Elternfrage

Woche 55: Der 8. Wachtstumsschub

Um die 55. Woche herum ereignet sich der 8. und damit letzte Wachstumsschub des ersten Lebensjahres. Oft beginnen die ersten Symptome dieses Entwicklungssprungs schon in der 51. Woche und dauert dann meist vier bis fünf Wochen. Der 8. Schub ist ein ganz besonderer, weil er den Übergang vom Baby- zum Kleinkindalter beinhaltet.

Hier erfährst du, welche Symptome der 55 Wochen Schub hat, was das Baby lernt und wie du es dabei unterstützen kannst.

Lesezeit: Etwa 4 Minuten
8. Wachstumsschub: Der 55 Wochen Schub im Detail

8. Schub: Anzeichen und Symptome

  • Quengeln und Weinerlichkeit: Du kennst das schon inzwischen von deinem Kind - neue Entwicklungen bringen meist ein zeitweises emotionales Ungleichgewicht mit sich. Auch Wutanfälle kommen wieder häufiger vor. 
  • Tagesschlaf: Gerade die Umstellung auf einen Mittagsschlaf (statt zwei Tagesschläfchen) spielt hier ein großes Thema. Manche Babys haben damit schon im 7. Schub begonnen, bei vielen passiert es jetzt und bei anderen auch erst später. Sei gelassen und rechne damit, dass auch diese Veränderung Tränchen und schlechte Laune auslösen kann, weil öfter mal Übermüdung auftreten wird und der gewohnte Rhythmus durcheinander gerät.
  • Schlafprobleme: Auch nachts kann der Schlaf sich verändern während dieses Entwicklungssprungs. Häufig fällt es den Kleinen bei all den neuen Entwicklungen schwieriger, zur Ruhe zu finden oder nachts, wenn sie aus dem Leichtschlaf erwachen, wieder zurück in's Reich der Träume zu finden.
  • Fremdeln und Anhänglichkeit: Viele Babys sind nach dem 7. Schub wieder mutiger und entdeckungsfreudiger und wollen nun erst einmal wieder ganz viel Nähe. Weniger vertraute Personen sind jetzt oft erst einmal wieder abgeschrieben, aber keine Sorge: Das kann sich schnell wieder ändern. Gib deinem Kind Zeit, mit anderen Betreuungspersonen warm zu werden, indem du stets erst eine Weile dabei bist.
  • Schwierigkeiten beim Essen: Viele Babys sind nun wählerischer, was das Essen angeht. Sie wollen nur ganz bestimmte Lebensmittel einnehmen oder haben insgesamt weniger Appetit. Das kann ziemlich anstrengend sein, geht aber in der Regel nach wenigen Wochen vorbei. Auch wenn dein Baby zeitweise wieder viel Milch trinken will, ist das in Ordnung - nutze dann am besten Pre-Milch, darin sind alle wichtigen Nährstoffe enthalten. Folgemilch ist auch möglich, kann aber aufgrund der zugesetzten Stärke Unruhe und Schlafprobleme verstärken.

Das lernt das Baby im 8. Schub

1. Motorik

Hier passiert im 55 Wochen Schub nochmal richtig viel! Die Vorbereitungen auf das Laufen nehmen weiter Fahrt auf, bei manchen münden sie sogar schon in die ersten Schritte. Spätestens jetzt gilt es, nochmal die Kindersicherheit der Wohnung zu überprüfen: Kann das Baby mit seinen neuen Fähigkeiten riskante Gegenstände erreichen?

2. Sprache

Viele Kinder sprechen jetzt schon ein paar erste Worte. Besonders aber der passive Wortschatz wächst rasant: Dein Kind versteht mehr und mehr Wörter. Die Sprachentwicklung deines Kindes ist im vollen Gange.

3. Handlungen flexibler verstehen

Oft wird in dieser Zeit mehr und mehr begriffen, dass Handlungen nicht immer in der gleichen Reihenfolge stattfinden müssen. So kann das Programm "Fertig machen für den Spielplatz" unterschiedlich ablaufen: Man kann erst die Schuhe und dann die Jacke anziehen, erst den Rucksack vom Haken nehmen oder erst die Mütze aufsetzen ... Viele Kinder experimentieren hier gern, manchen ist es aber auch wichtig, die gewohnte Reihenfolge beizubehalten. Das sind oft besonders sensible Kindern, denen Routinen Sicherheit geben.

Tipp: Achte hier auf Ausgewogenheit: Gehe auf das Bedürfnis ein, aber wenn das im Alltag mal zu unpraktisch oder unlogisch ist, darfst du deinem kleinen Liebling auch etwas Flexibilität zumuten. Auch kannst du das neu gewonnene Verständnis für Abfolgen positiv nutzen, indem du auch erklärst, dass du z.B. noch kurz eine Aufgabe beenden willst, bevor ihr dann spielen könnt.

4. Erste Rollenspiele

Viele Kinder entdecken zu diesem Zeitpunkt langsam ihr Interesse für Rollenspiele. Somit werden Puppen, Spielküchen und ähnliche Spielzeuge spannend, mit denen die Kleinen den Alltag spielerisch nachempfinden können.

Erfahrungen von Eltern mit dem 8. Schub

Die ersten Schritte des Nachwuchses zu sehen - sei es selbstständig oder an der Hand - ist für die meisten Eltern unheimlich beglückend. Nun ist es nicht mehr zu übersehen, dass aus dem kleinen, scheinbar hilflosen Baby mehr und mehr ein Kleinkind wird! Das ist herausfordernd und wunderbar zugleich. Oft geht nun auch die Elternzeit zuende bzw. das Elterngeld läuft aus, sodass in vielen Familien der Start in eine Betreuung (oft Kindertagespflege oder Kindertagesstätte) ansteht. Auch das bringt oft ein Wechselbad der Gefühle mit sich. Vorfreude auf die Wiederaufnahme des Joblebens mit mehr "Erwachsenenthemen" und etwas mehr Freiheit kann sich mischen mit Angst vor der Doppelbelastung und der Sorge, ob es dem Kind woanders auch wirklich gut geht.

Versuche, dir Zeit zu nehmen, um das Betreuungssetting gut kennen zu lernen und bestehe unbedingt auf eine langsame, sanfte Eingewöhnung. Vier, besser sechs Wochen, sollten für diese Zeit reserviert werden und mindestens in den ersten paar Tagen solltest du dein Kleines konsequent begleiten, sodass es die neue Umgebung behutsam kennenlernen kann.

Lesetipp: Tipps & Modelle der Kita-Eingewöhnung

So geht es für Kind & Eltern weiter

Auch im Kleinkindalter, jenseits des ersten Lebensjahres, gibt es Entwicklungssprünge. Die nächsten folgen oft etwa um die 64. und um die 75. Lebenswoche. Allerdings sind die folgenden Schübe oft zeitlich weniger klar einzugrenzen als im ersten Lebensjahr und auch die jeweiligen Entwicklungsschritte sind nicht mehr ganz so klar den jeweiligen Schubphasen zuzuordnen. Meist geht es aber hier um Autonomie, die sogenannte "Trotzphase", die weitere Sprach- und motorische Entwicklung.

Das Gute ist, dass du nach einem Jahr mit deinem kleinen Schatz schon einiges an Erfahrung gesammelt hast. Du weißt, das Entwicklung aus einer Mischung aus beglückenden Momenten und anstrengenden Veränderungen besteht und, dass letztlich eben "alles nur eine Phase" ist.