hauptsprache gibt es deutsche Schulen nicht überall. Auf der anderen Seite ist Englisch für die globale Kommunikation fundamental und ein gutes Sprachniveau ist für viele Berufe eine Grundvoraussetzung.

Der Nachteil: Englisch in der Schule, Landessprache in der Kommunikation mit den Menschen in der Umgebung und schließlich Deutsch zu Hause. Das Dilemma aller, die sich für mehrsprachige Erziehung entscheiden. Kann so ein Sprachen-Mischmasch überhaupt funktionieren? Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es manchmal nicht einfach ist, solche Trennlinien wirklich konsequent umzusetzen. Und oft bleibt die Muttersprache in einer solchen Konstellation auf der Strecke. Dazu kommt: Die Kommunikation innerhalb der Familie bewegt sich objektiv betrachtet meist in den immer gleichen Wortfeldern.

Um bei Kindern einen facettenreichen Wortschatz in der deutschen Sprache zu fördern, sollte Lesen deshalb unbedingt zum täglichen Ritual gehören (das gilt natürlich auch für uns Eltern!). Uns hat Folgendes geholfen:

eBooks nutzen!
Viele deutsche Bibliotheken bieten mittlerweile die Möglichkeit, Bücher online auszuleihen. Darunter die sehr gut ausgestattete Online-Bibliothek des Goethe-Instituts, die ich selber nutze und wärmstens empfehlen kann. Eine tolle Option sind auch die Kindle-Dienste von Amazon.

Hausbibliothek anlegen!

Zugegeben, nicht überall im Ausland gibt es deutsche Buchhandlungen. Deshalb entweder aus Deutschland schicken lassen, oder den Familienbesuch überreden, bei der nächsten Reise 5 Kilogramm Bücher aus Deutschland mitzubringen.

Bazare abklappern!
Wo es deutsche Schulen, Kindergärten und Goethe-Institute gibt, sind deutsche Bücher für jedes Alter meist nicht weit. Falls du in einem entlegenen Gebiet lebst, lohnt sich vielleicht ein monatlicher Trip in die Landeshauptstadt oder die nächstgelegene Großstadt, um diese Quellen voll auszuschöpfen.

Fernsehen für Bildung und Muttersprache

Trotz beständiger Motivation, Trips zur deutschen Buchhandlung und vorbildlicher Bücher-Ausstattung im Kinderzimmer liest dein Kind einfach nicht gerne? So einen Fall habe ich auch zu Hause.

Mein Tipp zur Vermeidung einer Sprachverkümmerung (ich übertreibe gerne ein bisschen) ist der wöchentliche Filmabend. In Zeiten von YouTube, Netflix und Amazon Prime ist ein solcher auch fast auf der ganzen Welt möglich. Zumindest überall dort, wo eine stabile Internetverbindung besteht. Bei uns ist das mittlerweile ein etabliertes Ritual, das der ganzen Familie Spaß macht.

Die Kinder dürfen sich einen kindgerechten Film aussuchen (unter elterlicher Vermittlung, falls diese gebraucht wird) und die Eltern sorgen idealerweise für das nötige Kino-Feeling. Popcorn, Nachos mit Dips und Erdnüsse gehören bei uns auf jeden Fall dazu und machen aus dem Filme-Abend eine echte Family-Affair.

Für’s “Fernsehen zwischendurch” empfehle ich die YouTube-Playlists von “Willi will’s wissen”, “Anna und die Tiere”, sowie natürlich die altbekannten Klassiker: Sendung mit der Maus/dem Elefanten und Löwenzahn.

Aus dem Ausland schreiben – Brief-Freundschaften aufbauen

Die Bereiche Lesen, Hören und Sehen hätten wir dann soweit abgedeckt, aber was ist mit dem Schreiben? Eine Freundin macht mit ihren Kindern etwas, das sie “Schreiben nach Themen” nennt. Und das geht so: Kinder oder Eltern suchen sich ein spannendes Thema aus. Dann wird erst einmal gemalt. Buntstifte, Wasserfarben, Wachsmalkreiden oder Filzstifte — da ist natürlich alles erlaubt, was das Herz begehrt.

Wenn jeder sein kreatives Kunstwerk fertig hat, wird eine Runde gestaunt und gelobt, bevor es mit der nächsten Aktivität weitergeht: Jetzt sind Vorstellungskraft und Fantasie gefragt! Jeder schreibt alle Wörter auf, die ihm zum eigenen Bild einfallen. Im dritten und letzten Schritt verbindet jeder diese Wortwolke zu einer zusammenhängenden Geschichte. Bei kleineren Kindern reichen einige kurze Sätze aus.

Meine Freundin sammelt die Bilder mit den zugehörigen Geschichten für jedes Kind in einer eigenen Mappe. Denn manchmal macht es den Kleinen großen Spaß, ihre eigenen Geschichten von Zeit zu Zeit wieder zu lesen — oder den kleinen Geschwistern vorzulesen. Das wirkt dann wiederum als Ansporn fürs nächste Mal.

Ein weiterer Tipp sind E-Mail- oder Brieffreundschaften. Wir haben dazu einfach unseren Freundes- und Verwandtenkreis genutzt und herumgefragt, wer an so etwas Interesse hätte. Das Tolle daran ist, dass die Kinder so aus ihrem eigenen Leben berichten können und echtes Feedback bekommen. Ideal ist es natürlich, wenn die beiden Schreiberlinge in einem ähnlichen Alter sind und vielleicht ein paar Interessen haben, die sie verbinden.

Hörbücher unterstützen die Muttersprache

Geht es allen Mamas so? So lieb mir unser abendliches Vorleseritual ist, so gibt es doch manchmal Abende, an denen ich eine kleine Auszeit für mich brauche: Eine warme Tasse Tee, meine Lieblingskuscheldecke und ein Gespräch mit meiner besseren Hälfte ohne Kinder-Unterbrechung. An solchen Abenden darf sich jedes Kind ein Hörbuch aussuchen.

Wir nutzen dafür die bereits erwähnte Online-Bibliothek des Goethe-Instituts. Andere deutsche Familien im Ausland haben gute Erfahrungen mit audible.de gemacht. Dort zahlt man einen monatlichen Festpreis und bekommt dafür eine Flatrate für das Hörbuch-Streaming. Auch Amazon Prime lässt sich in dieser Hinsicht nutzen. Meine Kinder mögen gerne die Geschichten vom kleinen Drachen Kokosnuss und den Olchis. Ein absoluter Dauerbrenner sind bei uns die Geschichten vom Franz, selbst vorgelesen von Autorin Christine Nöstlinger.

Hörbücher eignen sich natürlich auch für andere Gelegenheiten. Wenn wir mal wieder länger mit dem Auto unterwegs sind, begleiten uns oft die Hörbücher der TKKG-Serie. Und das hat gleich zwei Vorteile: Erstens dürfen wir Erwachsenen auch mitfiebern und zweitens trainieren die Kinder so ihr Hörverstehen. Durch die Themenvielfalt der erhältlichen Hörbücher ist das ein echter Life-Hack für den Erhalt der Muttersprache trotz Leben im Ausland.

Mit Kinder-Websites den Erhalt der Muttersprache fördern

Im Internet gibt es unglaublich viele Angebote mit tollen Inhalten für Kinder jeden Alters. Wenn Kinder interessante Artikel über Themen lesen, die sie selbst brennend interessieren, merken sie nicht, dass sie eigentlich lernen. Wir haben schon vor Jahren die Website zur Zeitschrift Geolino für uns entdeckt.

Seiten wie Geolino bieten nicht nur Spannendes und Wissenswertes zu aktuellen Ereignissen und Artikel für das Allgemeinwissen, sondern haben auch eine Rubrik für jahreszeitgemäße Bastelideen und Rezepte. Gerade letzteres lohnt sich auch zum Stöbern für uns Erwachsene. Eine weitere empfehlenswerte Website ist Lernspaß für Kinder. Hier steht zwar das Lernen etwas mehr im Vordergrund, aber meinen Kindern gefällt die Auswahl an Spielen und Videos sehr gut. Und die kindgerechten Figuren um Calli Clever machen alles gleich viel spaßiger!

Wenn Kinder selbstständig im Netz nach Informationen suchen möchten, eignet sich die Suchmaschine 'Blinde Kuh' sehr gut. Betrieben von einem gemeinnützigen Verein und gefördert vom Bundesministerium für Familie, Frauen und Jugend, hat die Kindersuchmaschine das Ziel, Kindern den Einstieg in das Internet zu erleichtern. Mittlerweile bietet die Seite zusätzlich zur Suchfunktion auch Online-Spiele, eine News-Rubrik und Tipps für weitere nützliche Kinderseiten im Web.

In ‚deinem‘ Ausland Veranstaltungen besuchen

Je nachdem, in welchem Land und welcher Region du mit deiner Familie lebst, gestaltet sich das unterschiedlich schwer. Ich habe hier in Kairo den Vorteil, dass ich in der größten Metropole Afrikas lebe und es viele Möglichkeiten gibt, deutschsprachige Angebote zu nutzen. Aber auch, wenn du abgelegen wohnst, kannst du vielleicht einen monatlichen Ausflug in die Landeshauptstadt einrichten, um die dortigen Veranstaltungsangebote zu nutzen.

Als Startpunkt eignet sich das Goethe-Insitut wunderbar. Vor der Pandemie gehörten Vorlesestunden für Kinder, Flohmärkte und Lesewettbewerbe zum regelmäßigen Angebot. Viele Goethe-Institute verfügen zusätzlich über eine Bibliothek mit einer großen Vielfalt an deutschen Büchern für jedes Alter.

Auch Facebook lässt sich wunderbar nutzen, um Expat-Communities (Gruppen, in denen sich deutsche Familien, die im Ausland leben, organisieren) in deiner Region zu finden und über deren Veranstaltungen und Events informiert zu bleiben.

Fazit: Jede Familie findet ihren eigenen Weg

Ich habe in den vergangenen Jahren viele Familien kennengelernt und tolle Freundschaften geschlossen. Manche leben schon seit vielen Jahren im Ausland und für andere ist der Auslandsaufenthalt eine einmalige, zeitbegrenzte Periode. Allein schon deshalb gibt es zu diesem Thema wahrscheinlich so viele Strategien und Tipps, wie es Situationen gibt.

In diesem Artikel habe ich geteilt, was mir und meinen Bekannten dabei geholfen hat, den Erhalt der Muttersprache bei meinen Kindern (und mir!) zu fördern. Das Leben im Ausland ist ein Abenteuer und unterscheidet sich je nach Zielort sehr von einer Familie zur anderen. In meinen Tipps habe ich versucht, Möglichkeiten aufzuzeigen, die sowohl einfach umsetzbar, als auch leicht zugänglich sind.

Konntest du nützliches für dich herausnehmen? Teile diesen Artikel gerne auf Social Media!

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Gastautorin – Sarah Derkaoui

Sarah Derkaoui schreibt auf ElternLeben.de zu den Themen Erziehung und Bildung. Als Mutter von drei Wirbelwinden lässt sie dabei sowohl eigene Erfahrungen aus ihrem Familienalltag, als auch ihren akademischen Hintergrund (B.A. Bildungswissenschaften) einfließen.

In ihrem Traumberuf Texterin ist sie für diverse Verlage tätig und unterstützt >> Health-Experten bei der Texterstellung für Print- und Online-Medien. Neben Erziehung gehören Psychologie, Funktionelle Medizin und Ernährung zu ihren Lieblingsthemen.

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